4. Februar 2012
Aktueller Inhalt
Arbeitskalender September / Oktober
von Iris Mühlberger

Spinnennetz
- Gründüngung noch möglich
- Vinasse gegen Apfelschorf
- Öko-Blumenzwiebeln pflanzen
- Aktionsprogramm gegen Ambrosia
- Giftigkeit von grünen Tomaten
- Hornkiesel zur Reife nachmittags spritzen
- Bio-dynamische Kompostpräparate anwenden
- Tipps zur Anlage einer Erdmiete
- Sellerie und Kohl so lange wie möglich im Freien lassen
- Rosenkohl und Grünkohl werden durch späte Ernte schmackhafter
- Rezept: Fruchtiger Herbstsalat
September
Der Sommer zeigte sich dieses Jahr sehr wechselhaft. Die vielen kühlen Regentage machten meinen Südländern schwer zu schaffen. Paprika und Auberginen bekamen im Frühbeet verschrumpelte und braune Blätter, fruchteten kaum. Obwohl die unteren Blätter meiner Salatgurken im Folienhaus schon Anfang Juli Mehltau hatten, konnte ich durch intensives Lüften (auch nachts) und fast tägliches Besprengen der Blätter mit Regenwasser, noch Mitte August gesunde Gurken ernten. Von vielen Gärtnern hörte ich, dass ihre Tomaten schon im Juli Braunfäule hatten, und sie die Pflanzen roden mussten. Da konnte ich mich doch wieder einmal auf meine Tomatendächer (
GR 3/2000) verlassen. Bis Mitte August waren die meisten Blätter noch gesund. Trotz des vielen Regens machten meine Blumen bei Wärme schnell schlapp. Sie hatten durch die dauernden Schauer hauptsächlich oberflächlich Wurzeln ausgebildet, nur wenige in der Tiefe.
Damit Nährstoffe aus dem Boden nicht ausgewaschen werden, säe ich so lange wie möglich eine Gründüngung auf abgeerntete Beete. Bis Mitte September eignen sich noch: Inkarnatklee, Senf, Ölrettich oder Landsberger Gemenge mit Winterwicke, Inkarnatklee und welschem Weidelgras. Bis Mitte Oktober: Wickroggen, (Winterwicke mit Winterroggen), die nicht abfrieren. Danach nur noch Grünroggen. Bio-Gründungs-Saatgut führt die
Bingenheimer Saatgut AG
Fon 06035/1899-0
Fax 06035/1899-40
www.oekoseeds.de
Immer wieder werde ich von Leser/innen gefragt, was man denn gegen Apfelschorf machen kann. Der AID-Verbraucherdienst berichtet von Untersuchungen zweier niederländischer Forschungsinstitute. Sie fanden heraus, dass Vinasse die Bildung der so genannten Ascosporen von Apfelschorf um mehr als 95 Prozent verringern könne. Vinasse ist ein fermentiertes Abfallprodukt, das bei der Zuckerherstellung entsteht und teilweise als Dünger im Bio-Obstbau verwendet wird. Eine Behandlung mit Vinasse im Herbst reduziere den Befall mit Apfelschorf am besten. Außerdem rege Vinasse beträchtlich die Zersetzung der Blätter an. Dieser Effekt wirke wiederum auch gegen Schorf, da der Pilz in den Blättern überwintert. Genaue Anweisungen gibt es dazu noch nicht.
Dr. Marion Morgner, www.aid.de
Ab diesem Monat stecke ich wieder Öko-Blumenzwiebeln. Sie werden ohne Herbizide, Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel gezogen. Eine Fruchtfolge mit Ackerpflanzen vermeidet Krankheitsprobleme. Die Öko-Blumenzwiebeln sind etwas teurer, da weniger Zwiebeln auf der Fläche wachsen als im konventionellen Anbau. Außerdem wird mit der Hand gejätet. Adressen von Anbietern stehen in der Rubrik Der Biogarten, oder im GR 5/2006.
