20. Mai 2013
Aktueller Inhalt
Arbeitskalender Januar / Februar
von Iris Mühlberger
- Saatbäder
- Biosaatgutfirma
- Sellerie
- Bio-Pflanzkartoffel-Aktion
- Erste Aussaaten
- Aussaat- und Pflanzzeiten
Januar
Normalerweise genieße ich die Winterzeit intensiv. Gemütliche und ausgedehnte Spaziergänge durch die bizarre Eis- und Winterlandschaft geben mir viel Kraft und Ruhe. Dieses Jahr ist dies leider nur selten möglich, da sehr viel Arbeit an unserer alten Scheune wartet. Wir leben seit Ende Dezember provisorisch im alten Wohnhaus (ohne Bad und Küche), weil die Scheune noch nicht so weit renoviert ist, wie wir es uns bis zum Umzug erhofft hatten. Der Abschied von meinem seit mehr als acht Jahren bewirtschafteten Garten ist mir nicht leicht gefallen. Er hat sein Gesicht in diesen Jahren sehr verändert, wurde zu "meinem" Paradies mit vielen Wildsträuchern und Gemüsebeeten, die ich biologisch-dynamisch pflegte. Froh bin ich über die sehr netten Nachmieter, die diese Arbeit schätzen und den Garten weiterhin biologisch bearbeiten wollen. Ein Abschiedsgeschenk besonderer Art machten uns leider die ansonsten sehr netten Vermieter: Sie ließen einen rabiaten Gärtner ein paar Stunden auf den Garten los. Das Ergebnis: Fast alle Holundersträucher, die uns sehr viel bedeuteten, sind abgeholzt. Eine Schlehe und ein Zwetschgenbaum, der trotz eines Lochs im Stamm jedes Jahr getragen hatte, verschwan- den auf Nimmerwiedersehen. Andere uns lieb gewordene Büsche wurden auf halber Höhe mit der Motorsäge "geköpft". Ich frage mich heute, ob dies alles sein mußte, damit mir der Abschied leichter fiel. Jedenfalls brauchte ich einige Zeit, um diesen Kahlschlag zu verdauen. Mein neues Paradies liegt im Moment noch recht karg und leer vor mir. Im November habe ich eine Hochstamm-Kirsche 'Kassins frühe' gepflanzt und damit meinen ersten eigenen Garten begrüßt.
Im Januar gibt es draußen nur wenig zu tun. Ein richtiger Gärtner ruht jedoch trotz Schneegestöber kaum: Beete werden geplant, Samen bestellt und die ersten warmen Aussaaten im geheizten Gewächshaus oder auf der Fensterbank vorbereitet. Dabei können Saatbäder die Pflanzen in ihrem Wachstum fördern. Sie keimen schneller, sicherlich mit bedingt durch die Feuchtigkeitsaufnahme. Gegenüber Vergleichspflanzen zeigen die behandelten Pflanzen ein kräftigeres Wachstum, sind gesünder und ertragreicher. Sie werden mit ungünstigen Witterungsverhältnissen besser fertig und entwickeln ein umfangreicheres, kräftigeres Wurzelnetz. Am Tag vor der geplanten Aussaat erfolgt die Behandlung des Saat-, bzw. Pflanzgutes mit den entsprechenden Auszügen. Die Samen werden mit der lauwarmen vorbehandelten Flüssigkeit übergossen oder in einem Stoffsäckchen (Leinen) hinein gehängt. Die meisten Samen bleiben eine Stunde darin, außer Bohnen (15 Minuten), Kohl, Radieschen und Rettich (bis zu 30 Minuten) oder Erbsen, Knollen und Wurzeln (bis zu zwei Stunden). Nach dem Bad werden sie an einem schattigen Ort auf saugfähigem Papier zum Trocknen ausgelegt. Sie können noch am selben Tag ausgesät werden. Mehr als zwei Tage sollten die Samen nicht liegen bleiben, da sonst ihre Keimfähigkeit abnimmt. Kartoffeln erhalten das Saatbad ebenfalls durch Übersprühen bei gleichzeitigem Umschaufeln, dreimal innerhalb von zwei Wochen. Bei ihnen fördert das Birkengrubenpräparat besonders den Mengenertrag, während das Baldrianpräparat eine bessere Widerstandskraft gegen Abbaukrankheiten sowie Kraut- und Knollenfäule bewirkt.
