

Im Obstgarten geht es jetzt noch einmal so richtig ran: Zwetschgen, Äpfel und Birnen wollen geerntet, gelagert und eingemacht werden. Da heute zum Einlagern meistens feuchte Gewölbekeller fehlen, können mittelspäte und späte Äpfel auch sehr gut in Folienbeuteln (0,03 bis 0,05 Millimeter stark) einige Monate aufgehoben werden. Dabei ist folgendes wichtig:
In meinen Augen ist es eine Unsitte im Hobbyanbau im September bei den Rosenkohlpflanzen die Spitzen auszubrechen. Dadurch wird der Kohl frostempfindlicher, da ihm seine schützenden Kopfblätter fehlen. Ich habe schon oft erlebt, daß die jetzt noch kleinen Röschen bis in den Winter ordentlich gewachsen sind. Sie müssen im Hausgarten auch nicht unbedingt einheitlich groß sein. Durch Anhäufeln, Hacken und regelmäßiges Gießen wird das Wachstum genauso angeregt, ohne daß dem Kohl sein Kopf genommen werden muß.
In diesem Monat ist es ideal, Zwiebeln von Frühlingsblühern zu stecken. Zwei Firmen in Deutschland bieten traditionelle alte Kultursorten in Bioqualität an. Sie seien wesentlich robuster als die neuen hochgezüchteten Sorten und blühten wochenlang. Auch nehme die Blütenqualität nicht von Jahr zu Jahr ab. Kunstdünger, Schädlingsbekämpfungsmittel, Herbizide oder Hemmstoffe werden im ökologischen Anbau nicht verwendet. Wegen mehr Handarbeit und der bisher nur wenigen Bioanbauer liegen die Preise höher als bei konventioneller Ware. Bio-Blumenzwiebeln gibt es bei:
grüner Tiger
Pfarräckerstr. 13,
90522 Oberasbach
Tel./Fax 0911/698430
und
Küchengarten Reinhold Krämer
Waldstetter Gasse 4
73525 Schwäbisch Gmünd
Tel. 07171/9287-12, Fax -14
(Liste gegen frankierten Rückumschlag)
Jedes Frühjahr freue ich mich über die ersten bunten Blüten in meinem Zwiebelblumen-Balkonkasten. Ich lege ihn im Herbst an. Die Zwiebeln kommen in drei Etagen in einen 17cm hohen Kasten: Nach ein paar Zentimeter Erde folgt die erste Lage mit mehreren Narzissenzwiebeln der Mini-Sorten 'February Gold' oder 'Tête à Tête'. Darüber folgt eine dünne Schicht Erde, dann Zwiebeln von Hyazinthen und niedrigen Tulpen, wieder Erde und ganz oben die von Schneeglöckchen, Wildkrokussen, Blausternen und Traubenhyazinthen. Der Kasten sollte auch bei Frost draußen bleiben, da die Blätter sonst zu früh aus der Erde schießen. Drohen stärkere Fröste muß er in Noppenfolie eingewickelt und in die Nähe der Hauswand oder vor das Kellerfenster gestellt werden. Sobald es wieder wärmer wird (ab Februar), kommt der Schutz weg und der Blumenkasten wird nach und nach der Frühjahrssonne ausgesetzt.
