Arbeitskalender Juli / August
von Iris Mühlberger
- Bitterstofffreie Gurken schmecken bitter
- Batavia-Salate
- Schachtelhalmspritzung
- Aussaattermine Feldsalat und Sorten
- Hornkiesel anwenden
- Erdbeeren pflanzen
- Walnussbaum schneiden
- Biologische Pilzsubstrate
- Pilz Buchtipps
Juli
Ich weiß nicht, ob es nur mir dieses Jahr so geht. Aber in meinem Garten keimen die meisten Aussaaten sehr schlecht und viele Jungpflanzen wachsen nur langsam. Nach wochenlangem Hochwasser, folgte eine mehrwöchige Trockenheit bis Mitte Mai mit recht kühlen Nächten. Danach wurde es schnell ungewöhnlich heiß. Es folgten Unwetter, örtlich mit Hagel. Diese Wetterturbulenzen stressen nicht nur uns Menschen, sondern wohl auch die Pflanzen. Meine Puffbohnen sind nur halb so hoch wie sonst. Der Spinat schoss schon in Blüte, bevor er überhaupt große Blätter hatte. Ideal fanden dafür das extreme Klima riesige Gierschpflanzen und gelbe Teppiche von Hahnenfuß, die mir in einer Wiese sehr gut gefallen. Auch Schnecken genießen das Wetter und laben sich an Dahlie, Kohl und Salat. Ich habe beschlossen, sie nicht mehr zu töten. Jedoch sammele ich sie öfters ab und setze sie in anderen Bereichen des Gartens wieder aus.

Schlangengurken wachsen am besten, wenn sie an Stützen ranken können
Jetzt ist es sicher richtig warm, und ich werde die ersten leckeren
Gurken ernten. Es kann dabei passieren, dass auch die als bitterstofffrei beschriebenen Sorten unter bestimmten Bedingungen bitter werden. Die Angabe “bitterstofffrei” bezieht sich nur auf die Früchte. Blätter und Stängel können trotzdem bitter sein. Bei extremer Trockenheit, stark schwankender Wasserversorgung, zu kaltem Gießwasser, Überdüngung oder kalten Nächten nach sehr heißen Tagen, geraten die Gurkenpflanzen unter Stress. Dabei können Bitterstoffe aus Blättern und Stängeln in die Früchte gelangen, die dann besonders in Stängelnähe bitter werden.
www.gartenakademie.rlp.de

Grüner und rotgrüner Bataviasalat
Zu meinem absoluten Lieblingen haben sich
Batavia-Salate entwickelt. Sie sind eine Mischung aus Kopf- und Eissalat und ideal für den Sommeranbau. Ich favorisiere die grünroten Sorten mit knackigen Blättern. Sie sind sehr schossfest, robust und schmecken herrlich nussig. Im erntereifen Zustand können sie noch lange auf den Beeten bleiben. Ihr Name geht auf die französische Bezeichnung für Eissalat zurück. Von Batavia-Salaten gibt es feste, geschlossene und offene Typen mit keiner oder nur schwacher Kopfbildung. Die Blattfarbe reicht von grüngelb über grünrot bis zu intensivem Rot. Ich setze die Pflanzen in etwa 30 x 30 cm Abstand. Die Blätter der Batavias berühren kaum den Boden, da sie sehr aufrecht wachsen. Fäulnis oder Grauschimmel treten kaum auf. Die alten Sorten ‘Laibacher Eis’ oder ‘Maravilla de Verano’ (beide Bingenheimer Saatgut AG) kann ich nur empfehlen.
In der ersten Julihälfte spritze ich noch einmal Schachtelhalmtee auf Boden und alle Kulturen. Zeigen sich schon Schäden durch Pilzkrankheiten wie Mehltau, sollte die Behandlung an drei Tagen wiederholt werden. Aus Bequemlichkeit benutze ich fertiges Schachtelhalmextrakt von den Firmen Oscorna oder Neudorff.
Die Aussaattermine für den ersten Feldsalat rücken näher. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass im hohenlohischen Klima Feldsalat am besten im kalten Gewächshaus oder Frühbeet wächst. Im Freien musste ich ihn schon häufig unterhacken, da er entweder zu klein war oder Mehltau hatte. Meine Lieblingssorte für Freiland und unter Glas ist ‘Verte de Cambrai’ (Dreschflegel Saatgut). Die rundblättrigen Blätter wachsen schnell, sind vollkommen frosthart und schmecken wunderbar nussig. Aussaatund Erntetermine von Feldsalat variieren je nach Klimaregion und Witterrung stark, siehe nachfolgende Tabelle.
| Gemäßigtes Klima |
Weinbauklima, Pfalz |
|
| Direktsaat |
Kulturtage |
Erntebeginn |
Direktsaat |
Kulturtage |
Erntebeginn |
|
| 15. Juli |
55 |
10. September |
15. Juli |
41 |
25. August |
| 1. August |
65 |
5. Oktober |
1. August |
50 |
20. September |
| 15. August |
80 |
5. November |
15. August |
55 |
9. Oktober |
| 1. September |
95 |
5. Dezember |
1. September |
60 |
1. November |
| 15. September |
165 |
März |
12. September |
80 |
1. Dezember |
| 1. Oktober |
180 |
März |
20. September |
- |
Januar |
|
Aussaat- und Erntezeiten von Feldsalat nach Klimaregionen
Quelle: BÖG Infofax
Jetzt ist für mich der richtige Zeitpunkt das bio-dynamische Präparat Hornkiesel zu spritzen. Es fördert die Blatt-, Blüten- und Fruchtbildung der Pflanzen, macht sie widerstandsfähiger gegen Pilzkrankheiten und beschleunigt ihr Ausreifen. Das Präparat wird erst ausgebracht, wenn die Frucht der Pflanze erkennbar ist: Möhrenwurzel wird rötlich, Tomaten sind haselnussgroß, Herzblätter vom Salat oder Kohl drehen sich. Hornkiesel wird am frühen Vormittag bei sonnigem Wetter ausgebracht. Eine Messerspitze davon in fünf Liter handwarmes Wasser geben (kein Metallgefäß!) und eine Stunde lang von außen nach innen, mit schnell wechselnder Drehrichtung, rühren. Empfehlenswert ist es, in den letzten 15 Rührminuten etwa 0,5 ml Baldrianpräparat zuzugeben. Am Ende wird alles durch eine feine Gaze oder Ähnliches in eine Handspritze gefüllt und mit kleinster Düse ganz fein über die Pflanzen gesprüht. Fünf Liter reichen für 1.000 m². Sie finden bei uns Buchtipps und Adressen zu den Demeter-Präparaten.
August