Über die stark allergene Wirkung des Beifußblättrigen Traubenkrauts Ambrosia artemisiifolia habe ich immer wieder berichtet. Um die weitere Ausbreitung zu verhindern, hat die Biologische Bundesanstalt mit Ärzten, dem Deutschen Wetterdienst, Unis und Behörden ein Aktionsprogramm erarbeitet. Die Wissenschaftler möchten ein genaueres Bild über das Vorkommen in Deutschland gewinnen. So können Bürger Fundorte über ein Formular im Internet melden und Infos dazu abrufen: www.bba.bund.de/ambrosia

Grüne Tomaten
Als großer Tomatenfan ernte ich rund 50 Kilo der Paradiesfrüchte jedes Jahr. Immer wieder wird über die Giftigkeit von
Grünen Tomaten berichtet. Grüne Stellen bedeuten bei Tomaten und Kartoffeln: Sie enthalten das giftige und hitzestabile Solanin. "Doch keine Angst. Für eine Vergiftung sind die Mengen in leicht grünen Tomaten zu gering", berichtet die Gartenakademie (GA) Rheinland-Pfalz anhand einer Untersuchung der Stiftung Warentest. In 100 gr halbreifen, orangeroten Früchten wurden bis zu 2 mg Solanin gemessen. Giftig würde es erst ab 25 mg, tödlich könnten 400 mg sein. Selbst Konfitüre aus ganz grünen Tomaten sei kein Problem, wenn man nicht zu kräftig hinlange. Sie hätten ein Solaningehalt zwischen 9 und 32 mg pro 100 gr. Bei milchsaurer Vergärung verringere sich der Solaningehalt um 35 Prozent. Ähnlich auch bei Konfitüren, da bewirke der Zuckerzusatz die Verdünnung.
www.gartenakademie.rlp.de
Zur Reifezeit von Obst und Gemüse spritze ich das biologisch-dynamische Hornkieselpräparat auch nachmittags. Dies ist besonders bei Wurzelgemüse und Obstgehölzen zur besseren Ausreifung empfehlenswert. Leser berichteten mir, dass dadurch auch saure Herbsthimbeeren süßer wurden oder die Blätter von Zuckerhut besonders knackig schmeckten. Wer sich näher über die Biologisch-Dynamischen Präparate informieren will, kann dies bei folgendem Herbstkurs tun:
21. und 22. September im Brunnenhof, 74653 Künzelsau-Mäusdorf
Themen unter anderem: Einführung in die Demeter-Präparate, praktische Herstellung von Hornmist-, Schafgarben-, Kamillen-, Löwenzahn- und Eichenrindenpräparat, Demonstration der Herstellung von Hornkiesel- und Löwenzahnpräparat, Anwendungen und Wirkungen.
Kosten: €150,- oder nach Vereinbarung.
Bitte früh anmelden bei
Dr. Christian von Wistinghausen
Fon 07940/2230
Fax 07940/4911
C.v.Wistinghausen@t-online.de
Oktober

Herbstlaub
Jetzt fallen wieder viele Gemüse-, Strauch und Laubabfälle an. Wer einen neuen Komposthaufen aufsetzt, sollte ihn unbedingt mit den
bio-dynamischen Kompostpräparaten impfen. Demeter-Landwirte stellen sie aus Schafgarbe, Kamille, Brennnessel, Eichenrinde, Löwenzahn und Baldrian selbst her. Mich begeistert immer, wie schnell die Abfälle nach einer Behandlung mit den Präparaten verrotten. Rund zwei Wochen vor der Ausbringung präpariere ich den fertigen Kompost noch einmal. Demeter-Kompost aktiviert nachweislich die Bodenlebewesen und regt das Wurzelwachstum der Pflanzen an. Mitglieder von Demeter-Gartengruppen erhalten alle Präparate einmal jährlich kostenlos. Andere Interessenten können sich von Demeter-Bauern beraten lassen oder Einführungskurse besuchen.
