4. Februar 2012
Aktueller Inhalt
Arbeitskalender Juli / August
von Iris Mühlberger
- Frost Ende Mai
- Blattläuse
- Falscher Mehltau an Basilikum
- Schimmelpilze an Obst
- Kürbiskultur
- Tomatenpflege im Sommer
- Kräuterernte
Juli
Ich weiß nicht, wie es Ihnen ergangen ist. Ich habe jedenfalls dieses Jahr in der Nacht zum 24. Mai fast alle selbstgezogenen Tomatenpflanzen durch
Frost verloren. Mit Vliesen und Folien bepackt hatte ich am Abend vorher fast den ganzen Garten abgedeckt und gehofft, daß es doch nicht so schlimm kommen würde. Bodenfrost in Mulden war angesagt und das betrifft nahezu hundertprozentig auch unsere Lage: mein Bodenthermometer zeigte am nächsten Morgen als Minimum -4 Grad (!) - und das Ende Mai auf 470 Höhenmeter! Die Tomatenpflanzen verfärbten sich während des Tages stündlich mehr in Richtung schwarzbraun und hingen jämmerlich da. Mein erster Gedanke: Wo bekomme ich jetzt schnell neue Bio-Jungpflanzen her, die auch noch, wie meine alten Sorten, gut schmecken? Die Einheitssorten vieler Gärtnereien sind entweder Hybriden oder geschmacklose Massen-träger. Nach vielen Telefonaten fand ich am Schluß doch noch meine geliebten "Berner Rosen" beim Demeter-Gärtner Peter Berg. Auch die schönen rund 20cm hohen Kartoffelpflanzen waren nach der Frostnacht mehr braun als grün. Bei ihnen hoffe ich jedoch, daß sie wieder frisch austreiben. Der Ertrag wird jedoch geringer ausfallen als ohne Frost.
Oft ändern sich Adressen schneller als ich aktuell sein kann. Folgende Gartenakademien haben neue Anschriften:
Lenné Akademie für Gartenbau bei Landesamt für Verbraucherschutz
Referat Gartenbau
Jörg Lübcke
Theodor-Echtermeyer-Weg 1
14979 Großbeeren
Fon 033701/52711
Fax 033701/57591
referat.gartenbau@lvl.brandenburg.de
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft Gartenakademie
Söbrigener Str. 3a
01326 Dresden
Fon 0351/2612-411 oder -473
Fax 0351/2612-489
www.Landwirtschaft-Sachsen.de
Bei den zurzeit umherfliegenden Schwärmen von kleinen Insekten handelt es sich meistens um Blattläuse. Sie sind auf Haut und Haaren sehr lästig. Wie die Biologische Bundesanstalt mitteilt, sind die fliegenden Blattläuse aber völlig ungefährlich. Bei schönem Wetter fliegen sie los und lassen sich vom Wind weiträumig verbreiten. Vor allem Getreideblattläuse sind in der Luft zu finden. Das Getreide reift jetzt ab und wird trocken. Die Blattläuse bilden deshalb Flügel und müssen die Felder verlassen, um nicht zu verhungern. In Deutschland gibt es mehr als 750 verschiedene Blattlausarten weltweit sogar 4.500. Alle bilden zwischendurch Flügel aus. Sie versuchen jetzt schon ihren Winterwirt zu erreichen. Bevor sie sich endgültig niederlassen, probieren sie mal hier eine Pflanze, fliegen dann zur nächsten und stechen dort wieder zu. Jedes Mal geben sie etwas Spucke ab. Dabei können sie Viruskrankheiten übertragen, die jedoch für Menschen ungefährlich sind. BBA
Der Sommer fängt zwar gerade erst richtig an, aber schon neigen sich die Aussaattermine für Freilandkulturen dem Ende zu. Nachfolgend die spätesten Termine die für mittlere Lagen bei uns gelten (Tabelle nicht im Internet). Ein Risikotermin kann zwar bei schönem Herbst noch gut gelingen, betrachtet man allerdings den Durchschnitt mehrerer Jahre so dürften die Risikosätze die Freude der Anbauer doch eher trüben. Als Faustregel gilt für späte Aussaaten: "Eine Woche später gesät = Ernte zwei Wochen später."
