Arbeitskalender Mai / Juni
von Iris Mühlberger

Erdbeeren
- Adressen von Gärtnereien mit Demeter-Jungpflanzen
- Balkonblumen gut mit Dünger versorgen
- Auflaufprobleme bei Stangenbohnen
- Anti-Gentechnik Aktion "Bantam-Mais"
- Sommersalate brauchen es zum Keimen kühl
- Gespinstmotten an Sträuchern und Bäumen
- Neues Pflanzenstärkungsmittel aus Thymianöl
- Literaturdatenbank des Forschungsrings für bio-dynamische Wirtschaftsweise
- Pflanzeneinkaufsführer "PPP-Index"
Mai
Ich bin immer richtig froh, wenn die Eisheiligen vorbei sind, und ich endlich die meisten vorgezogenen Pflanzen in die Beete setzen kann. Am Anfang macht die Aufzucht am Fenster ja noch Spaß. Doch wenn die Pflanzen größer und schwerer werden und es immer noch kalte Nächte gibt, wird das Raus- und Reinräumen mit der Zeit sehr anstrengend. Außerdem passiert es immer wieder, dass ein Topf, meistens mit der schönsten und größten Pflanze, aus der Hand fällt und samt Tomate oder Gurke kaputt geht. Erst Ende Mai oder Anfang Juni pflanze ich den besonders kälteempfindlichen Sellerie ins Freie. Dann kommen auch Paprika, Auberginen und Melonen in ein Folienhaus. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nur große Auberginenjungpflanzen gut fruchten. In wärmeren Lagen kann dies auch anders sein.
Adressen von Gärtnereien, die Demeter-Jungpflanzen anbieten, gibt es auf unseren Internetseiten in der Rubrik Der Biogarten.
Ich habe schon einmal empfohlen, eine Handvoll Brennnesselblätter in die Pflanzlöcher von Tomaten zu geben. Nach zwei Jahren Erfahrung, möchte ich das nochmal bekräftigen. Die Jungpflanzen wachsen zügig an und nutzen den beim Abbau der Brennnesselblätter frei werdenden Stickstoff zum kräftigen Wachstum.
Den jetzt zu pflanzenden Balkonblumen gebe ich noch etwas Horngries oder organische Düngestäbchen in die Erde. Die Blumen wachsen sonst in den Kästen nach ein paar Wochen nur noch langsam und blühen immer weniger. Apropos Blumen: Ich suche seit langem Informationen, wie Zierpflanzen mit den Demeter-Präparaten am besten behandelt werden und wie sie darauf reagieren. Leider konnte ich bis heute niemanden finden, der mir über seine Erfahrungen berichten oder schreiben konnte. Wenn Sie, liebe Leser/innen, mir weiterhelfen können, würde mich das freuen. Hinweise bitte an die Redaktion, Anschrift siehe Impressum.

Die Stangenbohne 'Neckarkönigin' schmeckt hervorragend und wächst gesund und kräftig
Letztes Jahr habe ich es endlich geschafft, dass meine
Stangenbohnen fast alle gekeimt sind. Ich habe sie sofort nach der Aussaat Anfang Mai mit Vlies abgedeckt. Sonst musste ich bis zu dreimal nachsäen, bis ich genug Pflanzen hatte. Entweder war die Bohnenfliege Schuld oder Vögel freuten sich über die Samen. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz (GA) meint, dass meistens tiefe Temperaturen für Auflaufprobleme bei Bohnen verantwortlich seien. Bohnen - mit Ausnahme der Dicken Bohnen - seien äußerst wärmebedürftige Pflanzen. "Die optimale Temperatur für ihre Entwicklung liegt bei 25 Grad!" Bei Temperaturen von 20 Grad betrage die Keimdauer 11 Tage, bei 12 Grad dagegen 30 Tage. Sollte das Wetter dieses Jahr kühl gemeldet werden, empfiehlt die GA Stangenbohnen in Töpfen an einem wamen Ort vorzuziehen. Die kräftigen Jungpflanzen kommen dann erst nach der Schafskälte, etwa ab Mitte Juni, ins Freie.