Immer wenn die Erntezeit beginnt, frage ich mich, wie ich Obst und Gemüse am besten einlagere, damit es so lange wie möglich hält. Mein kleiner Gewölbekeller ist zwar kühl aber etwas zu trocken. Die GA Rheinland-Pfalz weist auf eine traditionelle Lagerhaltung hin: die Erdmiete. In einem Erdloch wird lagerfähiges Obst (Birnen, Äpfel) oder Gemüse (Kartoffeln, Möhren, Sellerie, Kohl) frostsicher eingelagert. Dabei schützt eine Sanddrainage am Boden vor Nässe und ein feiner Maschendraht vor Mäusen (siehe Skizze). Oben wird die Grube mit einem Brett abgedeckt. Darauf folgt als Isolierung Laub oder Stroh. Ganz oben drauf kommt Gartenerde. Zum Luftaustausch werden seitlich Strohwische angebracht. Idealerweise wird die Miete an einem schattigen, trockenen Platz (Nordseite des Hauses) angelegt. Zum einfachen Entnehmen kann das Abdeckmaterial in einen Sack gesteckt werden. Eine Variante der "klassischen" Miete eignet sich für kleinere Vorratsmengen. Dazu wird ein Plastikeimer oder Baukübel eingegraben und mit einem Deckel versehen, der eine Lüftungsöffnung bekommt: ein Loch bohren und ein gekrümmtes Rohr oder Stück Schlauch hineinstecken. Nach oben wird der Behälter durch isolierendes Material wie bei der Erdmiete oder mit Luftpolsterfolie/Styropor abgedeckt. Da hier kein direkter Erdkontakt besteht, sollte der Sand, den man zum Einlagern benutzt, leicht nass sein.
Ich lasse meine Gemüsepflanzen so lange wie möglich im Freien, da sie sich dort am besten halten. Knollensellerie hält im Freien bis -4 Grad aus und nutzt die kühlen Herbsttage noch zum Wachsen. Im Lager ist er frostempfindlich. Weißkraut hält eine kalte Nacht von -5 Grad aus. Mit der Ernte sollte aber vor dem Vergilben der Außenblätter begonnen werden und solange sich der Kopf noch leicht drücken lassen. Sonst platzt er leicht im Lager und die Haltbarkeit nimmt ab. Chinakohl wird vor dem Einsetzen stärkerer Fröste (-5 Grad) geerntet.
BÖG-Infofax

Grünkohl mit Reif im Dezember
Bisher war ich immer der Meinung, dass
Rosenkohl und Grünkohl durch Frosteinwirkung hekömmlicher werden und besser schmecken. Doch das Internetportal
www.wikipedia.de belehrt mich eines Besseren: "Tatsächlich spielen Frost und Stärke keine Rolle, sondern es kommt auf die späte Ernte und allgemein kühle Temperaturen an. Reifer Grünkohl enthält kaum noch Stärke, die in Zucker umgewandelt werden könnte, bildet durch Photosynthese aber weiterhin Traubenzucker. Durch die kühlen Temperaturen verlangsamen sich die Stoffwechselvorgänge allgemein. Besonders die Tätigkeit des Enzyms Phosphofructokinase wird stark gehemmt - der Zuckergehalt der Kohlblätter steigt an. Da diese Traubenzucker-Anreicherung nur bei der lebenden Pflanze stattfindet und der Frost keine Rolle spielt, kann der Effekt der späten Ernte nicht durch kurzes Einlagern des Kohls in der Gefriertruhe imitiert werden."
