Arbeitskalender März / April
von Iris Mühlberger
- Engerlinge vom Rosenkäfer im Kompost
- Verband deutscher Wildsamen- Wildpflanzenproduzenten
- Hornmist und Ackerschachtelhalm jetzt auf Beete ausbringen
- Flugzeiten von Lauchmotte, Lauchminierfliege und Thrips
- Kürbisse nicht auf den Kompost pflanzen
- Klee auf Gartenwege säen
- Aussaat- und Pflanzzeiten im März und April (nicht im Internet)
März

Wunderschöner grün
schillernder Rosenkäfer
Foto: I. Mühlberger
Der starke Frost von Ende Dezember bis Mitte Januar hat meinem WLinks: Sommertrieb, rechts: Sporentrieb vom Acker-Schachtelhalmintergemüse im Freiland ziemlich zugesetzt. Der Lauch bekam bei -17 Grad sogar weiße Außenblätter. Beim Feldsalat im Frühbeet beobachtete ich ein Phänomen. In der Kälte waren nahezu alle Blätter ganz schlapp geworden und hatten sich dunkelgrau verfärbt. Erstaunlicherweise richteten sich die Pflanzen nach ein paar Tagen mit Temperaturen über Null Grad wieder auf. Die Blätter strahlten mich im schönsten Dunkelgrün an. Wahrscheinlich hatte der Feldsalat im festgefrorenen Boden unter Wassermangel gelitten.

Oben: Maikäferlarven
Unten: Engerlinge des Rosenkäfers
Foto:www.wikipedia.de
Wenn der Boden nicht mehr gefroren ist, bringe ich reifen biologisch-dynamischen Kompost auf die Beete aus. Er liefert für die Schwach- und Mittelzehrer wertvollen Dünger. Sehr häufig entdecke ich dabei in meinem Komposthaufen dicke, weiße, bogenförmig gekrümmte Engerlinge mit dunklem Hinterteil. Sie ähneln sehr Maikäferlarven. Bei den gefundenen handelt es sich jedoch um die
Engerlinge des wunderschönen Rosenkäfers.
Er ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Seine Larven ernähren sich hauptsächlich von abgestorbenen Pflanzen, die grün schillernden Käfer von Nektar. Die Larven leben mehrere Jahre in moderndem Holz oder eben im Komposthaufen. Wer sich bei der Bestimmung nicht ganz sicher ist, sollte den Engerling auf eine ebene Unterlage legen. Der vom Rosenkäfer streckt seine kurzen Beinchen in die Höhe und kriecht auf dem Rücken davon. Maikäferlarven robben seitwärts, die des Junikäfers krabbeln auf ihren Füßen in Sicherheit.
Für eine neue Wildblumenwiese beginnt jetzt die beste Aussaatzeit (siehe GR 5/2002). Die meisten Saatgutfirmen geben nur selten an, woher ihr Saatgut stammt. Oft kommt es aus dem Ausland und/oder es sind Zuchtformen. Um die regionale Flora nicht zu verfälschen und aus anderen Naturschutzgründen sollte nur Saat- und Pflanzgut aus der Region gewählt werden.
Der Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten gibt ein Zertifikat heraus, dass die Bereiche Sammlung, Produktion, Qualität und Handel mit gebietseigenem Saatgut regelt und kontrolliert. Ein kleiner Teil davon stammt aus Bioanbau. Das Bundesamt für Naturschutz hat die Entwicklung des Zertifikats unterstützt. Die Einhaltung der Vorgaben wird jährlich durch die Kontrollstelle ABCert überprüft. Eine unabhängige Kommission aus Wissenschaft, Verwaltung und Naturschutz erteilt anhand der Prüfergebnisse die Berechtigung zur Führung des Siegels "
VWW-Regiosaaten". Nicht alle Mitglieder des VWW führen das Siegel, da sie nur geringe Mengen Saatund Pflanzgut vertreiben. Das heißt, für sie wären die Kosten der Zertifizierung zu hoch. Diese Betriebe halten sich jedoch an die Satzung des VWW. Ein zertifiziertes Mitglied ist zum Beispiel die schon mehrfach im GR erwähnte Wildblumensaatgutfirma Rieger-Hofmann aus Blaufelden. Weitere Infos:
VWW, Wetzlarer Str. 11,
35581 Wetzlar-Münchholzhausen,
Tel. 06441/2093641, Fax 5693779,
www.natur-im-vww.de
April