Friedrich Sattler
| Was? |
Zubereitung |
Für welche Pflanzen? |
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| Hornmist-Präparat |
Mit warmen Wasser (38 o) unmittelbar vor der Anwendung eine Stunde rühren, Menge wie im Freiland |
Spinat, Mangold, Rote Bete, im Zweifelsfall für alle Pflanzen geeignet |
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| Baldrianpräparat |
Mit warmen Wasser (38 o) vor der Anwendung 15 Minuten rühren, 10 ml auf 10 l Wasser |
Lauch, Zwiebeln, Möhren, Kürbis, Tomaten, Sellerie, Kartoffeln, Blumen, Weizen, Futter-/Zuckerrüben |
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| Birkengrubenpräparat |
1 Teil Präparat + 4 Teile warmes (38°C) Regenwasser + 5 Teile Vollmilch, 5 Minuten kräftig rühren, 20 - 24 Stunden stehen lassen, vor Anwendung 5 Minuten kräftig rühren |
Futter-/Zuckerrüben, Möhren, Kartoffeln (ohne Vollmilch) |
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| Kamillen-Präparat |
1/2 Kaffeelöffel auf 1 l handwarmes Regenwasser ca. 5 Minuten kräftig rühren, 20 - 24 Stunden stehen lassen und gelegentlich umrühren, vor Anwendung 5 Minuten kräftig rühren |
Leguminosen , Radieschen, Erbsen, Rettich, Raps, Senf, Tulpen, Kohlarten |
| Brennessel-Präparat |
Gerste |
| Eichenrinden-Präparat |
Salat, Kartoffeln, Dahlien, Hafer |
Februar
Bio-Pflanzkartoffel-Aktion
Auch dieses Jahr haben wir wieder eine Versandaktion von Bio-Pflanzkartoffeln (Bioland) organisiert. Sie werden jedoch von einem anderen Händler verschickt als letztes Jahr.
Colette (sf, vf, gelb, Verfärbung nach dem Kochen sehr gering),
Marena (ms, vf, Kr, guter Geschmack, ertragreich),
Treff (ms, mehlig, gute Kr und Erträge).
Preis: ca. 5 1 (+/- 1,50 1) für 2,5 kg zzgl. Porto, Packungsgrößen: 2,5/5/10/25 kg - Zwischengrößen sind möglich.
Lieferung ab Ende Februar, bei früher Bestellung ab Mitte Januar zum Vorkeimen möglich.
Die Bestellliste kann telefonisch, per Fax, email oder Post angefordert werden bei:
Gartenbedarf Clauss
Kolpingstr. 26
73732 Esslingen
Tel: 0711/372127
Fax: 0711/3704566
GartenClauss@t-online.de
Ist es nicht zu frostig, können Ende des Monats die ersten Aussaaten im kalten Frühbeet vorgenommen werden. Sie sind, je nach Witterung und Aussaatzeitpunkt, bereits Mitte April erntereif. Ich versuche, wenn ich gerade kein eigenes Obst und Gemüse habe, soweit als möglich saisongerecht einzukaufen. Deshalb gibt es bei mir im Winter nur ganz selten Tomaten oder Erdbeeren. Auch den lichtarmen, nitratreichen Gewächshaussalaten drehe ich gerne den Rücken zu. Deshalb freue ich mich immer besonders auf die ersten eigenen Schnittsalate und Radieschen aus meinem Frühbeet.