Knoblauch zwischen Erdbeeren schützt vor Pilzkrankheiten
Kaum ist die
Erdbeer-Ernte vorbei, muss man schon ans nächste Jahr denken. Ideale Pflanzzeit ist ab August, rät die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK). Galt früher die Faustregel, Erdbeeren bis spätestens 10. August zu pflanzen, empfehle es sich, bezogen auf das heutige Sortiment, Neupflanzungen bis 1. August abzuschließen. Anderenfalls fiele der Ertrag im Folgejahr deutlich ab, umso mehr, je später gepflanzt werde. Der Ertragsrückgang bei späterer Pflanzung sei darin begründet, dass die Erdbeeren im Herbst durch die kürzeren Tage angeregt würden, die Blütenstände für das nächste Jahr anzulegen. Darum blühen zu früh gepflanzte Erdbeeren zu reichlich, während zu spät gepflanzte sich kaum verzweigen und nur wenige Blütenstände entwickeln. Auch eine Stickstoffdüngung könne die Anlage der Blütenstände nicht mehr ausgleichen.
Vor ein paar Jahren habe ich einen kleinen Walnussbaum geschenkt bekommen. Ich habe ihn im Winter die ersten drei Jahre abgedeckt, da junge Walnussbäume etwas frostempfindlich sind. Jetzt wächst er prächtig. Da es ein Wildling ist, wird er sicher erst recht spät anfangen zu blühen. Oft werden die stattlichen Bäume nach einigen Jahren zu groß. Will man sie erhalten, müssen sie zurückgeschnitten werden. Die besten Termine dafür sind August und September. Dabei kann sowohl in der Höhe als auch in der Breite korrigiert werden. Die Reduzierung der Krone sollte in einem Jahr zwei Meter nicht überschreiten. Man kann ohne Probleme bis in das alte Holz zurückschneiden. Wird ein Walnussbaum im Winter oder Frühjahr geschnitten, blutet er aufgrund des starken Saftdruckes sehr stark.
www.gartenakademie.rlp.de
Schon lange habe ich einen Betrieb gesucht, der biologische Pilzsubstrate für Haus und Garten anbietet. Die Familie Lehr in Hessen ist nach eigenen Angaben eine der bedeutendsten Bio Shii-Take Pilzanbauer Europas. Das Substrat würde ausschließlich aus ökologischen Grundstoffen hergestellt. Pilz-Substrate und/oder -Brut gibt es unter anderem von Shii-Take, Austernpilzen, Samthauben, Kräuterseitling, Stockschwämmchen und Braunkappe. Außerdem züchtet Familie Lehr verschiedene exotische Pilze, sowie Heilpilze für medizinische Zwecke. Außer Substrate können auch fertige Pilze, Trockenpilze oder Gewürzpulver bestellt werden.
Lehr Speisepilzkulturen
Unter-Sorger-Str. 2
36318 Schwalmtal
Fon 06638/9610-0
Fax 06638/9610-96
www.biopilze.com
Meine Buchempfehlungen

