

Auf der Fensterbank und im geheizten Gewächshaus beginnt die ideale Aussaatzeit für Tomaten, Paprika, Basilikum und Auberginen. Letztere können jedoch nur gut wachsen, wenn die Temperaturen konstant über zwanzig Grad gehalten werden. Auch Sellerie ist bei der Anzucht etwas heikel: Sind die Temperaturen zu niedrig, neigt er später leicht zum Schossen. Seine Blütenanlage erfolgt durch Kälteeinwirkung, besonders am Ende der Jungpflanzenphase. Die Anzuchttemperaturen sollten tagsüber zwischen 18 und 20 Grad liegen, nachts nicht unter vier Grad. Die Sorte 'Prinz' bewährte sich unter zehn geprüften Selleriesorten mit extrem niedriger Schossneigung. (Infodienst Weihenstephan).
Wie bunte Gardinen schmücken einjährige Kletterpflanzen eine öde Hauswand oder verdecken häßliche Zäune. Manche von ihnen blühen üppiger und früher, wenn sie jetzt vorgezogen werden: Prunk- oder Trichterwinden, Glockenreben (blühen, wenn sie überwintert werden, wesentlich früher als im ersten Jahr), Schön-ranken, Sternwinden oder die hübschen kletternden Löwenmäulchen (Achtung Lichtkeimer!) mit den blauen Röhrenblüten.
Erscheinen nach den Keimblättern die ersten beiden richtigen Blätter, sollten die meisten Jungpflanzen pikiert werden, um das Wurzelwachstum anzuregen. Zum schnelleren Anwachsen eignet sich das Mittel 'Neudofix' (Neudorff). Die Wurzel wird etwa um ein Drittel eingekürzt und durch das Kräuterpulver gezogen. Ganz wichtig: Beim Einpflanzen die Wurzel nicht abknicken. Für mich stellt sich jedes Jahr neu die Frage nach einer idealen Anzucht- und Pikiererde. Einerseits will ich wegen der Ausrottung der Moore so wenig Torf wie möglich verwenden, andererseits habe ich noch keine gute Anzuchterde ohne Torf gefunden. Erde aus eigenem, reifen Kompost stehe ich skeptisch gegenüber: Bakterien und Viren können die Jungpflänzchen allzu schnell schädigen. Bei der von Biobauern favorisierten Anzuchterde 'Bio Potgrond' von der Firma Klasmann fielen mir im ersten Jahr die Hälfte der Basilikum-keimlinge um. Im zweiten starb dazu noch ein großer Teil der Tomatenkeimlinge ab. Befragte Demeter-Bauern konnten diese Erfahrungen jedoch nicht bestätigen. Sie haben beste Erfolge mit dieser komposthaltigen Erde gemacht. Falls Sie, liebe Leser/innen gute Erfahrungen mit eigenen oder torfarmen Anzuchterden gemacht haben, teilen Sie es mir bitte mit. Nach rund drei Wochen, wenn die Jungpflanzen eingewurzelt und etwas gewachsen sind, sollten sie leicht nachgedüngt werden. Gut eignet sich dazu der organische Flüssig-dünger 'Biotrissol' (Neudorff). Eine rein pflanzliche Alternative aus Weizenkorn ist das Produkt 'VITANAL', erhältlich bei
Biogartenmarkt Mack
Bahnhofstr. 168
70736 Fellbach
Tel. 0711/9579490
Fax 0711/588004
mack.bio-agrar@t-online.de
"Zu Aussaaten und Pflanzungen gehört im biologisch-dynamischen Anbau das Hornmistpräparat(500). Es wirkt nur, wenn der Boden schon leicht erwärmt ist und sollte nicht bei Frost gespritzt werden. Glashausanwendungen sind eine Ausnahme. Wenn nach der An-wendung der Boden bewegt wird, kann es zu jeder Tageszeit gerührt oder gespritzt werden. Sollen Wiesen oder Weiden behandelt werden, ist es ratsam, es gegen Abend anzuwenden. Es wird während der nächtlichen Einatmung der Erde in sie eingezogen. Oft wird empfohlen, für eine raschere Erwärmung des Bodens das biologisch-dynamische Baldrianpräparat(507) einzusetzen. Wurde im Herbst präparierter Kompost ausgebracht, reicht diese Wärmewir-kung des Baldrians jedoch aus. Die empfohlene Mischung 3 ccm auf 5 Liter Wasser gerührt, ist in der Konsistenz zu stark und bringt Salat, Spinat, Kohlrabi und andere zum Schossen. Unsere Versuche ergaben, daß ein Tropfen Baldrianblütensaft auf ein Liter Wasser, 20 Minuten gerührt und gegen Abend gespritzt, ausreicht, die Pflanzen zum Wachsen anzuregen. Werden in dieser Stärke nach Frostnächten blühende Beerensträucher behandelt, muß hinterher gut gewässert werden. Durch die Wärmewirkung des Präparates werden die Säfte in den Blättern verbraucht und die Pflanzen können welken." (Maria Thun)