Newsletter GA www.gartenakademie.rlp.de

Anti-Gentechnik-Aktion "Bantam Mais"
Anfang des Monats kann
Zuckermais ins Freie gesät werden. Die Anti-Gentechnik-Aktion "Bantam Mais" (GR 3/2006) geht ins zweite Jahr. Sie wird getragen von vierzig Organisationen und Betrieben sowie Tausenden von Gärtnern. Unter dem Motto "Wo Bantam steht, wächst keine Gentechnik" bauen die Teilnehmer die Traditionssorte 'Golden Bantam' oder anderen samenfesten Süßmais (keine Hybriden) an. Die Mais-Gärtner können dann erfahren, wer in ihrer Nachbarschaft Gentechnikmais anbaut und vor gentechnischem Pollenflug geschützt werden. 50.000 Menschen setzten letztes Jahr mit "Bantam-Mais" ein lebendiges Zeichen des Protests. Dieses Jahr gibt es kein kostenloses Saatgut. Auf der Aktionsseite
www.bantam-mais.de können Bezugsadressen aufgerufen oder die Sorte 'Bantam' direkt bei der Bingenheimer Saatgut AG (Adresse
GR 1/2007) bestellt werden. Nähere Infos auch bei
Save our Seeds
Marienstr. 19-20
10117 Berlin
Fon 030/24047146
Fax 030/28482309
Juni
Wird
Kopfsalat in der warmen Jahreszeit ausgesät, keimt er meistens schlecht. Am besten sind Temperaturen zwischen 10 und 16 Grad. Um dies zu erreichen, kann man entweder die Samen in feuchtes Vlies einwickeln und ein bis zwei Tage im Kühlschrank lagern oder an kühlen Abenden aussäen. Der Kältereiz über Nacht reicht aus, um die Keimung anzuregen. Im Frühjahr können Salat-Aussaaten, wenn es frostfrei ist, ein paar Tage ins Freie gestellt werden. Wenn das Samenkorn angefangen hat zu keimen, kann es wärmer gestellt werden.

Gespinnstmotten an Pfaffenhütchen, ©BBA, Biologische Bundesanstalt
In Parkanlagen sowie an Weg- und Waldrändern stehen jetzt wieder vermehrt silbrig glänzende, kahlgefressene Bäume und Sträucher. Verantwortlich hierfür sind die Raupen von
Gespinstmotten, schreibt der Naturschutzbund Hamburg (NABU). Sie fressen die befallene Pflanze vollständig kahl und überziehen sie mit einem Gespinst, unter dem sie gesellig leben. Die Motten gehören zu den Schmetterlingen und befallen Traubenkirsche, Weißdorn, Schlehe, Pfaffenhütchen, Pappeln, Weiden und gelegentlich auch Obstbäume. "Es sind oft unterschiedliche Arten, die sehr wirtsspezifisch über die Blätter von nur ein oder zwei Baum- oder Straucharten herfallen", erklärt Diplom-Biologe Bernd Quellmalz vom NABU.
Bei ihrer Suche nach der geeigneten Pflanze würden sie alles einspinnen, was ihnen in den Weg käme. Das könnten Gräser, Kräuter, Zaunpfosten oder Bänke sein. Der seidige Schleier diene den Raupen als Schutz vor Fressfeinden und Regen. "Unter dem Schleier fressen die Raupen bis Mitte Juni die befallene Pflanze komplett kahl. Anschließend wandern sie an den Stammfuß, wo sie sich verpuppen". Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Motten und legen 40 bis 80 Eier an der Rinde ihrer Wirtspflanze ab. "Dieses Naturschauspiel ist seit einigen Jahren, wahrscheinlich wegen der milden Winter, vermehrt zu beobachten", so der NABU-Experte. Tiefere Fröste und natürliche Feinde wie Schlupfwespen, Raubwanzen, Parasiten und Vögel dämmten aber langfristig die Ausbreitung ein. Der NABU rät daher davon ab, die Tiere zu vernichten. Wenn das Gespinst erst einmal ausgebildet sei, ließen sich die Raupen sowieso kaum noch bekämpfen. An Obstbäumen solle man die Raupen lieber frühzeitig absammeln oder die befallenen Triebe abschneiden. Den übrigen Sträuchern und Bäumen schade der Befall nicht. "Sie treiben im gleichen Jahr noch mal aus."