Links: Sommertrieb, rechts: Sporentrieb vom Acker-Schachtelhalm
Ist der Boden genügend erwärmt, verteile ich mit einem Handfeger nachmittags grobtropfig
Hornmist auf meine Beete, Wiese und um Bäume und Sträucher. Das Bio-Dynamische Präparat fördert nachweislich das Bodenleben, den Humusaufbau und regt das Wurzelwachstum an. Etwa fünf Gramm trockenen Hornmist (ca. 40 gr. frischen) gebe ich in fünf Liter warmes Regenwasser und rühre eine Stunde lang mit wechselnder Drehrichtung. Der Boden darf beim Ausbringen auf keinen Fall gefroren sein, da das Präparat sonst nicht wirkt. Mitglieder von Demeter-Gartengruppen erhalten einmal jährlich alle Bio-Dynamischen Präparate kostenlos.
Etwa zur gleichen Zeit spritze ich vorbeugend gegen Pilzkrankheiten AckerSchachtelhalm (Equisetum arvense) auf die Beete und früh wachsende Kulturen. Aus Zeitgründen verwende ich Schachtelhalmextrakt aus dem Gartenmarkt. Man kann aber auch 100 gr. frisches Ackerschachtelhalmkraut in fünf Liter Wasser 24 Stunden lang einweichen und anschließend mindestens 30 Minuten kochen. Unverdünnt anwenden. Es gibt verschiedene andere Schachtelhalm-Arten, die mit dem Acker-Schachtelhalm verwechselt werden können. Aber nur er hat so eine gute Wirkung.
Immer wieder höre ich von Lesern, dass sie Kürbisse gerne auf den Kompost pflanzen, da sie dort besonders gut wachsen würden. Das stimmt einerseits. Andererseits entziehen Kürbisse, genauso wie Zucchini oder Kartoffeln dem Kompost viele Nährstoffe. Wenn er dann auf die Beete verteilt wird, führt er dem Boden zwar noch wichtigen Humus zu, aber kaum mehr Nährstoffe. Wer den Kompost als Dünger benutzt, sollte besser kein Gemüse darauf pflanzen. Besser ist es, die Kürbisse nahe am Fuß des Komposthaufens zu setzen. Sie finden dort genügend Nährstoffe und die Triebe können den Kompost beschatten.
Einen interessanten Gartentipp fand ich im Rundbrief der AG für bio-dynamischen Landbau Offenburg. Die breiteren Wege zwischen den Beeten müssen nicht unbewachsen bleiben. Familie Kühnle aus Ihringen sät deshalb Klee in die Wege ein. Er wächst rasch und kann bei Bedarf geschnitten werden. Klee sammelt wertvollen Stickstoff für die Kulturen auf den angrenzenden Beeten, wenn mit dem Mähgut gemulcht wird. Er sorgt auch dafür, dass der Boden nicht so stark verdichtet. Klee ist relativ trittfest und richtet sich nach dem Begehen bald wieder auf. Im Herbst kann er einfach untergegraben werden. Am besten niedrig wachsenden Weißklee nehmen. Blühende Wege wegen der Bienen vorsichtig betreten oder öfters mähen.

Rote Tönnchen der Lauchminierfliege,
Foto: I. Mühlberger
Meine Lauchbeete muss ich seit mehreren Jahren mit dünnmaschigen Netzen schützen (höchstens 0,8 x 0,8 mm). Leider ist es auch in meiner Region anders kaum mehr möglich, gesunden Lauch heranzuziehen.
Lauchmotte und -minierfliege fliegen in der Dämmerung und in der ersten Nachthälfte. Deshalb hacke ich tagsüber und decke die Beete danach gleich wieder ab. Die unterschiedlichen Flugzeiten der Tiere haben Profi-Gärtner in einer Tabelle zusammengefasst. Am ehesten kann der Lauch von Anfang Juni bis Mitte Juli unbedeckt bleiben, da die Thripsinvasion erst mit der Getreideernte kommt. Alle Flugzeiten können je nach Region und Jahr stark abweichen. Im warmen Jahren kann die Lauchmotte sogar in drei Generationen auftreten.

La Luna Kräuter mit intensivem Aroma
von Iris Mühlberger

Foto: R. Beiser
In der sonnigen Rheinebene sitzt die "La Luna Kräutermanufaktur" von Rudi Beiser. Es ist ein Ein-Mann-Betrieb. Der Kräuteranbauer beschäftigt sich seit fast dreißig Jahren mit Heilpflanzen. Auch im Gartenrundbrief hat er schon mehrere Artikel über Kräuter veröffentlicht. Rudi Beiser war mit der Aroma-, Duft- und Farbqualität der handelsüblichen Kräuter nie zufrieden. So fasste er den Entschluss, seine Garten- und Sammelerfahrungen mit Kräutern zum Beruf zu machen. 1993 begann er mit dem Demeter-Kräuteranbau auf einer größeren Fläche. Heute sind es 23 Ar. Inzwischen produzieren mehrere Bio-Betriebe nach seinen Vorstellungen Kräuter in Spitzenqualität. Ein Drittel davon kommt von der La Luna Kräutermanufaktur. Die Bio-Dynamischen Präparate sind für Rudi Beiser unverzichtbar. Sie fördern, nach seinen Erfahrungen, besonders Aroma und Qualität der Kräuter.