Dagmar und Siegfried Stein: Pilze anbauen
Pilze anbauen
Dagmar und Siegfried Stein beschreiben die Geschichte der Pilzkultur, Kulturmethoden, Pilze trocknen, Probleme bei der Zucht und Rezepte. Die besten Pilze zum Selberziehen werden mit Merkmalen, Kultur, Ernte und Anbaumethoden genauer vorgestellt.
BLV Verlag München
ISBN 3-405-16915-1
96 Seiten
€7,95

Rita Lüder: Grundkurs Pilzbestimmung
Grundkurs Pilzbestimmung
Es ist das in meinen Augen beste Pilz-Bestimmungsbuch. Mich begeistert besonders der ausführliche, einfache und gut durchdachte Bestimmungsschlüssel. Die rund 400 am weitesten verbreiteten Pilzarten werden mit ihren wichtigsten Merkmalen von Rita Lüder beschrieben. Sehr viele Detailaufnahmen und über 2.000 (!) Fotos erleichtern das Erkennen.
Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim
ISBN 978-3-494-01444-9
480 Seiten
€19,95
Schnellere Umsetzungsprozesse mit dem Mäusdorfer Rottelenker
Text und Fotos von Iris Mühlberger

Mäusdorfer Rottelenker
Der Mäusdorfer Rottelenker ist ein Produkt aus dem und für den biologisch-dynamischen Land- und Gartenbau. Der Bodenverbesserer dient zur Lenkung der Rotte in abgestorbener organischer Substanz. Er besteht aus Kuhmist und Urgesteinsmehlen, die in einer Birkengrube mehrmals mit den bio-dynamischen Heilkräuterpräparaten rhythmisch präpariert werden. Die Mischung wird öfters umgesetzt und als mehr oder weniger stark verkompostierte Masse zur Konservierung getrocknet und vermahlen. Der fertige Mäusdorfer Rottelenker enthält Bakterien- und Pilzkulturen und vermittelt Kräfte zur Umsetzung von organischem Material. Sie führen zu einer nachhaltigen Bildung von fruchtbarem Humus. Der Rottelenker beschleunigt und harmonisiert Umsetzungsprozesse in Kompost, Mist, Gülle und Jauche. Er bindet dazu Gerüche, zum Beispiel in Jauchen, Biotonne oder Kompostsammelbehältern. Außerdem aktiviert er das Bodenleben, so dass eine stabile Krümelstruktur entsteht. Die Pflanzenwurzeln können sich optimal entwickeln. Der Rottelenker sollte im Frühjahr zur Aussaat und Bodenpflege und im Herbst zur flachen Einbringung von Kompost oder Gründüngung angewendet werden. Für eine gute Humusbildung kann er auf gemulchte Beetflächen, auch unter Bäumen und Sträuchern, gespritzt oder trocken ausgestreut werden. Mit dem Rottelenker haben Gärtner, die noch nicht mit den Demeter-Präparaten vertraut sind oder sie weder herstellen noch anwenden können, eine Möglichkeit, sie trotzdem zu benutzen und ihre Wirkungen zu beobachten.
Anwendungen
- In der Kompostmiete oder im -haufen wird der Rottelenker als Pulver, wie Pfeffer, beim Sammeln, Auf- oder Umsetzen mit hinein gestreut (etwa ein Esslöffel oder 10 gr je Kubikmeter Kompostmaterial).
- Im Kompostsammelbehälter in der Küche beginnt der Reifeprozess sofort, wenn ab und zu ein Teelöffel trockener Rottelenker eingestreut wird. Der Biokompost riecht dadurch kaum mehr.
- Auf den mit organischer Substanz bedeckten Boden. Für 100 m² Gartenfläche werden abends auf 5 bis 10 Liter Wasser 2 Esslöffel (20 gr) Rottelenker gegeben und gut eingeweicht. Am nächsten Tag können noch ein paar Tropfen bio-dynamisches Baldrianpräparat dazu gegeben werden. Die gut gerührte Mischung wird am besten abends mit einem Handfeger oder Zweigbüscheln ausgespritzt. Der Rottelenker kann auch trocken ausgestreut werden. Er beginnt dann erst bei Befeuchtung des Bodens aktiv zu werden.
Kosten: 100 gr €6,-, 500 gr €20,-, jeweils zzgl. Mwst und Porto bei
Bio-dynamischer Präparatezentrale Dr. Christian v. Wistinghausen
Hohe Str.25
74653 Künzelsau-Mäusdorf
Fon 07940/2230
Fax 07940/4911
C.v.Wistinghausen@t-online.de