Honigbienen-Haltung - ein Handbuch zur Imkerei
Buchbesprechung von Günter Friedmann, Demeter-Inker

Werner Gekeler: Honigbienen-Haltung - ein Handbuch zur Imkerei
Seit längerem geht die Zahl der aktiven Imker in Deutschland jährlich um etwa ein Prozent zurück. So ist es kein Wunder, dass nur noch wenige neue Fachbücher geschrieben werden. Doch jetzt ist endlich wieder einmal ein hervorragendes Handbuch zur imkerlichen Praxis erschienen. Der Autor, Werner Gekeler, hat in Imkerkreisen einen sehr guten Namen, den er sich als langjähriger staatlicher Fachberater für Bienenzucht, sowie als Nebenerwerbsimker und erfolgreicher Königinnenzüchter erworben hat. Das vorliegende Buch beschäftigt sich vor allem mit der Praxis der Imkerei. Werner Gekeler behandelt nahezu alle relevanten Aspekte anschaulich und erschöpfend: von der Wahl der richtigen Beute, über die Wanderung mit den Bienen, bis hin zur Wachsgewinnung. In einem einführenden Kapitel wird die wichtige Biologie der Honigbiene dargestellt. Das imkerliche Allgemeinwissen wird allerdings, und das macht einen Reiz dieses Büchleins aus, ergänzt, durch Erfahrungen, Beobachtungen, Tricks und Kniffs aus der Schatzkiste des erfahrenen Praktikers.
Die Formulierungen und Beschreibungen sind alle anschaulich und sehr sachlich. Leider klingt das oft ein wenig trocken. Doch immer wieder wird die Liebe des Autors zu den Bienen sichtbar und die Faszination, die von der Honigbiene ausgeht. So kommt er, aller ökonomischer Ausrichtung zum Trotz, gerade beim Thema Schwarm regelrecht ins Schwärmen und erzählt dem Leser, wie ein Bienenvolk dem Schwarm "entgegenreift". Diese Phase, während der der Schwarm als Traube am Baum hängend, zu einem neuen Volk zusammenwächst, beschreibt der Autor als "Schwarmandacht". Diese Worte berühren auch mich als Demeter-Imker, da ich mit diesen Prozessen eng vertraut bin und sie in meiner Imkerei produktiv nutze. Ein Nachteil des Buches ist die kleine Schrift, die gerade älteren Imkern, der Altersdurchschnitt liegt bei 63 Jahren, das Lesen anstrengend macht. Eine großzügigere Bebilderung wäre auch wünschenswert. Doch alles in Allem ist es dem Autor gelungen, ein wirkliches Handbuch über die Kunst der Imkerei zu schreiben. Obwohl die ökologische Imkerei nicht einmal erwähnt wird, habe auch ich dieses Buch mit Gewinn und Freude gelesen.
Ulmer Verlag Stuttgart
ISBN 978-3800143986
176 Seiten
€26,90
Die Holzer'sche Permakultur miterlebt
von Iris Mühlberger (Text und Fotos)

Sepp Holzer in Aktion
Ein lang gehegter Wunsch ging für mich in Erfüllung, als ich letztes Jahr einer Einladung vom Kneipp-Verlag folgte: Sepp Holzer, den als Agrar-Rebell bekannt gewordenen österreichischen Bergbauern, kennen zu lernen. Viel Gutes aber auch Kritisches hatte ich bis dahin über ihn gehört und gelesen. Jetzt konnte ich mir endlich einmal selbst ein Bild von ihm und seiner außergewöhnlichen Anbauweise, der Holzer'schen Permakultur, machen.