Rudi Beiser bei der Ernte von Königskerzenblüten
Foto: R. Beiser
Außerdem nutzt er den von ihm als optimal herausgefundenen Erntezeitpunkt. Er hat einen großen Einfluss auf Wirkstoff- und Aromagehalt der Pflanzen, denn die Inhaltsstoffe unterliegen jahreszeitlichen und tageszeitlichen Schwankungen. Rudi Beiser pflanzt die Kräuter sorgfältig mit der Hand, pflegt, erntet und verarbeitet sie sehr schonend - in erster Linie zu Teemischungen. Beim Trocknungsprozess achtet er auf schonende Temperaturen, damit Duft und Farbe der Pflanzen erhalten bleiben. Keine Maschinen schneiden, quetschen oder zerkleinern die Kräuter. So bleiben die wichtigen Inhaltsstoffe der Blüten und Blätter erhalten. Erst bei der Tee-Zubereitung werden sie verrieben. So entsteht ein außergewöhnlich aromatischer und wirkstoffreicher Tee. Der Verkauf findet nur über den Versandhandel und in regionalen Läden statt.
Das La Luna Kräuterbuch – Band 1
von Iris Mühlberger

Dieses Kräuterbuch von Rudi Beiser begeistert mich besonders. Wie in einem spannenden Roman beschreibt er die Erlebnisse mit seinen Kräutern. In Band 1 beschäftigt er sich auf 216 Seiten vor allem mit der Frage: "Was muss beachtet werden, um in der selbst geernteten Heilpflanze ein Höchstmaß an Aroma und Wirkstoffen zu erhalten?" Rudi Beiser schreibt zum Beispiel, dass bei Basilikum immer wieder der Fehler gemacht würde, vor der Blütezeit zu ernten. Während der Vollblüte entwickelte sich jedoch in allen Pflanzenteilen das intensivste und feinste Aroma. Die dekorativen Blüten brächten Duft und Farbe an die Speisen und würden mit verwendet. Der Kräuteranbauer empfiehlt dazu Blattkräuter wie Minze, Melisse oder Salbei zwischen 13.00 und 14.00 Uhr zu ernten. Zu dieser Uhrzeit hätten sie ihren größten Gehalt an ätherischen Ölen. Das gelte im Prinzip auch für Blüten von Kräutern wie Kamille, Lavendel, Rose oder Schafgarbe. Jedoch empfiehlt Rudi Beiser sie nicht in der vollen Sonne zu ernten, da die ätherischen Öle auch eine Kühlfunktion hätten. Sie verdunsten in großer Mittagshitze, um die Pflanze zu kühlen. Deshalb brächten etwas kühlere, bewölkte Tage hier ein besseres Ernteergebnis. Rudi Beiser stellt zehn Heilpflanzen sehr ausführlich, mit tiefen Einblicken in Geschichte, Brauchtum, Botanik, Pharmakologie und Heilanwendung, vor. Spezielle Anbauhinweise für den Garten, sowie zahlreiche Rezepte und Pflanzenfotos runden die einzigartigen Pflanzenbeschreibungen ab. Besonders gut gefällt mir die Beschreibung des Umgangs mit den Pflanzen in der La Luna Kräutermanufaktur. Rudi Beiser erntet nicht nur um des Ertrags willen, sondern er nimmt die Pflanzen als Wesen wahr und achtet sie auf seine Weise: "Ich begreife die Pflanzen nicht als seelenlose Nutzpflanzen, die nur Rohstoffe liefern. Sie sind lebendige Mitgeschöpfe und der Umgang mit ihnen hat durchaus eine spirituelle Dimension. Es ist unglaublich, was uns die Pflanzen alles geben. Deshalb bedanke ich mich auch bei allen Pflanzen, die ich für Heilzwecke nutze. Achtung und Dankbarkeit gelten für mich als unverzichtbar, wenn die Heilpflanze wirksam sein soll." Das Buch ist für 22,50 € direkt beim Autor erhältlich:
La Luna Kräutermanufaktur Rudi Beiser,
Herrenstr. 12, 77948 Friesenheim-
Schuttern, Tel/Fax 07821/997761,
www.lalunakraeuter.de