Manche Gemüse und Kräuter wie Feldsalat, Rosenkohl, Grünkohl, Wirsing, Spinat, Lauch, Petersilie und Salatrauke halten starke Fröste aus und können den Winter über auf den Beeten bleiben. Durch häufiges Einfrieren und Auftauen leidet jedoch Qualität und Geschmack von Rosenkohl. Er sollte deshalb bis Ende Dezember abgeerntet sein. Auch die alten Gemüsesorten Pastinaken, Schwarzwurzeln und Topinambur sind frosthart und können nach Bedarf ausgegraben werden. Einige Frostgrade halten auch verschiedene Herbstgemüse aus: Zuckerhut -8°, Winterendivie -5°, Chinakohl -3°bis -5°, Knollenfenchel -4°. Kohl- und Wurzelgemüse legen im Oktober noch zu und sollten deshalb so lange wie möglich draußen bleiben. Da der Nitratgehalt bei Sonneneinstrahlung stark abnimmt, ist es am gesündesten, an sonnigen Tagen das Wintergemüse zum Frischverzehr zu ernten. Kürbisse werden ein bis zwei Wochen, bis sich die Schale härtet, bei ca. 18° untergebracht. Danach halten sie sich mehrere Monate bei rund 10°. Äpfel vertragen Frost bis -6 °, dürfen aber nicht angefaßt werden solange sie gefroren sind. Nach meinen Erfahrungen verlieren Quitten durch Frost deutlich an Geschmack und sollten deshalb, bevor es kälter wird, geerntet werden. Sie lassen sich im Keller ein paar Wochen lagern. Kiwis werden erst bei stärkeren Frösten in die Küche geholt. Dort müssen sie noch einige Zeit nachreifen, bis sie weich und süß sind. Die kleinen 'Weiki-Kiwis' sind ab Mitte Oktober, wenn sich ihre Schale weich anfühlt, erntereif und können gleich gegessen oder ein paar Wochen aufgehoben werden.
Jetzt fallen wieder viele Gemüse-, Laub- und Strauchabfälle im Garten an. Wer einen neuen Komposthaufen aufsetzt, impft ihn am Schluß mit den biologisch-dynamischen Kompostpräparaten, die aus Schafgarbe, Kamille, Brennessel, Eichenrinde, Löwenzahn und Baldrian zubereitet sind. Sie beschleunigen die Rotte und der Stoffumsatz wird verbessert. Ein so präparierter Kompost regt das Wurzelwachstum der Pflanzen besonders an. Die Wurzeln wachsen kräftiger und dringen tiefer in die Erde ein als solche, die mit normalem Kompost gedüngt werden. Mitglieder von Demeter-Hausgartengruppen erhalten einmal jährlich die Präparate kostenlos. Andere Interessenten können sich bei Demeter-Bauern in der Nähe beraten lassen oder Einführungsseminare zur biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise besuchen. Auskünfte erteilt dazu der
Forschungsring für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise
Brandschneise 1
64295 Darmstadt
Tel. 06155/8412-44 (Frau Reusch), Fax 8469-11
info@forschungsring.de
www.demeter.de
oder
Demeter Baden-Württemberg
Hauptstr. 82
70771 Leinfelden-Echterdingen
Tel. 0711/902540
Fax 0711/9025454.
Gebrauchsanweisungen für alle Demeter-Präparate liefert außerdem das Büchlein:
Anleitung zur Anwendung der biologisch-dynamischen Präparate
von Christian von Wistinghausen
Verlag Freies Geistesleben
ISBN 3-7725-1040-x
19,80 DM.
Einen Großputz im Herbst gibt es im Naturgarten nicht. Möglichst viele Staudenreste werden für Vögel und Insekten stehengelassen und Reisighaufen als Unterschlupf für Igel, Spitzmaus und Co geschaffen. Neue Nistkästen für Vögel können aufgehängt, die alten durch das Entfernen der Nester gereinigt werden. Nur sehr verschmutzte Kästen können mit einer Bürste, die in Sodawasser getaucht wurde, geputzt werden. Wildsträucher wie Wildrosen, Holunder, Schlehen, Felsenbirnen oder Hartriegel mit einem beerigen Nahrungsangebot für unsere Helfer im Garten werden jetzt gepflanzt.
Wer zusätzlich ausführliche Infos über Saatgutgewinnung und Anzucht im Bioanbau möchte, erfährt dies in dem Buch:
Biologisches Saatgut aus dem eigenen Garten
236 Seiten
(nicht mehr im Buchhandel erhältlich; zu bestellen nur bei dem Autor
Bernward Geier
Ökozentrum Imsbach
66636 Tholey-Theley
Tel. 06853/5190, Fax 30110
28,- DM zzgl. Porto)
Die Sendung wird am 9. Oktober 2000 im "ARD-Buffet" von 12.15 Uhr bis 13.00 Uhr in ähnlicher Art wiederholt.