Arbeitskalender Juli/August
von Iris Mühlberger
- Online-Shop von Bingenheimer Saatgut AG
- Ackerschachtelhalm spritzen
- Zwiebelhalsfäule
- Bio-Dynamischen Hornkiesel ausbringen
- Glühwürmchen sind sehr nützlich
- Aufbewahrung von Gemüse und Obst
- Internettipps
- Aussaat- und Pflanzzeiten im Juli und August (nicht im Internet)
Juli
Wie jedes Jahr freue ich mich besonders über die ersten eigenen Tomaten. Es sind natürlich die geschmackvollsten überhaupt. Die Ernte der Paradiesfrüchte tröstet mich immer über so manches Gartenschicksal hinweg. So wie dieses Jahr: am 4. Mai hatten wir in unserer hohenlohisch sibirischen Lage nachts Frost um -4 Grad. Angesagt waren wie so oft Plusgrade, außer im Allgäu und Schwarzwald! Mein liebevoll seit vier Jahren aufgepäppelter Walnussbaum nahm die kalte Nacht sehr übel. Alle jungen Triebe verfärbten sich schwarz. Ich bin froh, dass der Baum später aus den nachfolgenden Knospen neu ausgetrieben hat. In der kalten Nacht sind dazu die ersten Blätter der Frühkartoffeln verfroren und alle Johannisbeersträucher haben die meisten ihrer wunderbar angesetzten Beeren abgeworfen.
Noch sind viele Gemüseaussaaten möglich. Seit neuestem kann Demeter- und Bio-Saatgut in einem Online-Shop unter der Internetadresse www.bingenheimersaatgut.de bestellt werden. Mir gefällt besonders die gute Übersichtlichkeit und ausführlichen Sorteninformationen mit Aussaat- und Erntetabellen. Die redaktionellen Beiträge aus dem Bingenheimer Katalog stehen ebenfalls im Netz.
In der ersten Julihälfte spritze ich noch einmal Ackerschachtelhalm auf Boden und alle Kulturen. Zeigen sich schon Schäden durch Pilzkrankheiten wie Mehltau, sollte die Behandlung an drei aufeinanderfolgenden Tagen wiederholt werden. Ich benutze fertiges Schachtelhalmextrakt von den Firmen Oscorna oder Neudorff aus dem Gartenmarkt.

Braune Ränder durch die Zwiebelhalsfäule
Foto: Nadine Liebig
Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, als es sehr einfach war, Zwiebeln und Lauch im Garten anzubauen. Heute gelingt es mir nicht mehr jedes Jahr, da entweder die Lauchminierfliege das Gemüse faulen lässt oder es durch Pilze später im Lager weich wird. Ein Grund dafür kann bei Zwiebeln die
Zwiebelhalsfäule sein. Entscheidend für gesunde Lagerzwiebeln sind vor allem trockene Witterung zur Abreife, optimaler Erntezeitpunkt und eine gute Nach trocknung. Warmes und sehr feuchtes Wetter begünstigen die Vermehrung des Pilzes. Nach einigen Wochen im Lager können sich weiche, eingesunkene Stellen um den Zwiebelhals bilden. Beim Aufschneiden der Knolle zeigen sich dann braune Verfärbungen, später auch das graue Pilzgeflecht. Von ihm gehen weitere Infektionen auf gesunde Zwiebeln aus. Wenn in feuchten Jahren rechtzeitig geerntet wird, kann das Einwandern der Erreger deutlich verringert werden. Das heißt, das Laub sollte noch nicht ganz abgestorben sein und bei warmer, trockener Witterung schnell auf dem Beet weiter eintrocknen können. Sollte es regnen, können die Zwiebeln flach ausgebreitet in einem gut belüfteten Frühbeet oder Gewächshaus nachtrocknen. Die spätere Lagerung sollte in trockenen Räumen stattfinden.
Jetzt ist für mich der richtige Zeitpunkt das Bio-Dynamische Hornkieselpräparat auszubringen. Es fördert die Blatt-, Blüten- und Fruchtbildung der Pflanzen, macht sie widerstandsfähiger gegen Pilzkrankheiten und beschleunigt ihr Ausreifen. Das Präparat wird erst ausgebracht, wenn die Pflanze richtig im wachsen ist und die Fruchtbildung erkennbar wird: Möhrenwurzel wird rötlich, Tomaten sind haselnussgroß, Herzblätter vom Salat oder Kohl drehen sich. Hornkiesel wird am frühen Vormittag bei sonnigem Wetter gespritzt. Wie es genau geht, kann im GR 4/2008 nachgelesen werden. Buchtipps zum Ausbringen der Demeter-Präparate gibt es hier im Internet unter Biogarten → Buchtipps.
August

Die weibliche Larve des Großen Glühwürmchens verspeist eine Gehäuseschnecke
Foto: Wikipedia
Da ich in meinem Garten der Natur noch viel freien Lauf lasse, tanzen in warmen Sommernächten Unmengen von kleinen Irrlichtern über dem Boden. Es sind Glühwürmchen, die Hochzeit halten. Dieses wunderbare Schauspiel der nützlichen Leuchtkäfer ist nicht mehr allzu häufig zu beobachten. Ihre Larven ernähren sich von Schnecken. Glühwürmchen sind auf intakte, naturnahe Landschaften und kalkhaltige Böden angewiesen. Die Geschlechter finden ausschließlich über Lichtsignale zueinander. Beim
Großen Glühwürmchen oder Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca) leuchten nur die Weibchen sehr intensiv von einer festen Position aus. Blinken bewegliche Lichter, sind das beide Geschlechter des selteneren
Kleinen Leuchtkäfers oder Johanniswürmchens (Lamprohiza splendidula). Bei beiden Leuchtkäfern sehen die Weibchen wie eine Larve aus, die Männchen wie ein Käfer.