Am Fenster und im beheizten Gewächshaus herrscht Hochsaison: Gurken, Kürbisse, Melonen, Zucchini, Kapuzinerkresse, Lupinen und Chrysanthemen werden ausgesät. Die älteren Anzuchten werden pikiert und gepflegt. Gute Erfahrungen habe ich mit der Vorzucht von Stangenbohnen und Zuckermais gemacht. Die jungen Pflänzchen haben einen Wachstumsvorsprung und sind deshalb wesentlich robuster gegen Schneckenfraß als an Ort und Stelle ausgesäte. Zuckermais säe ich in Klopapierrollen aus, die ich in eine Plastikschale stelle und mit einer Erdschicht stabilisiere. In jede Rolle kommen zwei bis drei Samen. Die stärkste Pflanze wird stehengelassen. Beim Auspflanzen nach den Frösten wird der Mais samt Rolle im Abstand von 30 cm in die Erde gesetzt (Reihenabstand 60 cm). Eine rechteckige Pflanzung ist sinnvoll, weil er vom Wind bestäubt wird. Die vorgezogenen Pflanzen haben einen Erntevorsprung von etwa drei Wochen. Indianer pflanzen Mais zusammen mit Kürbissen als Lückenfüller oder Bohnen als Stickstofflieferanten. Auch Kapuzinerkresse ist geeignet.
Die Renner für Fensterbrett und Balkon sind zweifelsohne pflegeleichte Geranien und Petunien. Außer einem Schmetterling, dem Taubenschwänzchen, kann jedoch keine Biene und kein Insekt etwas mit ihnen anfangen. Schmücken Sie doch einmal ihre Balkonkästen mit einjährigen Wildblumen. Bei der Firma Sperli gibt es dazu zwei schöne Samenmischungen: das Saatband 'Sperlings Hängende Gärten' und die 'Sommerblumenmischung für den Balkon'. Die Blumenschule Schongau, Augsburger Str. 62, 86956 Schongau, Tel.08861/7373, Fax 1272 verschickt wunderschöne Zusammenstellungen von Wildpflanzen für Kästen und Kübel: zum Beispiel die Pflanzenmischung '1001 Nacht'. Sie blüht ununterbrochen bis zum Frost in ständig wechselnden Farben.
Buchtip:
Wildblumen für Töpfe und Schalen von Reinhard Witt
BLV Verlag
29,90 DM
ISBN 3-405-15287-9
In der gemüsearmen Zeit bereichern junge Triebe von Brennessel, Bärlauch, Knoblauchsrauke oder Löwenzahn die ersten erfrischenden Salate. Letzterem wird mit Essig die Bitterkeit etwas genommen.
In den letzten Jahren nehmen, vor allem im süddeutschen Raum, Schäden am Lauch bis zum Totalausfall zu. Der Grund: Ein neuer Schädling hat sich zur altbekannten Lauchmotte Acrolepia assecella gesellt, die Lauchminier-fliege Napomyza gymnostoma. Beide Insektenarten schädigen die Pflanze durch Fraßtätikeiten ihrer Larven, die Gänge bis in den unteren Schaft fressen. Ansonsten leben die zwei Schädlinge sehr unterschiedlich: Sie fliegen zu verschiedenen Zeiten und die Lauchminierfliege kann dazu noch andere Zwiebelgewächse schädigen, was bei der Lauchmotte eher selten vorkommt.
Der kleine graubraune oder hellgefleckte Falter der Lauchmotte hat eine Flügelspannweite von 16 Millimeter. Die erste Generation fliegt von Mai bis Juni, die zweite im August. Jedes Weibchen legt etwa hundert Eier an die Unterseite der Blätter ab. Nach wenigen Tagen schlüpfen die kleinen Raupen. Sie haben einen braunen Kopf, drei Beinpaare und sind cremig-weiß mit dunklen Punkten. Ausgewachsen sind sie 13 Millimeter lang. Die Raupen hinterlassen mit Kot gefüllte Gänge, die bis zum Herz der Pflanze verlaufen können. Die befallenen Blattspitzen trocknen ein, die Blätter knicken ab und der Schaft kann faulen. Junge Pflanzen können absterben. Die Raupe verpuppt sich in einer Gespinnsthülle an den Blättern. Puppen und Falter überwintern. Letzterer sucht in nächster Umgebung einen geschützten Unterschlupf.
