22. Mai 2013
Aktueller Inhalt
Arbeitskalender November / Dezember
von Iris Mühlberger

Rosenkohl
- Magere Ernten
- Biosaatgut anstatt Hybriden
- Bodenuntersuchung
- Nistkästen jetzt schon aufhängen
- Kurzflügelkäfer gegen Trauermücken
- Barbarazweige richtig ernten und lagern
- Beispielhafte Gartentagebücher
- Gartenhandschuhe sind schadstoffbelastet
November
Erst einmal herzlichen Dank für die vielen netten Zeilen per E-mail und Briefe für den vierfarbigen Druck. Besonders freuen mich die Reaktionen von unseren älteren Lesern, die die schwarze Schrift jetzt besser lesen können als die Grüne. Wie rüstig meine Abonnenten noch sind, beweist die Postkarte einer neunzigjährige Leserin, die nach zwei großen Darmkrebsoperationen ihr Gemüse und Obst noch selbst anbaut: "Ich arbeite ohne Dünger, nur mit der Wundererde meiner fünf Kompoststellen. Giftfreie Salate, Tomaten, Rote Rüben und vor allem Kräuter halten mich gesund."
Meine Ernten sind dieses Jahr nicht ganz zufriedenstellend ausgefallen. Erbsen, Spinat und Zwiebeln brachten fast keine Erträge und den Kohl haben mir die Raupen noch Ende September nahezu weggefressen. Die Tomatenernte fiel etwa ein Viertel geringer aus als letztes Jahr. Auch die Frühkartoffeln brachten nur sehr kleine Knollen. Trotzdem freue ich mich über jede noch so geringe Ernte aus meinem Demeter-Garten. Der wunderbar intensive Geschmack und die herrliche Frische lässt mich manche schlechte Ernte schnell vergessen. Ich muss ja nicht von meinen Erträgen leben, wie die Profi-Gärtner.

Die Bio-Zucchini 'Cocozelle von Tripolis' (Bingenheimer Saatgut AG) schmeckt hervorragend
Deshalb steht für mich bei den Obst- und Gemüsesorten der Geschmack auch an erster Stelle. Danach folgen die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Wuchsfreudigkeit. Einheitliche Pflanzen, wie bei den Profi-Anbauern, sind mir nicht wichtig. Hybridsorten verwende ich so gut wie keine, da diese Züchtung für mich sehr naturfern ist, da mit Inzuchtlinien gearbeitet wird. Saatgut von Hybriden kann nicht vermehrt werden. Es spaltet sich wieder in die ursprünglichen Sorten auf. Das heißt, die Nachzuchten sehen anders aus als die Hybridsorte (siehe Artikel im
GR 2/2005). In meinem Garten verwende ich fast ausschließlich Biosaatgut, das schon mehrere Jahre biologisch vermehrt worden ist. Die Mutterpflanzen sind ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel gewachsen. Eine Adressliste von Anbietern, die mehrere Jahre biologisch vermehrtes Saatgut anbieten, gibt es
hier.
Ab jetzt ist eine Bodenuntersuchung ideal. Sie ist auch sinnvoll, wenn mit den biodynamischen Präparaten gearbeitet wird. Sie wirken zwar belebend und ausgleichend auf den Boden, können aber einen starken Nährstoffmangel oder -überschuss nicht innerhalb kurzer Zeit beheben. Die einzige umfassende ganzheitliche und standortgerechte Bodenuntersuchung mit 14 Einzelbestimmungen, die ich kenne, macht seit vielen Jahren das Labor Dr.Balzer. Leider verstarb Herr Dr. Balzer Ende März diesen Jahres. Seit Juli haben Prof. Dr.agr. Hans-Richard Wegener (Laborleiter im Institut für Bodenkunde der Justus-Liebig-Universität Gießen) und sein Sohn das Labor übernommen. Sie wollen die Arbeit von Herrn Dr. Balzer in bewährter Weise, gemeinsam mit den bisherigen Mitarbeiterinnen, weiterführen. Eine Bodenprobe mit professionellen Düngetipps kostet €34,-.