Männchen des Großen Glühwürmchens
Foto: Wikipedia
In den durchsichtigen, zweischichtigen Leuchtplatten an der Bauchseite des Hinterleibes findet eine biochemische Reaktion statt, bei der die freiwerdende Energie nahezu hundert Prozent (%) in Licht umgewandelt wird. Die untere Kristallschicht schirmt dabei das Körperinnere ab, die obere Leuchtschicht reflektiert das Licht. Keine künstliche Lichtquelle hat einen so hohen Wirkungsgrad. Zum Vergleich: eine Glühbirne hat rund 5 %, Energiesparlampe etwa 25 %. Ein Infoblatt über Glühwürmchen gibt es auf
www.gluehwuermchen.ch.
Am liebsten ernte ich mein Gemüse und Obst direkt vor dem Zubereiten, da es dann die meisten Vitamine hat. Doch nicht immer ist dies möglich, da die Beete für Nachkulturen frei werden müssen. Die Abtei Fulda gibt praktische Tipps zum richtigen Aufbewahren von Gemüse und Obst in ihrem Heft "Winke". Früchte sollten nach der Ernte an heißen Tagen zuerst eine halbe Stunde bei Zimmertemperatur liegen. Danach werden sie unbedeckt im Kühlschrank vorgekühlt, damit sich kein Wärmestau bildet. Später werden sie in einem perforierten Frischhaltebeutel oder einer mit Folie bedeckten Schüssel aufbewahrt. Äpfel sollen sich besonders gut halten, wenn sie in einen fest verschlossenen, perforierten, Frischhaltebeutel in den Kühlschrank gelegt werden. Für 2,5 kg reiche ein Loch, damit die Kohlensäure entweichen kann. Auberginen, Bohnen, Gurken, Melonen, Paprika und Zucchini sind kälteempfindlich (ideale Lagertemperatur sieben bis zehn Grad). Sie sollten nur im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahrt werden – unverpackt oder in unverschlossenen Beuteln. Ungewaschen kommen Artischocken, Brokkoli, Kohlrabi, Mais, Lauch, Salat und Kohl in nicht luftdicht verpackte Beutel ins Gemüsefach. Meerrettich, Möhren, Radieschen, Rettich, Rote Bete und Sellerie empfiehlt die Abtei Fulda gewaschen und trocken in perforierte Beutel zu legen, weil sie ungewaschen Erdgeruch verbreiten könnten. Birnen behielten ihr volles Aroma nur außerhalb des Kühlschranks.

Zum Schluss noch zwei interessante Internettipps:
- Auf www.selbstversorger.de können vier unterschiedliche Samen-Tütchen zum selber basteln heruntergeladen werden.
- Suchmaschinen brauchen sehr viel Energie und sind schädlich fürs Klima. Jetzt gibt es eine ökologisch orientierte kostenlose Suchmaschine, mit der man pro Suche 0,1 m2 Regenwald retten kann: www.forestle.org.
Sie kann ganz einfach in die Suchleiste des Browsers eingebaut werden. Bisher hat Forestle rund 500.000 m2 Regenwald retten können, was monatlich mit Belegen nachgewiesen wird. Gleichzeitig wird die gesamte CO2-Emmission, die Forestle verursacht, durch den Kauf von Zertifikaten für erneuerbare Energien wieder ausgeglichen.
Die Bienenwohnung – Teil 1
von Imkermeister Thomas Radetzki