Eine Oase auf dem Berg
Ein Sammeltaxi setzte uns auf ca. 1.300 Meter Höhe an einem großen schmiedeeisernen Tor ab. Hinter dem Gitter sah ich nahezu Unfassbares, eine Oase mit unzählig blühenden Rhododendronbüschen, gelben Iris und um Baumstämme wachsenden Orchideen. Ein krasser Gegensatz zum Hang gegenüber, wo teilweise nur noch Steine und Geröll den Bergrücken bedeckten. Dort hatten Orkane große Flächen von Fichten-Monokulturen nahezu vernichtet. Kaum zu glauben, dass auf einem Teil der verwüsteten Flächen wieder hunderte junger Fichten nachgepflanzt worden sind. Hier herrschte eindeutig Einfalt vor, im Gegensatz zur Vielfalt des Holzer'schen Berggartens. Verschmitzt lächelnd empfang uns der damals 64-jährige und führte uns über einen verwunschenen Pfad an den bunt blühenden Sträuchern und einem Meer von Wildblumen vorbei, bis zum Krameterhof, dem Herz des 45 Hektar großen Paradieses. Es ist ein Berghang, der sich von 1.100 bis 1.500 Meter Höhe erstreckt. Sepp Holzer hat ihn mit vielen Terrassen "umgestaltet", so dass er förmlich erblüht ist und sich in ein extrem fruchtbares Land verwandelt hat.
"Un"kräuter und Schädlinge gibt es nicht

Blühende Rhododendren hinter dem Eingangstor
In der Holzer'schen Permakultur stehen alle Elemente des Systems miteinander in Wechselwirkung. Es gibt für ihn keine Schädlinge oder minderwertige Pflanzen wie "Un"kräuter. Hier lebt alles harmonisch miteinander. Das heißt aber nicht, dass der Bergbauer alles sich selbst überlässt. Er greift dort sanft regelnd ein, wo es seinem Gefühl nach sein muss und wirtschaftlich nötig ist. Schon als Kind beobachtete und erfühlte er die Natur. Er versetzte sich in Regenwurm, Igel, Blattlaus oder Kirschbaum und versuchte dadurch ihre Lebensweise oder auch Probleme zu verstehen. Er bekam Antworten, handelte danach und entwickelte eigenwillige Methoden, die nichts mehr mit herkömmlichen Gärtnern oder traditioneller Landwirtschaft zu tun haben. "Wenn ich eine Blattlaus oder Schildlaus beobachtet, erfahre ich mehr über sie und die Natur als wenn ich sie töte. Bei mir muss ich mit der Lupe nach den sogenannten Schädlingen suchen. Ich bekämpfe überhaupt nichts, weil das System perfekt ist und sich von selbst reguliert, wenn ich es nur lasse." Ansonsten würde das System unrund und funktioniere nicht mehr. Schädlinge und Unkraut kämen immer wieder. Man bekämpfe sie ein Leben lang. "Wer die Natur nachmacht oder nachempfindet, bekommt dafür selbst den größten Ertrag. Sie fängt an für ihn zu arbeiten. Dazu gehört aber auch, zu begreifen, dass Wildnis etwas Schönes ist."
Die Holzer'sche Permakultur umfasst Landschaftsgestaltung wie Terrassenbau, Anlage von Hochbeeten, Wassergärten, Humusrückhaltebecken und Kleinklimazonen. Bäume und Sträucher werden in die landwirtschaftliche Nutzung einbezogen. Alle Tiere, zum Beispiel schottische Hochlandrinder oder alte robuste Schweinerassen, leben mit größtmöglicher Freiheit in geräumigen Gehegen und können sich in Erdhöhlen zurückziehen. Zu Sepp Holzer gehören genauso Tourismus, Seminare und eine rege Autorentätigkeit. Nur so kann er seine Erfahrungen an viele Menschen weitergeben. Deshalb kann ich Vorwürfe, dass er sein Geld nur mit seinen Büchern und Auftritten verdiene, nicht nachvollziehen. Sepp Holzer ist für mich ein intuitiv arbeitender, sehr kreativer Mensch mit vielen Aufsehen erregenden Ideen, die er in Zusammenarbeit mit seinen "Mitlebewesen" entwickelt. Und das hat den dickhäutigen Agrar-Rebellen auch schon viel Kraft und Auseinandersetzung mit Behörden und Politikern gekostet: "Ich bin der am meisten bestrafte und verfolgte Bergbauer von ganz Österreich. Die Anderen bekommen die Förderung und ich die Strafen. 2004 musste ich vom Nettoverdienst 82 Prozent Steuern zahlen." So wird ihm zum Beispiel immer wieder Waldverwüstung und forstfremde Nutzung vorgeworfen.
