Arbeitskalender September/November
von Iris Mühlberger
- Kühle Nächte schaden südländischen Gemüse
- Mangelsymptom Chlorose
- Öko-Blumenzwiebeln
- Bio-Dynamischen Hornkiesel nachmittags ausbringen
- Stippigkeit bei Äpfeln
- Beste Lagertemperaturen für Gemüse
- Laubsauger und -bläser vernichten Lebensräume
- Umgraben - ja oder nein
- Aussaat- und Pflanzzeiten im September und Oktober (nicht im Internet)
September
Mir macht gärtnern wirklich viel Freude. Doch dieses Jahr ist es hier in Hohenlohe eine richtig anstrengende, arbeitsaufwendige Kunst. In den sehr kühlen Nächten kletterte das Thermometer sogar im Juli nur selten über zehn Grad. Das haben besonders die Südländer nicht gut vertragen. Um die Wärmeprozesse im Boden anzuregen, habe ich sie mit dem biologisch-dynamischen Baldrianblütenextrakt (GR 2/2008) gegossen. Ich gebe davon 150 bis 200 ml in eine Tonne mit 200 Liter Regenwasser. Sie ist zum bequemen Gießen an eine Gartenpumpe mit Schlauch angeschlossen. Erfreulicheres gibt es aus meinem Naturgarten zu berichten. Die Wildsträucher wachsen immer dichter zusammen und viele Wildblumen bilden bunte Teppiche. Dadurch leben auch immer mehr Schmetterlinge, Wildbienen, Marienkäfer und andere Nützlinge in meinem wilden Paradies. Besonders freute ich mich dieses Jahr über verschiedene Bläulinge, Widderchen und einen Schwalbenschwanz, der direkt vor meinen Augen seine Eier ablegte. Die Entwicklung eines der Eier zur Raupe habe ich in einer Fotoserie festgehalten.
Chlorose an Wildrose: Typisch sind die dunkelgrünen Blattadern auf blassgrünen bis gelblichen Blättern
Foto: Iris MühlbergerWitterungsbedingt traten dieses Jahr besonders
Mangelsymptome, zum Beispiel Chlorose, auf. Auch in meinem Garten fand ich immer wieder gelbe bis fast weiße Blätter unter anderem bei Rosen, Erdbeeren, Himbeeren oder Sonnenhut. „In unseren Regionen ist die Eisenmangel-Chlorose am häufigsten“, berichtet die Gartenakademie Rheinland-Pfalz (GA). Sie beginne an den jüngsten Blättern und greife später auf die älteren über, die dann vorzeitig abfallen könnten. Dies schwäche die Pflanzen. Sie würden krankheitsanfälliger, frostempfindlicher und blühten schlechter. Die Gelbfärbung sei die Folge einer schlechten Ausbildung oder Zerstörung des Blattgrüns (Chlorophyll-Effekt) aufgrund eines Eisenmangels in den Blättern. Obwohl in den Böden meist genügend Eisen vorhanden sei, würde es beispielsweise durch hohen Kalk (hoher pH-Wert) oder Phosphorgehalt festgelegt und könne dann von den Pflanzen nicht ausreichend aufgenommen werden. Doch auch Störungen im Nährstoffverhältnis (Kali-/Stickstoffmangel) oder feste, verdichtete Böden können zu Chlorosen führen. Sie könnten mittelfristig durch eine flache Bodenlockerung und Mulchen vermindert werden. Als Sofortmaßnahmen empfiehlt die GA Behandlungen mit speziellen eisenhaltigen Düngern, wie “Compo Fetrilon 13%“ aus dem Gartenmarkt.
www.gartenakademie.rlp.de
Jetzt ist die beste Zeit, Öko-Blumenzwiebeln zu stecken. Bei ihnen werden weder Herbizide, Kunstdünger noch Pflanzenschutzmittel angewendet. Da weniger Zwiebeln auf der Fläche wachsen als im konventionellen Anbau und mit der Hand gejätet wird, sind sie etwas teurer. Adressen von Anbietern gibt es hier auf www.gartenrundbrief.de (Der Biogarten).
Zur Reifezeit von Obst und Gemüse spritze ich das biologisch-dynamische Hornkieselpräparat auch nachmittags (Anleitung im GR 4/2008). Dies ist besonders bei Wurzelgemüse und Obstgehölzen zur besseren Ausreifung empfehlenswert. Wer sich näher über die Demeter-Präparate informieren möchte, kann dies bei folgendem Herbstkurs tun:
18. und 19. September im Brunnenhof,
74653 Künzelsau-Mäusdorf
Themen unter anderem: Einführung in die Präparate, praktische Herstellung, Anwendungen und Wirkungen. Kosten: 150,– € oder nach Vereinbarung. Anmeldung bei der
CvW KG, Bio-Dynamische Präparatezentrale,
Tel. 07940/2230, Fax 4911,
c.v.wistinghausen@t-online.de