Aussaat- und Pflanzzeiten im Januar und Februar
Säen Ende Januar: Fe: Treibeissalat ('Kellys'), Kopfsalat ('Maikönig'), kältetoleranter Kohlrabi ('Lanro')
Säen Ende Februar: Fb: Schnittsalat, Radieschen, Fe: Artischocke, Kerbel, Löwenmaul, Verbenen, Astern, Zinnien u.a. Sommerblumen, die lange Vorkultur benötigen, Frei: Dicke Bohnen, Spinat, Petersilie
Fb=Frühbeet, Fe=Fenster/geheiztes Gewächshaus
Warum Ohrwürmer nicht zwicken
von Helmut Hintermeier
Während wissenschaftliche Tier- oder Pflanzennamen nach genau definierten systematischen Regeln gebildet werden, spielen bei der Entstehung umgangssprachlicher Bezeichnungen nicht selten Phantasievorstellungen, Ängste, bestimmte Zu- und Abneigungen oder der Aberglaube eine wesentliche Rolle. Geradezu ein Schulbeispiel hierfür ist der Ohrwurm. Genau genommen müsste er 'Öhrwurm' heißen, denn das so auffällige Zangenpaar am Hinterleibsende bildet in Ruhelage eine Öse oder ein Öhr. Wie es zum 'Ohrwurm' oder 'Ohrkriecher' kam, kann man sich aufgrund der Vorliebe der Tiere für dunkle Verstecke zwar gut vorstellen. Es ist jedoch barer Unsinn, daß Ohrwürmer ins Ohr kriechen. Den 'Ohrkneifern' wird sogar nachgesagt, sie würden mit den Hinterleibszangen das Trommelfell des menschlichen Ohrs durchzwicken. In den Medizinbüchern des vorigen Jahrhunderts wurde der 'Gemeine Ohrwurm' sogar noch als Mittel gegen Taubheit empfohlen.
Wozu die Zangen wirklich dienen
Entgegen aller Fabelweisheiten sind die beiden Zangen wichtige Verteidigungs- und Angriffswaffen, mit denen sich die Männchen gegenseitig rückwärts bedrängen und um den Besitz eines Weibchens kämpfen. Auch könnten sich Ohrwürmer ohne ihre markanten Gabeln überhaupt nicht paaren, denn das Männchen muß seine Partnerin bei der Vereinigung damit in Position halten und das oft über mehrere Stunden. Manche Arten ergreifen mit ihren Zangen Fliegen und kleine Raupen, die sie dann über ihren Rücken hinweg dem Mund zuführen. Die Zangen sind individuell recht verschieden, bei den Männchen aber stets sehr stark gestaltet: Es gibt lange schlanke und kurze breite Zangen. Die Weibchen setzen ihre nicht minder respekteinflößenden Kneifzangen zur Verteidigung der Jungen gegen kleine Nesteindringlinge ein. Ohrwürmer falten mit ihren Zangenfortsätzen ihre häutigen Unterflügel zusammen oder auseinander. Damit wird sogleich deutlich, dass wir keinen Wurm vor uns haben: Ohrwürmer gehören zur Insektenordnung der Dermaptera, was übersetzt etwa 'Harthautflügler' bedeutet und auf die stummelförmigen, harten Vorderflügel dieser Insektengruppe hinweist. Unter ihnen liegen die häutigen Hinterflügel, sorgfältig in bis zu 40 Lagen zusammengefaltet. Ohrwürmer können also auch fliegen, tun es aber äußerst selten, da der Vorteil des platzsparenden Faltpatentes wohl schwerer wiegt, als das umständliche Auspacken und Entfalten der Tragflächen.
Hingebungsvolle Brutpflege
Ohrwürmer kommen weltweit mit 1.300, bei uns aber nur in sieben Arten vor, wobei wir am häufigsten dem 'Gemeinen Ohrwurm' begegnen. Die längste Zeit ihres rund anderthalbjährigen Lebens verbringen Ohrwürmer in dunklen, stets etwas feuchten Örtlichkeiten wie Steinen oder Rinde, wo allseitiger Körperkontakt mit den Höhlenwänden den Tieren Sicherheit suggeriert. Unter Moospolstern oder Steinen an Südhängen vollzieht sich auch die außerordentlich interessante Brutpflege des Ohrwurms: Schon bald im Jahr (Januar/Februar) gräbt das Weibchen eine Brutröhre, an dessen Ende es innerhalb von zwei Tagen 50 bis 60 Eier legt. Die Mutter sitzt bewachend auf dem Eihäufchen, indem sie den Kopf auf den Vorderbeinen ruhen lässt. Die Eier werden immer wieder gewendet und beleckt, verpilzte und verletzte aussortiert. Erweist sich das auserwählte Versteck als zu trocken oder zu nass, wird das gesamte Gelege Stück für Stück in einen besseren Schlupfwinkel umquartiert. Bei einer Temperatur von 15 bis 19 Grad schlüpfen die jungen Ohrwürmer bereits nach drei bis vier Wochen. Das Weibchen nimmt sich ihrer an, begleitet sie sogar fürsorglich bei gemeinsamen nächtlichen Ausflügen. Ausreißer werden nach Katzenart mit dem Mund in die Kinderstube zurückgetragen. Stirbt später die Mutter, wird sie von den Jungen aufgefressen. Sie sind jetzt selbstständig und schließen sich den Schlafgesellschaften der Erwachsenen an. Bis zum Herbst sind sie selbst erwachsen.