Agrofor
Oberer Ellenberg 5
35083 Wetter-Amönau
Fon 0 64 23 / 74 83
Fax 0 64 23 / 31 97
www.agrofor.de

Neuer attraktiver Nistkasten von der Firma Schwegler
Der Naturschutzbund NABU empfiehlt schon jetzt Nistkästen aufzuhängen. Nistkästen böten Vögeln, Insekten und kleinen Säugetieren in eiskalten Nächten einen schützenden Unterschlupf. "Vögel verlieren im Winter viel an Gewicht und sind daher oft geschwächt. Eine kalte Nacht kann ihnen zum Verhängnis werden," so der NABU. Sind noch verlassene Nester von Wespen oder Hornissen in bereits aufgehängten Nistkästen, so sollten sie erst im März/April gereinigt werden, da zahlreiche nützliche Insekten dort komfortablen Unterschlupf finden. Langlebige und stabile Nistkästen aus Holzbeton gibt es bei:
Schwegler Vogel- und Naturschutzprodukte
Heinkelstr. 35
73614 Schorndorf
Fon 0 71 81 / 97 74 50
Fax 0 71 81 / 97 74 49
www.schwegler-natur.de
Im GR 6/2004 gab es einen Bericht über Trauermücken, deren Larven in Anzuchten starke Schäden anrichten können. Es wurden Nematoden und Raubmilben als Gegenspieler empfohlen. Jetzt gibt es noch den heimischen räuberischen Kurzflügelkäfer Atheta coriaria für Gewächshaus und Innenräume. Er sei nach einer Meldung der Firma "re-natur" in allen seinen Entwicklungsstadien ein extrem gefräßiger und effizienter Räuber bei der Bekämpfung von Boden bewohnenden Schädlingen, wie Trauermückenlarven, Thripsen Frankliniella occidentalis, Sumpffliegenlarven oder Wurzelläusen.
re-natur GmbH
Am Pfeifenkopf 9
24601 Stolpe
Fon 0 43 26 / 9 86 10
Fax 0 43 26 / 9 86 11
aquaterra@re-natur.de
www.re-natur.de
Dezember

Blatt mit Reif
Wenn an den Weihnachtsfeiertagen nicht nur die Lichter am Weihnachtsbaum leuchten, sondern auch blühende Gehölze die festlich geschmückten Räume zieren sollen, dann müssen diese Zweige am 4.Dezember, dem Barbara-Tag, ins Haus. Wenn der Herbst jedoch lange Zeit hohe Temperaturen hatte, würde es kaum gelingen, die Triebe zum vorzeitigen Blühen zu bringen, teilt die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK) mit. Barbarazweige benötigen über mehrere Wochen Temperaturen von zwei bis vier Grad. Gut geeignet für die Treiberei seien Zier- und Süßkirschen, aber auch Forsythien. Ein Tipp der LWK: "Die Zweige sollten langsam angetrieben werden. Sie dürfen nicht sofort in ein warmes Zimmer, sondern müssen zunächst einige Tage in einem kühleren Raum bleiben. Sobald die Knospen zu schwellen beginnen, können sie in den Wohnraum gestellt werden. Pünktlich zur Weihnachtszeit entfalten sich dann die zarten Blüten."
Ich dokumentiere gerne alle Arbeiten und Ereignisse im Garten, wie Wetter, Regenmenge, Aussaat, Ernte, Blütezeit, Ankunft und Abflug der Vögel. Hilfreiche Helfer sind mir dabei Gartentagebücher, in die ich alle Ereignisse eintrage. Sie liefern dazu noch interessante Garten-Infos. Folgende Tagebücher kann ich besonders empfehlen:
- Kosmos Gartenjahr 2007
Kosmos Verlag Stuttgart
ISBN 3-440-10594-6
€8,50
Ausreichend Platz für Notizen, Wetterdaten zum Ankreuzen, Aussaattage nach dem Mond (von der mathematisch-astronomischen Sektion des Goetheanums), monatliche Arbeiten rund um den Garten, Sonderthema Gartenteich, Messe- und Gartenschau-Termine, wichtige Adressen.