Zur Vorbeugung von Pilz- und Bakterienkrankheiten gibt es ein neues Pflanzenstärkungsmittel aus Thymian-, Sesam- und Maisöl. 'BioZell 2000B' wurde von der Biologischen Bundesanstalt (BBA) zunächst bei der Feuerbrandbekämpfung getestet. Es reduzierte zwischen vierzig und sechzig Prozent des Befalls. Das Mittel wirke nicht direkt auf die Schaderreger, sondern rufe in der Pflanze eine erhöhte Widerstandskraft gegen verschiedene Bakterien- und Pilzkrankheiten hervor. Braunfäule an Tomaten könne zu rund vierzig Prozent und Grauschimmel an Erdbeeren knapp unter fünfzig Prozent reduziert werden. Auch bei Bakterienbrand an Birne und Sauerkirsche, Apfelmehltau und Monilia wurden Wirkungen festgestellt. Die BBA hat 'BioZell 2000B' als Pflanzenstärkungsmittel gelistet. Es wird in sehr geringen Dosen ausgebracht und wirkt nur bei wiederholter vorbeugender Anwendung. 50 ml kosten €12,- (30 ml, €7,50) zzgl. Versand bei
Gisela Zeller
Finkenweg 5
69151 Neckargmünd
Fon 06223/3885
Die Literaturdatenbank des Forschungsrings für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise wurde aktualisiert. Sie bietet unter www.forschungsring.de, Rubrik Wissenstransfer, das gebündelte Wissen Bio-Dynamischer Wirtschaftsweise mit rund 12.000 Einträgen. Veröffentlichungen, die von 1924 bis heute in Fachzeitschriften in Deutschland erschienen sind, wurden in die Datenbank aufgenommen. Dazu gehören vor allem Artikel aus der "Lebendige Erde". Es sind Literaturrecherchen nach Themen, Suchbegriffen und Autoren möglich. Gefundene Beiträge können in gedruckter Form per E-Mail gegen eine Gebühr von drei Euro pro Artikel plus Porto angefordert werden.
Oft möchte man eine ganz bestimmte Pflanze in den Garten holen und weiß nicht, wo man sie bekommen kann. Da kann der Pflanzeneinkaufsführer 'PPP Index' auf der Internetseite des Ulmer Verlags sehr gut weiterhelfen (www.ppp-index.de). Man gibt den gesuchten Namen ein und erhält Adressen von Gärtnereien, die die Pflanze führen. Auch eine regionale Suche ist möglich. In der Datenbank sind über 110.000 Pflanzen, rund 1.700 Anbieter und 15.000 Pflanzenbeschreibungen mit Fotos erfasst. Der 'PPP Index' ist für Abonnenten von Ulmer Fachzeitschriften kostenlos. Für Andere gibt es einen Zugang für drei Monate (€5,-) oder ein Jahresabo (€15,-).
Leben und fressen im Untergrund - die Maulwurfsgrille
von Nicole Fischer, AG Bio-Dynamischer Landbau Offenburg und Iris Mühlberger

Die Maulwurfsgrille
© Dr. Helmut Haardt, re-natur
Wenn verkümmertes Wachstum auftritt, die Pflanzen welken und der Boden durchwühlt ist, können Maulwurfsgrillen (Werren) die Übeltäter sein. Gryllotalpa gryllotalpa gehören zu den größten europäischen Grillen, sind bis zu 5 cm lang, braun und mit Vorderbeinen, die zu Grabschaufeln umgebildet sind. Erwachsene Tiere besitzen zwei Paar kurze gelbe Flügel. Sie leben bevorzugt unterirdisch in feuchten, lockeren kultivierten Böden und sind nachtaktiv. Oft halten sie sich in der Nähe von Gewässern auf. Im Garten leben sie gerne im Mist- und Komposthaufen. Beim Düngen können die Werren auf Felder oder Beete verteilt werden.
Bis zu vier Meter tiefe Tunnel
Maulwurfsgrillen können sich unter der Erde in selbst gebauten langen Tunnelsystemen sehr geschickt vor- und rückwärts bewegen. Sie bestehen aus dicht unter der Bodenoberfläche quer verlaufenden Kanälen und - von diesen ausgehend - senkrechten Tunneln, die bis zu vier Meter tief sein können (Zeichnung oben). Maulwurfsgrillen graben sich täglich unterirdisch viele Meter weit. Sie legen einzelne Brut- und Vorratskammern an, die normalerweise so groß wie ein Tennisball sind. Zur Verstärkung der Kammern verwenden die Grillen Teile von toten Pflanzen, die sie mit ihrem Panzer an die feuchten Wände drücken. Die Gänge sind rund 6 cm breit und bestehen oft nur aus lockerem Boden, durch den sich die Tiere leichter graben können.