Wichtige Nützlinge
Ohrwürmer sind Gemischtköstler: Neben zarten Blütenblättern von Dahlien munden ihnen auch Stempel und Staubgefäße von Nelken, Rosen und Chrysanthemen. Gelegentlich werden auch junge Triebe und Knospen angefressen. Der von den Ohrwürmern angerichtete Schaden ist jedoch gering. Weit größer ist ihr Nutzen bei der natürlichen Schädlingsabwehr: Ohrwürmer sind gefräßige Blattlausjäger, die in kürzester Zeit ganze Kolonien dieser Pflanzensauger dezimieren können. Schon ein einziger Ohrwurm soll in einer Nacht bis zu hundert Blattläuse vertilgen. Weil Ohrwürmer nicht wählerisch sind, fressen sie auch so manches Eigelege der Obstbaumgespinstmotte und anderer Schadfalter. Sogar Mehltaupilze und wahrscheinlich noch weitere Pilzarten stehen auf ihrer Speisekarte. Wer Ohrwürmer in den Garten locken will, kann dies am besten mit in Obstbäume gehängten 'Ohrwurmhäuschen' (umgekehrte mit Holzwolle, Moos oder Stroh gefüllte Blumentöpfe) erreichen. Hier finden die nachtaktiven Tiere am Tag Unterschlupf und Schutz vor natürlichen Feinden. Tritt Nahrungsmangel ein, können die Schlafstätten in noch verlauste Bäume und Sträucher umgehängt werden. Früher wurden solche künstlich angelegten Schlupfwinkel als Fallen benutzt und innerhalb eines Jahres in einem Garten bis zu 70.000 Tiere weggefangen und vernichtet. Inzwischen haben sich jedoch viele Biogärtner von der enormen Nützlichkeit der Ohrwürmer überzeugen lassen. Da Ohrwürmer zur Überwinterung gerne Bodenverstecke in der Nähe 'ihrer' Bäume aufsuchen, sollte dort auf eine Bodenbearbeitung verzichtet werden.
Wer hat noch die ersten Gartenrundbriefe?
Wir freuen uns, daß so viele Leser und Leserin-nen geholfen haben, unser Gartenrundbrief-Archiv zu vervollständigen. Jetzt fehlen uns nur noch die ersten Hefte. Es ist natürlich sehr schwierig, so alte Jahrgänge zu finden, da wohl die meisten heutigen Leser jünger sein werden. Aber vielleicht entdeckt ja doch noch jemand auf dem Speicher die Hefte Nr. 1-37 des Gartenrundbriefs (bis März/April 1965). Rufen Sie an unter 0711/3260103 oder faxen Sie 0711/3260135.
Demeter im Fernsehen
18. Januar
SÜDWEST-Fernsehen - Kaffee oder Tee ab 16.05 Uhr
Geeignetes Saatgut ist die halbe Ernte mit Peter Berg (Demeter-Gärtner in Binzen bei Weil am Rhein)
22. Februar
SÜDWEST-Fernsehen - Kaffee oder Tee ab 16.05 Uhr
Vegetarisch düngen - Vitales Bodenleben mit Peter Berg (Demeter-Gärtner in Binzen bei Weil am Rhein)