Empfindliche Fische auf dem Berg

Idyllische Teichlandschaften bis auf 1.500 Meter Höhe
Vor uns plätschert aus einem Holzbrunnen kristallklares Quellwasser. Davor steht Sepp Holzer mit einem Prachtexemplar von Flusskrebs in der Hand. Er züchtet die empfindlichen Tiere in seinen Teichen und verkauft sie an die Feinschmecker-Gastronomie. Auch seine Koi-Karpfen, die bis auf 1.500 Meter Höhe ganzjährig in großen Wasserlandschaften leben, finden viele Abnehmer. Insgesamt hat der Bergbauer 72 Naturteiche mit vier Hektar Wasserfläche terrassenförmig angelegt. Sie sind bis zu sieben Meter tief. Dort ist die Temperatur immer gleich, weder zu heiß noch zu kalt. Dazu können sich die Tiere unter großen Wurzelstücken, die an Ziegelsteinen befestigt, auf dem Grund liegen, verstecken. So leben Koi, Karpfen, Bachforellen, Seesaiblinge, Hechte und Wildfische in den großen Teichen friedlich miteinander. "Wenn jedes sein Biotop hat, reguliert sich alles am besten. Weil sich das System selbst erhält, brauche ich auch nicht zu füttern", so die Erfahrung von Sepp Holzer. In diesem System spielen Kröten, Frösche und Molche eine genauso wichtige Rolle, wie die breiten Schutzzonen um die Teiche. Dort wachsen Rohrkolben, Schilf und andere Feuchtwiesenpflanzen zusammen mit Lupinen. Rote, weiße und rosa Seerosen bilden große Teppiche und Wälder von Unterwasserpflanzen reinigen das Wasser. Wenn sie überhandnehmen, verkauft Sepp Holzer zum Beispiel extrem frostharte und robuste Seerosen, Sumpf-Schwertlilien und andere Wasserpflanzen an Zoohandlungen oder Gärtnereien. Auch Holzer'sche Teichmuscheln und europäische Wasserschildkröten sind vom Handel sehr gefragt.
Gemüse wächst wild durcheinander
Überall liegen immer wieder große Steinen oder Findlinge herum, die als Wärmefallen und -speicher dienen. Durch diesen Kachelofeneffekt können bei 4,5 Grad Jahresdurchschnittstemperatur sogar Feigen, Kiwi, Zitronen und Mandarinen gedeihen. Empfindliche Pflanzen, wie Orchideen oder manche Zitrusfrüchte, werden im Winter geschützt untergestellt.
