

Beim Thema Umgraben stehen Biogärtner immer wieder vor der gleichen Frage: soll ich oder lieber doch nur lockern? Bei der Suche nach einer Antwort spielen mehrere Punkte eine Rolle: Bodenart, Gründüngung und Zeitpunkt der Bestellung im Frühjahr. Schwere Böden werden am besten umgegraben, wenn eine Bestellung im Frühjahr vorgesehen ist. Der Frost kann tief eingreifen und bis zur Aussaat entsteht ein feinkrümeliger Boden. Am einfachsten ist es, bei leicht gefrorenem Boden umzugraben. Wird dies zu früh getan, kann ein Herbstregen den Boden verfließen lassen und der Frost nicht mehr in die Erdspalten eindringen. Wird das Beet erst ab Mai gebraucht, kann auch eine überwinternde Gründüngung (Winterroggen oder Winterwicke) den Boden lockern. Leichte Böden werden im Winter am besten mit einer Gründüngung bedeckt. Im Frühjahr kann mit der (Bio-) Grabgabel oder dem Sauzahn gelockert werden. Genaue Auskunft über den Zustand des Bodens gibt eine Bodenuntersuchung. Sie ist auch sinnvoll, wenn mit den biologisch-dynamischen Präparaten gearbeitet wird. Sie wirken belebend und gesundend auf Boden und Pflanzen. Meiner Meinung nach können sie jedoch einen hohen Nährstoffmangel nicht in kurzer Zeit ausgleichen. Ganzheitlich und standortgemäß analysiert für 65 Mark mit 14 Einzelbestimmungen Labor Dr. Balzer, Oberer Ellenberg 5, 35083 Wetter, Tel.06423/7483, Fax 3197, die Erde. Es ist das einzige Labor Deutschlands, das eine so aufwendige Analyse macht und biologische Dünge- und Pflegetips gibt. Für eine Bodenprobe werden an zehn gleichmäßig verteilten Stellen aus kleinen etwa 20 cm tiefen Gruben 3 cm starke Erdscheiben senkrecht abgestochen, in einem Eimer gesammelt und sehr gut vermischt. 200 Gramm davon in einen sauberen Plastikbeutel füllen, mit Namen, Datum, Kultur, Grundstücksart, Düngung, Vorkultur und Lage beschriften und an das Labor schicken.
Der Schneeheide 'Erica carnea' können in meinem Balkonkasten Frost und Kälte nichts antun. Sie erfreut mich von Dezember bis März/April mit Blüten in den schönsten Rottönen. Auch ihre Knospen nehmen schon frühzeitig Farbe an. Schneeheide gibt es von weiß über rosa bis dunkelrot. Am schönsten blüht sie an einem sonnigen Standort im Garten und eignet sich hervorragend als Bodendecker (15-25cm Höhe), da sie sehr langsam wächst. Obwohl Schneeheide recht anspruchslos ist, braucht sie eine gewisse Anlaufzeit, bis sich die für sie wichtigen Kleinlebewesen im Boden vermehrt haben. Im Gegensatz zu anderen Heidearten ist sie kalkliebend. Durch einen jährlichen Rückschnitt um etwa ein Drittel nach der Blüte bleibt die Pflanze buschig und blühwillig. Für Bienen ist dieser einheimische Frühblüher in der nektar- und pollenarmen Winterzeit eine wichtige Nahrungspflanze.