Wenn die Blätter von Basilikum erst fahlgrün werden und sich später blattoberseits dunkle Nekrosen zeigen, handelt es sich wahrscheinlich um den Falschen Mehltau. Unterseits bildet sich der typische Pilzrasen aus. Er wird durch Peronospora lamii hervorgerufen, der neben Basilikum auch andere Pflanzen aus der Familie der Lippenblütler befällt: insbesondere Salbei, Bohnenkraut und Taubnessel. Der Erreger wurde bereits 2001 in der Schweiz nachgewiesen und mittlerweile auch in Süddeutschland. Er breitet sich rasch im Bestand aus. Bei starkem Befall rollen sich die Blätter ein und fallen ab. Die Übertragung des Pilzes erfolgt vermutlich über das Saatgut. Gegenmaßnahmen sind schwierig. Feuchte Bedingungen sollten auf jeden Fall vermieden werden: keine Überkopfberegnung und keine Unterschreitung des Taupunktes in der Nacht. Jedoch trat der Pilz auch im Sommer 2003 auf. Offensichtlich erfolgt auch unter diesen Hochtemperaturbedingungen eine rasche Entwicklung.
Infodienst Weihenstephan
Sommerzeit ist Früchtezeit. Nur schade, daß die Früchte so rasch verderben. Die meisten Obstsorten bestehen zu mehr als achtzig Prozent aus Wasser und bilden daher einen idealen Nährboden für Fäulniserreger und Schimmelpilze. Besonders anfällig sind Beeren- und Steinobst. Der aid-Infodienst rät deshalb Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren oder Kirschen immer baldmöglichst zu essen. Im Kühlschrank können diese ein bis drei Tage lang aufbewahrt werden. Verschimmelte Früchte sollten nicht mehr verzehrt werden. Handelt es sich um einzelne verschimmelte Exemplare, können diese herausgelesen und die übrigen gründlich unter fließendem Wasser gewaschen werden. Reif geerntete Pfirsiche und Nektarinen schmecken am besten, sind aber auch sehr empfindlich in Bezug auf Druckstellen. Hier beginnen die Früchte besonders leicht zu faulen und zu schimmeln. Noch harte, nicht verschimmelte Stellen können abgeschnitten werden. Früchte mit weichen Faulstellen oder Schimmel sollten jedoch nicht mehr verzehrt werden, da diese das Schimmelpilzgift Patulin, das sich im Tierversuch als krebserregend erwiesen hat, enthalten können.
aid, Ute Gomm
August
Die landläufige Meinung, daß Kürbisse Starkzehrer seien und am besten auf dem Kompost gedeihen würden, trifft nach Meinung des Internetportals "Kürbis-Company" nicht zu. Möchten man zahlreiche, gesunde und haltbare Früchte ernten, reiche ein gut versorgter Gartenboden völlig aus. Hilfreich sei eine Kompost- oder Mistdüngung im Spätwinter. Nach der Pflanzung sollte nur sparsam gedüngt werden. Die Kürbispflanze soll im August ihr Wachstum einstellen, und alle Kraft in die Früchte verlagern. "Wird zu stark gedüngt, wächst die Pflanze bis zum Herbst weiter und produziert weniger und schlechtere Früchte". Ebenfalls weitgehend unbekannt sei die Tatsache, daß Kürbisgewächse bis in ein Meter Tiefe wurzeln und dort noch sehr viele Nährstoffe finden. Kürbisse gedeihten lediglich auf nassen und schweren Böden schlecht. "Sie brauchen auch nicht viel Wasser! Wichtig ist eine Wassergabe lediglich nach der Pflanzung. Bei der Direktsaat genügt die vorhandene Feuchtigkeit vollkommen aus." Die Wurzel dringe sofort in tiefere Regionen mit Wasser vor. Bei sehr warmen und trockenen Bedingungen sei es manchmal von Vorteil, ein zweites Mal zu gießen. Sind die Pflanzen angewachsen, seien in aller Regel keine weiteren Wassergaben nötig. Werden die Pflanzen größer, beschatten sie den Boden, so daß weniger Wasser verdunstet. Eine Trockenphase Mitte bis Ende August fördere eine gute und gesunde Fruchtausbildung und Ernte. Fast immer bekommen Kürbisse am Kulturende im August echten Mehltau. Das sei ein Zeichen dafür, daß die Pflanze am Ende der Vegetationsperiode angelangt ist. Die Blätter sind weniger widerstandfähig. Der echte Mehltau unterstütze das natürliche Absterben der Blätter und sei somit auch bei der Ernte behilflich. Bekämpft werden sollte der echte Mehltau nur bei sehr frühem Befall, etwa Mitte Juli.
Newsletter www.kuerbis-company.de
In diesem Monat ist es sinnvoll, die oberste Blüten bei Tomaten abzuschneiden, damit die restlichen angesetzten Früchte noch ausreifen können. Oft wird empfohlen, den Pflanzen die oberen Köpfe mit Blättern abzuschneiden. Das ist jedoch nicht gut für die Pflanze, weil das Laub für einen gesunden Stoffwechsel wichtig ist.