Der Bergbauer zeigt auf einen saftig grünen Hang und kommt dabei ins Schwärmen: "Ich habe selbständige Bäume und Pflanzen, die auf den unmöglichsten Plätzen wachsen. Und das mit dem geringsten Arbeitsaufwand." Gegen jede Gartenregel gedeihen auf der Böschung Salat neben Radieschen, Paprika, Auberginen, Möhren, Kohlrabi, Rettich und Rüben. Dazwischen wachsen Heidelbeeren und Rhododendron. Sepp Holzer nimmt möglichst sein eigenes Saatgut mischt es wild durcheinander und streut es auf dem Boden aus. Ab und zu greift er regulierend ein, indem er zu dicht stehende Pflanzen ausreißt oder darauf tritt und als Mulch liegen lässt. Alle Pflanzen stehen sehr gut da, kräftig und ohne Krankheitsanzeichen oder Schädlinge. "Die Pflanzen sind gescheiter als wir. Wenn sie in einer Gemeinschaft leben, versorgt eine die andere. Sie passen sich ganz natürlich dem Wetter an und tauschen ihre Nährstoffe untereinander aus." Letztes Frühjahr wunderte er sich, dass die Pflanzen erst nicht so recht wachsen wollten. Dann kam noch ein später Frost. "Die Pflanzen wussten das. Wären sie schnell hochgeschossen, wären sie erfroren. Danach sind sie so schnell gewachsen, dass ich kaum zusehen konnte. Wenn ich sie mit Dünger getrieben oder mit Vlies abgedeckt hätte, wären sie wahrscheinlich erfroren." Im Herbst bekommen seine frei laufenden Schweine die letzten Reste von den Beeten. Sie arbeiten die Beete gut durch, so dass für den Bauern nur noch wenig Arbeit übrig bleibt. Das meiste Gemüse baut er jedoch auf seinen speziell entwickelten Hügelbeeten an. Sie schlängeln sich, diagonal, nicht wie normalerweise parallel, zum Hang, hunderte Meter den Berg hinunter. Sepp Holzer hat sie auf ehemaligen Sturmschadenflächen angelegt. Auch hier wächst alles Gemüse wild durcheinander, gemischt mit Sonnenblumen und Topinambur. Der Bergbauer weißt immer wieder darauf hin, wie wichtig für ihn sein eigenes Saatgut ist. Denn er ist sich sicher, dass die besten Pflanzen aus Saatgut wachsen, dass von den stärksten Pflanzen vom schlechtesten Boden stammt. Sie seien die frosthärtesten und widerstandsfähigsten Sorten, da sie durch den Stress des schlechten Bodens hart arbeiten mussten. Diese Pflanzen entwickelten auch die meisten Inhaltsstoffe für eine gesunde Ernährung. Für Sepp Holzer werden Pflanzen im herkömmlichen Anbau mit Kunstdünger, Monokultur und Pflanzenschutzmitteln zu süchtigen, abhängigen und schwächlichen Pflanzen. Sie seien nur noch bauchfüllende Nahrungsmittel und keine Lebensmittel mehr.
Pfirsiche und Maroni in höchsten Lagen

Enzian und Lupine
Auf dem ganzen Berghang begegnen wir immer wieder hunderten von stattlichen Lupinen, die Sepp Holzer als wertvolle Stickstoffsammler extra aussät. Sie dienen auch als Wind- und Wetterschutz, gemeinsam mit Minze, Melisse, Brennnessel und sogar Enzian unterhalb von Beerensträuchern und Obstbäumen. Das Ergebnis: nicht nur Apfel- oder Kirschbäume, sondern auch Pfirsiche und Maroni sind bis auf 1.500 Meter Höhe dick mit Früchten behangen. Positiver Nebeneffekt: die Enzianwurzel wird zum Schnapsen verkauft, die Obstbäume werden zum Ernten vermietet und sind so weitere Einnahmequellen. Die Obstbäume schneidet Sepp Holzer extra nicht, um sie nicht zu schwächen. Sie tragen trotzdem gesunde und viele große Früchte.
Es gäbe noch viel über seine gemeinsam mit den "Mitlebewesen" entwickelten Methoden zu berichten, zum Beispiel die Pilzzucht in Säcken, die in Bäumen baumeln, den Kräuterberg mit südländischen Heil- und Küchenkräutern oder die Verjauchung von Heidelbeersamen, um die Keimhemmung zu überlisten. Mich hat die Holzer'sche Permakultur begeistert. Der Bergbauer warnt jedoch vor einer allzu großen Euphorie: "Selbst eine ausgeklügelt gebaute und wunderbar funktionierende Permakultur-Anlage kann durch falsche Betreuung und Bewirtschaftung zu einem Katastrophen-Standort werden! Permakultur muss gelernt und auch gelebt werden, um eine Anlage ökologisch und ökonomisch richtig bewirtschaften zu können."
Krameterhof
Keusching 13
A-5591 Ramingstein
Fon/Fax 0043/(0)6475-239
office@krameterhof.at
www.krameterhof.at