- Flora Gartenkalender 2007
Ulmer Verlag Stuttgart
ISBN 3-8001-4961-3
€ 9,90
Praktische Spiralbindung, etwas weniger Platz für Notizen als oben, Wetterdaten zum Ankreuzen (leider ohne Regenmenge), Rezepte, monatliche Gartenarbeiten auch im Wassergarten, Aussaattage nach dem Mond, Tipps für Faulpelze, Nützling des Monats, Mischkulturplaner, Aussaat- und Erntezeiten, Termine, wichtige Adressen.
In der August-Ausgabe des Öko-Test-Magazins wurden Gartenhandschuhe getestet, leider mit einem sehr schlechten Ergebnis. Lediglich ein Paar von dreizehn ist als empfehlenswert eingestuft worden: die Dehner Gartenhandschuhe. Fast alle anderen sind mit verschiedenen Schadstoffen belastet, die durch kleine Wunden oder Hautkontakt in den Körper eindringen können. Bei der Ernte sei es auch nicht ausgeschlossen, dass problematische Substanzen von den Handschuhen auf das Gemüse gelangten. Die von mir im GR 4/2006 empfohlenen Handschuhe wurden leider nicht getestet. Das Heft und den ganzen Test gibt es im Internet unter
www.oekotest.de oder bei
Öko-Test Bestellservice
Postfach 1331
53335 Meckenheim
Fon 0 69 / 3 65 06 26 26
Das Transportunternehmen Biene
von Dr. Konrad Näser

Gelenkblume
Christian Konrad Sprengel (1750-1816), Altphilologe und Liebhaberbotaniker aus Brandenburg, erkannte bei den Blütenpflanzen den Zusammenhang von Nektarabsonderung, Insektenbesuch und Pollenübertragung. Seine wissenschaftlichen Ergebnisse druckte er 1793 in seinem Buch "Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen" ab. Seither wissen wir: Das "Transportunternehmen" Biene ist eine wichtige Grundlage des Pflanzenlebens.
Für 1 kg Honig 300.000 Bienenbesuche
Die Bienen sammeln Nektar und Pollen und bestäuben, gewissermaßen als Gegenleistung, die Blüten. Während der Nektar den Bienen als Energiequelle, als "Treibstoff" dient, wird der Pollen als Lieferant für Fett und Eiweiß, vor allem aber für die Aufzucht der Jungbienen verwendet. In welchem Umfang dieses Transportunternehmen funktioniert, machen einige geschätzte Zahlen (nach Dr. H. Pechhacker, Institut für Bienenkunde, Lunz am See, Österreich) deutlich: Um Nektar für 1 kg Honig zu sammeln, werden zum Beispiel auf einem Sonnenblumenfeld 5 Millionen Einzelblüten beflogen. Dabei wird bei den dafür nötigen 300.000 Ausflügen eine Flugleistung von 78.000 km zurückgelegt. Zusätzlich zur Ernte des Imkers verbraucht ein Bienenvolk für sich selbst im Jahr 50 kg Honig und 50 kg Pollen. Diese Angaben mögen übertrieben wirken, wurden jedoch von ernsthaften Wissenschaftlern ermittelt. Mit großer Sorge weisen daher verantwortungsbewußte Menschen auf den anhaltenden Rückgang der Völkerzahlen hin, die in naher Zukunft zu bienenfreien Landstrichen führen werden.