Bis minus 15 Grad ist die Salatrauke oder Ruccola frosthart. Die Zuchtform 'Eruca sativa' eignet sich im Hausgarten besser als die Wildform 'Diplotaxis tenuifolia'. Sie schießt schnell in Blüte und schmeckt wesentlich schärfer als die Zuchtform. Für die Winter- und Frühjahrsernte kann bis in den September ausgesät werden. Wichtig ist ein weiter Abstand von ca. 10 cm, damit die Pflanze nicht zu schnell blüht und große Blätter ausbildet. Gerne benutze ich Salatrauke als nussiges Gewürz in Salatsaucen oder mit Olivenöl, Salz und Parmesan als erfrischende Vorspeise. Diesen Genuß hat mir das Umweltinstitut in München jedoch etwas genommen. Es fand heraus, daß Rauke stark mit Nitrat belastet ist - Bio-Ruccola jedoch deutlich weniger als konventionell angebaute. Der mittlere Nitratgehalt der 13 Bio-Proben lag bei 3.285 mg/kg, der niedrigste bei 500 der höchste bei 6.300 mg/kg. Die konventionelle Rauke brachte es sogar bis auf 8.500, der Mittelwert lag hier bei 5.383mg/kg (Grenzwert für Freilandsalat 2.500 mg/kg, Babynahrung 250 mg/kg). Beim Anbau sollte deshalb auf keinen Fall Stickstoff-Dünger verwendet und ein sonniger Platz ausgesucht werden. Ernte bei Sonne und Abschneiden der Stengel reduzieren den Nitratgehalt zusätzlich. Als Gemüse oder Salat sollte Ruccola nicht zu häufig gegessen werden. Unbedenklich ist es als Gewürz.
Vor den ersten Frösten kommen alle meine Gartenschläuche in frostfreie Räume, da sie sonst starr und brüchig werden. Beste Erfahrungen mache ich seit drei Jahren mit einem Gummischlauch. Er ist zwar teurer als die gängigen PVC-Schläuche, wird dafür nicht starr und verdreht sich fast nicht. Außerdem hat die Zeitschrift "Öko-Haus" (Nr. 3/2000) zwölf Schläuche untersucht. Davon war keiner uneingeschränkt empfehlenswert, da alle aus PVC bestanden und Weichmacher enthielten. Aus PVC können beim Verbrennen Dioxine entstehen. In acht Produkten steckten sogar erhebliche Mengen Tributylzinn (TBT) oder andere zinnorganische Verbindungen. Wie im Test nachgewiesen wurde, gelangen alle diese Stoffe ins Wasser und damit auch aufs Gemüsebeet. TBT ist für den Menschen hoch giftig. Öko-Haus empfiehlt deshalb, gute Gummi-Schläuche zu kaufen, die es für vier bis fünf Mark pro Meter im Gartenfachhandel gibt. Wasser, das mehrere Tage in einem PVC-Schlauch gestanden habe, solle nicht zum Wässern des Gemüsebeetes verwendet werden, da es mit Schadstoffen belastet sei. Spielen Kinder mit einem Schlauch, sollte vorher das alte Wasser abgespritzt werden.
Welches Saatgut das geeignetste für den Garten ist, läßt sich nicht immer leicht herausfinden. Zum einen fehlen nähere Informationen zu den verschiedenen Züchtungsmethoden, zum anderen kann meistens der Weg des Saatgutes nicht zurückverfolgt werden. Konventionelle Samen sollten im Bio-Hausgarten prinzipiell nicht verwendet werden, da die Mutterpflanzen mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutz- und Düngemitteln behandelt wurden. Das heißt, daß sie unter ganz anderen Bedingungen herangewachsen sind als im biologischen Anbau und sich ihr Wachstumsverhalten verändern kann. Auch die innere Qualität leidet bei konventionellem Nachbau, was sich anhand bildschaffender Methoden (Kupferchloridkristallisation, Steigbild) nachweisen läßt. Am allerbesten ist es, Biosamen aus der Region zu verwenden, da sie an die örtlichen Verhältnisse bestens angepaßt sind. Die Saatgutfirmen Allerleirauh und Dreschflegel geben zum Beispiel Namen und Ort der Züchter inklusive Bodenart in ihren Katalogen an.