Die Lauchminierfliege ist der Stubenfliege sehr ähnlich, nur etwas schlanker und viel kleiner (vier bis fünf Millimeter) mit einer Flügelspannweite von etwa sieben Millimeter. Die erste Generation fliegt von Ende März bis April, die zweite von Septem-ber bis Oktober. Je nach Klima und Jahr variieren jedoch die Flugzeiten. Die Lauch-minierfliege ist schon lange am wildwachsenden Weinberglauch bekannt. Seit einigen Jahren tritt sie auch an Zwiebelge-wächsen in Kultur auf (Lauch, Zwiebel, Knob-lauch, Schnittlauch) und ist damit zu einem großen Problem geworden. In Ungarn und Österreich gibt es diese Verhaltensweise schon länger.
Die Fliegen ernähren sich vom Saft der Zwiebelgewächse. Sie hinterlassen an den Blattspitzen reihenweise angeordnete hellgrüne Saugstellen. Vor allem fällt das beim Schnittlauch auf. Die Eier werden in das Blattgewebe im oberen Drittel des Blattes abgelegt. Die schlüpfenden Maden sind beinlos, fast wasserhell und sehr klein. Aus-gewachsen sind sie rund fünf Millimeter lang. Sie fressen sich durch die Blätter nach unten, wobei sie oft die Blattschichten wechseln und so immer mehr nach innen wandern. Die Gänge fallen zunächst nicht auf, weil sie sehr klein und nicht mit Kot gefüllt sind. Beim weiteren Dickenwachs-tum der Pflanzen können sie aufplatzen. Das umliegende Blatt verfärbt sich rotbraun und kann zu faulen beginnen. Die Maden verpuppen sich unten im Lauchschaft oder in den Schnittlauchballen in rotbraunen Tönnchen und überwintern dort. Die Pup-pen können auch in Putzresten auf dem Kompost überleben. Im April, wenn der Schnittlauch zu treiben und die Steckzwie-beln zu wachsen beginnen, schlüpft die Fliege und der Kreislauf beginnt von vorne.
"Sehr schön angelegt. Beinahe der einzige Platz der Grün 99, wo man Insekten bei den Blüten antrifft. Natur die lebt, im Gegensatz zur 'sterilen' Anlage."
"Dieser Garten ist der lebendigste und fröhlichste Ort auf der Grün 99."
Von April bis Oktober strömten die Besucher. Die Pflanzen wuchsen prächtig in dem 300 Quadratmeter großen Garten. Die laufende Pflege forderte auch viel Zuwen-dung von unseren rund 25 ehrenamtlichen Helfern. An fast jedem der 185 Tage stand mindestens ein Mitglied der Betreuergruppe für Erklärungen und Führungen zur Verfügung. Zwischen 220 und 600 Menschen schauten sich täglich unsere Anlage an. Ganz verschieden gingen die Gartenschaugäste auf den Garten ein: Die einen freuten sich spontan über die üppig wachsenden Beete und nahmen wahr, daß "biologisch-dynamisch" ein nicht unbedeutender Be-griff ist. Andere waren sehr interessiert und nahmen neue Anregungen zu Mischkultu-ren, Fruchtwechsel, kosmischen Bezügen, Kompost- oder Rührpräparaten mit. Sie wollen die neuen Impulse künftig im eigenen Garten und beim Lebensmitteleinkauf verstärkt einfließen lassen.
Anbauer und Käufer von Demeter-Produkten waren über unseren Beitrag hoch erfreut. Sie dankten uns und nahmen neue Motivationen und Ideen mit. Auffallend viele Gäste äußerten sich sehr positiv über die "wunderschöne" äußere Erscheinung, die lehrreiche Aufbereitung und über die besondere Stimmung. Wie aus vielen Ein-trägen in unserem Gästebuch hervorgeht, wurde dieses Gärtchen sogar als der schönste Teil der Gartenschau empfunden.
Die auffallend starken Gefühlsbekundungen rühren vermutlich daher, daß wir durch das häufige Ausbringen der biologisch-dynamischen Präparate die Kräfte und Wesen im Lebensbereich besonders gefördert haben. Ein weiterer Höhepunkt war der Vortrag von Frau Maria Thun über ihre Konstellationsforschung. Mehr als zweihundert Besucher folgten der Einladung in das große Veranstaltungszelt.
Wir können sicher sein, daß unser Projekt eine weitreichende Öffentlichkeitswirkung auslöste. Unser Verein gewann besonders in dieser Region wesentlich an Bedeutung. Der große Aufwand hat sich gelohnt!
Eine farbige Dokumentation gibt es für 50,- DM bei:
Verein zur Förderung der Bio-Dyn. Wirtschaftsweise
Barbara Burrer
Am Eichhof
75223 Niefern-Öschelbronn
Tel. 07233/68195.
Spendenkonto:
Sparkasse Pforzheim
Konto 896411
BLZ 665 500 85