Ein Weibchen legt mehrere hundert Eier
Ihren unterirdischen Bau verlassen Maulwurfsgrillen nur zur Paarungszeit von April bis Mitte Juni, meistens in den Abendstunden. Weibliche Tiere begeben sich auf den Paarungsflug (in etwa vier bis sechs Meter Höhe), um dem charakteristischen Lockruf des Männchens zu folgen. Die Paarung findet auf dem Boden oder unterirdisch statt. Das Weibchen legt danach unterirdisch in einer separaten Brutkammer mehrere hundert Eier und klebt sie an die Wände. Sie sind ungefähr so groß wie ein Pfefferkorn, oval und gelblich. Nach sieben bis zwölf Tagen schlüpfen die weißen Larven, die Ameisen ähneln. Sie verpuppen sich nicht, sondern häuten sich im Laufe der Zeit mehrfach zu Nymphenstadien. Die jungen Larven verbringen die ersten vier Wochen im Bau und ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenteilen. Es folgt die erste Häutung und die Jungtiere verlassen das Nest. Nach weiteren vier Wochen, gegen Ende August, häuten sie sich nochmals und gegen Ende September ein drittes Mal. Sie sind jetzt 2 bis 4 cm groß. Die jungen Tiere halten Winterschlaf (im Innern des Bodens) und häuten sich im Frühjahr zum vierten Mal. Danach sind ihre Flügel in Ansätzen vorhanden. In diesem Stadium können sie sich weiter und schneller fortbewegen als ausgewachsene Tiere, da sie noch gut springen können. Bis zur vollen Entwicklung, etwa Ende Juli, häuten sich die Tiere noch bis zu sechsmal. Maulwurfsgrillen werden erst ein Jahr später geschlechtsreif. Danach leben sie nur noch etwa ein Jahr. Sie ernähren sich von Insekten, deren Larven und anderen wirbellosen Tieren, zum Beispiel Würmern oder Engerlingen. Junge Maulwurfsgrillen können gut schwimmen und ernähren sich zusätzlich von Wasserinsekten.
Scheu und gefräßig
Unter der Erde werden Maulwurfsgrillen nur von Maulwürfen gefressen. Wenn sie zur Paarungszeit den Bau verlassen, werden sie Beutetiere von Vögeln, vor allem Krähen, Steinkäuzen, Wiedehopf und ab und zu von Katzen. Bei Werren, die Nester in der Nähe von Seen oder Flüssen bauen, ist der Flusswels ihr Hauptfeind. Findet die Maulwurfsgrille zu wenig tierische Nahrung, frisst sie auch pflanzliche Nahrung. Maulwurfsgrillen gelten als sehr gefräßig. Besonders gerne mögen sie unterirdische Pflanzenteile von Gemüse und Getreide. Der Schaden ist oft beträchtlich. Gegenüber Menschen verhält sich die Grille scheu. Bei einer Erschütterung des Bodens zieht sie sich unter die Erde zurück.
Gegenmaßnahmen
Einfangen der Tiere kann Schäden an Pflanzen eindämmen. Dazu werden Gläser oder Dosen mindestens 10 cm tief ebenerdig eingegraben. Die Grillen fallen nachts hinein. Über sternförmig um die Fallen ausgelegte Bretter lassen sich die Tiere geschickt zu den Fallen leiten. Sie müssen regelmäßig kontrolliert werden, um gefangene Nützlinge in die Freiheit zu entlassen. Eine weitere effektive Möglichkeit ist, ab Ende Mai die Nester auszugraben. Sie können ertastet werden, indem man mit den Fingern den oberen waagrechten Gängen bis zur Absenkung folgt. Das Ausbringen von insektenpathogenen Nematoden Steinernema carpocapsae ist auch möglich. Sie werden bei bedecktem Himmel von April bis Juli bei einer Bodentemperatur von mindestens 12 Grad und feuchtem Boden ausgebracht. Die Nematoden sind für warmblütige Tiere und Menschen ungefährlich. Auch Pflanzen werden nicht geschädigt.
Nematoden gibt es bei
re-natur GmbH
Am Pfeifenkopf 9
24601 Stolpe
Fon 04326/986-10
Fax 04326/986-11
www.re-natur.de (ab 20 m²)
nemastar GmbH
Klausdorfer Straße 28-36
24223 Raisdorf
Fon 04307/8295-0
Fax 04307/8295-14
www.e-nema.de (ab 10 m²)