Jahrzehntelang ging es beim Gemüsesaatgut nur um die Frage gebeizt oder nicht. Die weitergehende Forderung, daß es auch von Pflanzen stammen sollte, die auf ökologisch bewirtschafteten Flächen wachsen, wurde kaum gestellt. Jedoch gab Rudolf Steiner in seinem "Landwirtschaftlichen Kurs" schon 1924 Hinweise, wie zukünftige Alternativen in der Züchtung aussehen könnten. Die ersten, die sich nach dem letzten Krieg mit biologischer Züchtung von Gemüse beschäftigten, waren Thomas Becker aus Wybelsum (Emden) und Ilmar Randuja (Schweiz). Ein weiterer Schritt wurde in den achtziger Jahren mit der Gründung des Initiativkreises für Gemüsesaatgut aus biologisch-dynamischen Anbau unternommen. Es war erstmalig das erklärte Ziel, Saatgut für den Erwerbsgemüsebau in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung zu stellen. Allerleirauh in Bingenheim und Dreschflegel in Melle begannen daraufhin ausschließlich Biosaatgut anzubieten. Heute führt fast jede konventionelle Saatgutfirma Biosamen in ihrem Programm. Aufgrund dieser Angebotsvielfalt sollten jedoch einige Begriffe im Zusammenhang mit der Qualität der Samen geklärt werden.
Eine Sorte braucht viele Jahre, um sich an biologische Methoden zu gewöhnen. Deshalb versuchen die engagierten Züchter möglichst viele biologische Vermehrungsstufen voranzustellen, bevor der Samen in den Verkauf kommt. Viele Sorten sind zwar ursprünglich auch konventionell angebaut und gezüchtet worden, werden aber schon Jahre ökologisch vermehrt. Hierzu zählen zum Beispiel Paprika 'Yolo Wonde', Rote Bete 'Rote Kugel' oder Knollenfenchel 'Zefa Fino'. Sie werden vom Initiativkreis nachgezüchtet. Bei "echten" Öko-Sorten finden alle Züchtungsschritte auf ökologischen Flächen statt. Sie werden unter Gesichtspunkten gezüchtet, die sie von Anfang an für einen Anbau unter diesen Bedingungen geeignet machen. Die "echten" Sorten lassen sich heute nur noch an zwei Händen abzählen. Diese ökologische Anbaueignung muß jedoch das Ziel und nicht ein Nebeneffekt der zukünftigen Züchtung von Biosaatgut sein.
Die entgegengesetzte Züchtungsrichtung ist die Selektion von Pflanzen, die in ihrem gesamten Erscheinungsbild durch ihre Robustheit positiv auffallen. Dies drückt sich unter anderem als Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Witterungsverhältnisse oder gutes Regenerationsvermögen aus. Solche Sorten werden bei entsprechender Kultur immer gut abschneiden. Sie bringen zwar selten Höchstleistungen, drohen aber auch nicht zu Flops zu werden. Solches Saatgut sollte auch im Hausgarten bevorzugt ausgesät werden. Es wird hauptsächlich von den kleineren engagierten Betrieben angeboten (siehe Kasten). Fragen Sie andere Firmen nach der Art und Weise ihrer Saatgutgewinnung und helfen Sie damit den Markt für "echtes" Biosaatgut weiter anzukurbeln.
Dr.med. Michaela Glöckler, Leiterin der Medizinischen Sektion am Goetheanum Dornach (Schweiz), vermittelt "Impulse für eine Landwirtschaft in einer einseitig nach äußeren Werten orientierten Welt": Ist es heute möglich einen wirtschaftlichen Erfolg mit einer "Pflege der Erde" zu verbinden? Was bedeutet Qualität von Lebensmitteln für den Verbraucher, wo heute häufig der Preis alleine entscheidet? Nachmittags Gesprächsgruppen mit den Referenten.
Tageskarte 15,- DM, Einzelvortrag 10,- DM.
Detailliertes Programm bei: Beratungsdienst ökologischer Landbau e.V. Pfefflinger Str. 2, 89073 Ulm, Tel. 0731/24729, Fax 893099, oeko.landbau.ulm@t-online.de
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