Jetzt ist die hohe Zeit der Kräuterernte. Im bayerischen Voralpenland wird mit Maria Himmelfahrt am 15. August der "Frauendreißiger" begonnen. Das ist eine Zeit von dreißig Tagen zwischen Maria Himmelfahrt und Maria Namen am 12. September, die sich besonders für das Sammeln und Ernten vieler Kräuter eignet. Sie haben jetzt den höchsten Gehalt an wirksamen Inhaltsstoffen. Auch im Frühjahr und um Johanni werden Kräuter gesammelt. Diese haben aber andere Wirkungsbereiche. Die Frühjahrskräuter sind gut für die Reini-gung und die um Johanni geernteten sind Sonnenkräuter, also gut für die Psyche und gegen Depressionen.
www.Blumenschule.de
Wenn Linden und Kartoffeln blühen ist es Hochsommer. Auch reife Johannisbeeren und die Ernte vom Frühgetreide deuten auf diese phänologische Jahreszeit hin. Zeigen sich die ersten Blüten von Heidekraut wechselt es bereits zum Spätsommer. Die zeigen auch die ersten Frühäpfel und die reifen Früchte der Eberesche an.
Werden Sie Hausgärtner-Mitglied bei Demeter!
Wir haben in Deutschland viele Demeter-Hausgartengruppen, die sich mehrmals im Jahr treffen und austauschen. Außerdem gibt es speziell für die Mitglieder Veranstaltungen rund um den Demeteranbau im Garten. Nähere Infos für
Baden-Württemberg
Fon 0711/902540
Fax 0711/902545
info@demeter-bw.de
Bayern
Fon 08166/6204
Fax 08166/6274
info@demeter-bayern.de
Nordrhein-Westfalen
Fon 02302/915218
Fax 02302/915222
info@demeter-nrw.de
Nordwestdeutschland (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen, Hamburg)
HG-Berater Wolfgan Sell
Fon 040/6545660
Weitere Bundesländer finden Sie auf unseren Internetseiten hier.
Demeter im Fernsehen
16. Juli
SÜDWEST-Fernsehen - Kaffee oder Tee ab 16.05 Uhr
Gemüsegarten im Juli - Herbstsalate jetzt aussäen
mit Peter Berg (Demeter-Gärtner in Binzen bei Weil am Rhein)
Telefonnummer für Zuschauerfragen: 0180/2291545
20. August
SÜDWEST-Fernsehen - Kaffee oder Tee ab 16.05 Uhr
Kompostieren auf dem Balkon
mit Peter Berg (Demeter-Gärtner in Binzen bei Weil am Rhein)
Telefonnummer für Zuschauerfragen: 0180/2291545
Ein bunter Sommer für Insekten
von Günther Friedmann (Demeter-Imker) und Iris Mühlberger
Wie kann ein reich gedeckter Tisch für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge aussehen? Wege hin zu einer insektenfreundlichen Landschaft entwickelten Imker, Landwirte und Gärtner auf einer Tagung in Ulm. Sie erarbeiteten konkrete Maßnahmen, um die Lebensbedingungen für die Nützlinge zu verbessern. Dazu eingeladen hatte das neu gegründete Netzwerk blühende Landschaft, Naturschutzbund, Demeter und Biokreis.
Landwirtschaft bestimmt die Artenvielfalt
Der Referent Dr. Thomas van Elsen, Wissenschaftler am Fachbereich Ökologischer Landbau der Uni Kassel/Witzenhausen, ging zuerst auf die Entwicklung der typischen mitteleuropäischen Landschaft ein. Der früher das Landschaftsbild dominierende Wald wurde nach und nach gerodet, die Landschaft durch eine landwirtschaftliche Nutzung kultiviert. Dabei führten regional unterschiedliche Bewirtschaftungsformen auch zu unterschiedlich strukturierten Landschaften. "Früher wurde die Artenvielfalt einer Kulturlandschaft durch die Landwirte bestimmt. Heute prägt die intensive Landbewirtschaftung unsere Kulturlandschaft." Viele Strukturelemente wie Hecken oder Bachläufe seien verschwunden. Die Konsequenz: viele Arten gingen in einem nahezu atemberaubenden Tempo zurück. "Die Ursachen sind im Einsatz der Agrarchemie, in der Düngung und intensiven Grünlandbewirtschaftung zu suchen," ist sich Dr. Thomas von Elsen sicher. Insekten bräuchten für ihre Ernährung von März bis Ende September eine vielfältig blühende Pflanzenwelt. In vielen Regionen liefere jedoch der Raps die einzige nennenswerte Blütentracht. Ist er verblüht, leiden die Insekten Mangel. Stilllegungsflächen brächten oft nur wenig Besserung, weil sie in der Regel kurz nach Beginn der Blüte abgemulcht würden. Der Anbau von Zwischenfrüchten, wie zum Beispiel Senf, sei für die Insekten ebenfalls von zweifelhaftem Nutzen, da diese Flächen erst spät im Jahr zur Blüte kämen. Der Entwicklungszyklus der Insekten sei dann oft bereits abgeschlossen oder neige sich seinem Ende zu.