Im Frühjahr bestäuben mehr Bienen als Hummeln
Honigbienen haben gegenüber allen anderen Blüten besuchenden Insekten wie Hummeln, Solitärbienen und Käfern, den Vorzug, dass sie eine ausgeprägte Blütenstetigkeit entwickeln. Das heißt, eine Biene, die sich auf Salbeiblüten eingeflogen hat, besucht immer wieder Salbei, so lange er blüht. Damit steigt die Bestäubungsquote innerhalb der Pflanzenart erheblich an. Der zweite Vorteil ist ebenso wichtig: Honigbienen überwintern in unserem Klima als einzige bestäubungsaktive Insekten in einer "Volksgemeinschaft", die im günstigsten Fall aus mehr als 10.000 Einzeltieren bestehen kann. Mit dieser Population starten sie in den Frühling, zu einer Zeit, wo zum Beispiel von den Hummeln nur erst einzelne Königinnen umherfliegen. Um aber die Volksstärke bis zur Kirschblüte zu verdoppeln, brauchen die Bienen neben Honig vor allem große Mengen an Pollen zur Ernährung der Jungbienen und Brut. Untersuchungen haben gezeigt, dass mit Hilfe von Bienenvölkern der Obstertrag auf das Doppelte gesteigert werden kann. Aber gerade in dem Zeitraum vom ersten Ausflug (Reinigungsflug) bis zur Kirschblüte gibt es nur ein begrenztes Pollenangebot. Hier kann der Gärtner eingreifen, indem er die wichtigsten Bienentrachtpflanzen des Frühjahrs pflanzt. Bei den Gehölzen sind alle Weidenarten, vor allem die Sal- und Reifweide (Salix caprea und S. daphnoides) beste Pollenspender, die schon ab März zur Verfügung stehen, ebenso die Kornelkirsche (Cornus mas). Im April, noch vor den Kirschen folgen der Silber- und der Spitzahorn (Acer saccharinum und A.platanoides).Bienenweidepflanzen am Boden, wie Blumenzwiebeln und Stauden, sollten auch nicht unterschätzt werden, da viele Arten eine sehr wertvolle Tracht bieten. Winterling, Schneeglöckchen und Elfen-Krokus (Crocus tommasinianus) blühen in manchen Jahren schon drei Wochen vor der SalWeide. Bei Sonnenschein und Temperaturen ab acht Grad werden diese drei bis zu einer Entfernung von einem Kilometer vom Bienenstand lebhaft beflogen.
Im Herbst sind Blüten besonders nötig

Biene an Phacelia
Im August/September wiederholt sich das Geschehen: In den Völkern müssen die langlebigen Winterbienen aufgezogen werden. Der Pollenbedarf steigt stark an. In unserer weitgehend ausgeräumten Kulturlandschaft ohne Feldraine, Wegränder, Magerwiesen, Flurgehölzen und Hecken mangelt es auch zu diesem Termin an Pollenspendern. Unter den Großgehölzen nimmt der Japanische Schnurbaum (Sophora) eine wichtige Rolle als Pollenlieferant ein. Alle anderen Bienengehölze sind mittel- oder kleinwüchsig. Am meisten beflogen wird die als "Bienenbaum" bekannte Stinkesche (Euodia jetzt Tetradium), die weite Verbreitung verdient. Bei den Stauden sind besonders Sonnenbraut, Purpur-Dost, StaudenSonnenblume und Salbei herbstliche Bienenmagnete.
Weitere frühblühende Stauden als Bienenweide
| Botanischer Name |
Deutscher Name |
|
| Anemone nemorosa |
Buschwindröschen |
| Corydalis solida u.a. |
Lerchensporn |
| Hepatica nobilis |
Leberblümchen |
| Leucojum vernum |
Märzbecher |
| Primula vulgaris |
Kissen-Primel |
| Pulmonaria in Arten |
Lungenkraut |
| Scilla siberica |
Blaustern |
Weitere Spätsommerstauden für die Pollentracht
| Botanischer Name |
Deutscher Name |
|
| Asclepias syriaca |
Seidenpflanze |
| Echinops ritro |
Kugeldistel |
| Eryngium in Arten |
Mannstreudistel |
| Eupatorium purpureum |
Purpur-Dost |
| Liatris spicata |
Prachtscharte |
| Physostegia virginiana |
Gelenkblume |
| Salvia in Arten |
Salbei |
| Sedum telephium |
Herbst-Sedum |
| Solidago in Arten |
Goldrute |
| Thymus serpyllum |
Sand-Thymian |