Ausgezogener Bienenschwarm
Foto: T. Radetzki
Mit diesem Artikel beginnt eine Serie von Beiträgen über Bienenwohnungen. Es werden traditionelle Wohnungen, auch Bienenkörbe, behandelt und mit modernen Beutensystemen verglichen. “Beute“ ist für den Imker ein Synonym für “Bienenwohnung“. Der Autor ist Demeter-Imker und Vorstand bei Mellifera e.V. (
www.mellifera.de).
Verwirrende Vielfalt
Die Bienenwohnung ist aus Sicht des Imkers das wichtigste Betriebsmittel seiner Imkerei. Für das Lebewesen Bienenvolk ist sie die Haut, ein wichtiges Organ mit vielen Aufgaben. Bis zum Siegeszug der amerikanischen Magazin-Imkerei in den achtziger Jahren hatte sich im deutschsprachigen Raum eine verwirrende Vielfalt an Bienenkästen entwickelt. Da viele der Kastensysteme in unterschiedlichen Maßen gebaut wurden, war eine noch unüberschaubarere Zahl von Wabenrähmchen die Folge. Man sprach zu Recht von der deutschen Erfinderitis, einem Tüftlerleben des Imkers. Der Streit um die beste Wohnung nahm zum Teil groteske Züge an. Zu den Motiven gehörte entweder alles erdenklich Gute für die geliebten Immen zu tun oder den maximalen Ertrag bei geringstem Einsatz an Arbeitszeit ernten zu wollen. Und bis heute gibt es immer noch Unverbesserliche, die beides zu verbinden suchen. Dazu zählt in gewissem Sinne auch der Verein Mellifera.
Nicht alle Honigbienen brauchen eine Wohnung
Von weltweit sieben Arten sind nur zwei auf Baum- oder Felshöhlen zum Nisten angewiesen, die Westliche Honigbiene (apis mellifera) und die Östliche Honigbiene (apis cerana). Die Mellifera Biene ist mit vielen geographisch geprägten Rassen in ganz Afrika und Europa bis hin zum Vorderen Orient verbreitet. Bienen der Cerana Gruppe kommen im gesamten asiatischen Raum vor, bis hin in die Mandschurei und nach Ostsibirien. Heute bevölkern Mellifera Bienen ganz Nord- und Südamerika. Dort gab es ursprünglich keine Honigbienen, sondern nur Meliponen, die zwar stachellose Bienen genannt werden, aber genauso wenig wie Hummeln oder Wespen zur Gattung der Bienen gehören. Die anderen fünf Arten der Honigbienen leben alle in Südostasien und nisten im Freien auf nur einer Wabe. Solch eine Wabe, sei es die von der Riesenhonigbiene (apis dorsata), von der Zwerghonigbiene (apis florea) oder von den unbekannteren Arten, hängt in Felsnischen, an starken Baumästen oder an Gebäudevorsprüngen.

Ein Pelz aus Zwerghonigbienen (apis florea) schützt das Nest
Ausgezogener Bienenschwarm
Foto: Wikipedia
Der Brutbereich dieser Wabe wird mit einem dichten Pelz aus Bienen gegen Sonneneinstrahlung oder Kälte geschützt. So sind sie durchaus in der Lage auch in kühlere Regionen oder größere Höhenlagen vorzudringen. Apis cerana und apis mellifera leben in Hohlräumen, die ihnen nicht nur die Wärmeregulierung erleichtern, sondern auch Schutz vor Vögeln, Bären und anderen Räubern bieten. Die Völker der westlichen Mellifera Biene werden etwa dreimal so groß wie die der östlichen Cerana Biene, sowohl bezüglich der Anzahl der Bienen pro Volk, als auch der Größe des Wabenwerkes. Das Wabenwerk ist ein Korpus aus weitgehend parallel verlaufenden Waben, der im Verlauf der Volksentwicklung von der Decke des Hohlraumes herunter wächst. Die Waben bestehen aus vielen sechsflächigen Zellen mit vielfältiger Verwendung: Honig und Pollenvorräte werden darin abgelagert und die Königin legt ihre Eier in die Brutzellen. Aus den Eiern schlüpfen Bienenmaden, die intensiv gefüttert werden, sich dann verpuppen und die ihre Metamorphose zur erwachsenen Biene (Imago) durchmachen. All dies geschieht im verborgenen Dunkel des Bienenstockes und braucht Schutz.

Riesenhonigbienen (apis dorsata) um ihren Brutbereich
Foto: Wikipedia
Die natürliche Besiedlung ist bemerkenswert
Nachdem ein Bienenschwarm aus seinem Muttervolk ausgezogen ist, sammelt er sich sogleich an einem Ast, oder – was in den Städten immer wieder zu Aufregungen führt - an einer Verkehrsampel oder Ähnlichem. Von dort aus erkunden Spurbienen alle Hohlräume in einem großen Umkreis. Es findet nicht nur eine Kommunikation über deren Lage statt; man kann wirklich von einem Prozess der Urteilsbildung innerhalb der Spurbienen sprechen. Durch Tänze, ähnlich denen bei der Nahrungssuche, verständigen sie sich über die Lage und Qualität der in Betracht kommenden Wohnplätze. Intensiv beworbene Vorschläge werden von allen Spurbienen besucht. Wenn dann alle Tänze auf denselben Hohlraum weisen, löst sich der ganze Schwarm von der Anlegestelle und fliegt dorthin. Natürlich siedelnde Völker sind bei uns kaum noch zu beobachten. Zum einen sind sie gut versteckt, zum anderen sterben sie bald wegen des Befalls mit Varroa-Milben oder verhungern durch Trachtmangel. Manchmal wird ein natürlicher Wabenbau im Forst beim Fällen alter hohler Bäume oder in einem hohlen Fußboden oder Mauerwerk gefunden. Solche Hohlräume sind jedoch rar. Der Mangel an Angeboten kann im Ausnahmefall dazu führen, dass sogar unsere westliche Honigbiene ihre Waben im Freien baut.
Im Teil 2 wird es um die bisher bekannten Maßstäbe der Spurbienen gehen.