Geringere Aussaatdichten und weniger Herbizide
Die Tagungsteilnehmer waren sich einig, daß ein Umdenken in der Landwirtschaft und im Hausgarten notwendig sei, um die nützlichen Insekten zu fördern. So müsse die Landwirtschaft extensiviert werden: geringere Aussaatdichten, geeignete Saatgutmischungen, spätere Schnittzeitpunkte und insektenfreundliche Mähmethoden, zum Beispiel mit Balkenmähern. Oftmals würden innerhalb eines Tages alle Wiesen einer Gemarkung oder im ganzen Garten abgemäht. Für die Insektenwelt sei dies ein Schock: "Urplötzlich sind alle Nahrungsquellen verschwunden. Insektenfreundlich ist die Staffelmahd, bei der der Landwirt oder Gärtner in größeren zeitlichen Abständen jeweils nur einen Teil seiner Wiesen mäht." Da Landwirte heute jedoch oft enormen wirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt seien, forderten die Teilnehmer, die Förderung der Insektenweide in die staatliche Agrarpolitik zu integrieren.
Insekten im Garten anlocken
Auch der Garten kann zu einem Paradies für Biene und Co werden. Statt eines eintönigen, artenarmen Zierrasens sollte eine artenreiche Blumenwiese kultiviert werden. Sie entstehe aber nicht durch das bloße Aussäen von Blumensamen in den vorhandenem Rasen. Die Blumen haben gegen das Gras keine Chance. Für eine vielfältig blühende Wiese muß unbedingt ein geeignetes mageres Saatbett vorbereitet werden. Außerdem sind heimische Wildsträucherhecken mit regionalen Sorten wie zum Beispiel Schlehe, verschiedenen Wildrosen, Kornelkirsche, Schneeball oder Pfaffenhütchen eine hervorragende Insektenweide. Im Gemüsegarten empfahl der Wissenschaftler Küchenkräuter anzubauen, von denen ein Teil zum Blühen kommen sollte. Eine phantastische Insektenweide sei zum Beispiel Borretsch. Auch ungefüllte Blüten decken den Tisch für viele nützliche Insekten. "Gefüllte Blüten liefern den Insekten weder Nektar noch Blütenstaub, da die Staubgefässe zu Blütenblättern umfunktioniert sind." Im Blumenkasten auf dem Balkon könnten Küchenkräuter und Wildblumen ausgesät oder gepflanzt werden. Leider brächten die allseits beliebten Geranien den Insekten überhaupt keinen Nutzen.
Am Ende der Tagung waren sich die Teilnehmer einig: "Der Sommer muß wieder bunt werden". Farbenfrohe Felder und Wiesen nützten nicht nur den Insekten, sondern verschafften auch den Menschen eine höhere Lebensqualität.
Gründung des Netzwerks Blühende Landschaft
Anlass war das dramatische Bienensterben im Winter 2002/2003. Je nach Region überlebten 30 bis 80 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht. Insgesamt starben mehr als 300.000 Bienenvölker. Bisher ist es noch nicht gelungen, alle Ursachen eindeutig zu klären. Nach Ansicht vieler Fachleute spielte jedoch die zunehmende Verschlechterung der Lebensbedingungen der Insekten eine entscheidende Rolle. Aufgewühlt durch diese Ereignisse gründeten engagierte Imker, Naturschützer und Ökobauern Anfang diesen Jahres das Netzwerk Blühende Landschaft. Die Mitarbeiter verstehen sich dabei nicht nur als Interessenvertreter der Honigbienen, sondern auch von Hummeln, Wildbienen und Schmetterlingen.
Kontakt:
Utto Baumgartner
Fax 08541/915473
www.bluehende-landschaft.de
Für die Arbeit sind dringend Spenden nötig:
Mellifera e.V.
Kontonr. 18710007
BLZ 430 609 67
GLS Gemeinschaftsbank
Stichwort: Blühende Landschaft