Apfel mit Stippe
Foto: WikipediaEs ist Apfelsaison. Viele stecknadelkopfgroße braune Flecken, vor allem unter der Schale, deuten auf
Stippigkeit hin. Ursache ist meistens Kalziummangel. Dieser tritt wetterbedingt in manchen Jahren verstärkt auf. Als besonders anfällig gelten die Sorten Boskoop, Cox Orange, Goldparmäne, Gravensteiner und Jonagold, aber auch andere können betroffen sein. Stippige Äpfel können bedenkenlos verzehrt werden. Die Symptome verstärken sich jedoch bei der Lagerung. Dann wird das Fruchtfleisch auch im Geschmack bitter. Stippige Äpfel sollten daher bald verwertet werden, zum Beispiel zu Apfelmus, dass eingekocht oder portionsweise eingefroren wird.
Oktober
Nach Tipps zum Aufbewahren von Gemüse im letzten Gartenrundbrief, folgen jetzt die besten Lagertemperaturen, zusammengestellt von den Profi Bio-Gärtnern. Die meisten Gemüsearten wie Salate, Möhren, Kohl, Lauch, Sellerie, Fenchel, Spinat, Pilze, Kräuter (außer Basilikum) würden Lagertemperaturen von 0,5 bis ein Grad gut vertragen und sind so auch am längsten haltbar. Für eine kurzfristige Aufbewahrung von einigen Tagen reichten auch vier bis acht Grad. Mikrobiologisch und physiologisch bedingte Verluste würden in diesem Temperaturbereich schon stark eingeschränkt. Um Kälteschäden zu vermeiden benötigten folgende Gemüsearten jedoch höhere Lagertemperaturen:
| Gemüseart | Mindesttemperatur in Grad |
| Basilikum | 10 besser 12 |
| Bohnen | 4 |
| Gurken | 10 - 12 |
| Kürbis | 12 |
| Melonen | 7 - 10 |
| Wasser-Melonen | 5 |
| Reife Zucker-Melonen | 2-3 |
| Tomaten: grünreife, orangefarbene | 13 |
| Tomaten: hellrote, Kirsch, Longlife | 10 - 13 |
| Tomaten: rote normalfrüchtige | 8 - 10 |
| Paprika | 4 - 10 |
| Zucchini | 6 - 10 |
Quelle: BÖG Infofax

Laubsauger zerstören Lebensräume
Foto: WikipediaHerbstzeit ist Laubzeit. Der Naturschutzbund NABU rät davon ab, motorbetriebene
Laubsauger oder Laubbläser zu benutzen. Diese High-Tech-Geräte vernichteten den Lebensraum vieler nützlicher Kleintiere. Für den Sog würden Luftgeschwindigkeiten bis zu 160 Stundenkilometern und Saugleistungen von etwa zehn Kubikmeter pro Minute erzeugt. Diesem Turbo-Saugstrom könnten sich Käfer, Spinnen, Tausendfüßer, Asseln oder Amphibien kaum widersetzen.
Bei Laubsauggeräten mit Häckselfunktion würden sie dazu noch zerstückelt. Auch für Igel und ihre Jungen seien diese modernen Luftbesen lebensbedrohlich. Laubbläser verschonten die Tiere nur vordergründig. Denn sie vernichteten radikal deren Lebensraum. Beide Geräte stießen darüber hinaus gesundheitsschädliche Abgase aus. Der NABU appelliert deshalb, unter Sträuchern und Bäumen das Laub liegenzulassen. Hier störe es nicht und biete den Tieren genügend Lebensraum.

Ein mit der Grabgabel gelockertes Beet wird mit Grasschnitt in den Winter geschickt
Foto: Iris MühlbergerJedes Jahr überlege ich mir von neuem, ob ich
umgraben soll oder nicht. Die letzten Jahre habe ich nur mit der Grabgabel den Boden gelockert und danach die meisten Beete mit einer Mulchschicht aus dem letzten Gras-/Wiesenschnitt in den Winter geschickt. Das war recht erfolgreich. Im Frühjahr kam unter dem Mulch ein schöner, feinkrümeliger Boden zum Vorschein. Dass sich bei dieser Methode die Schnecken vermehren, kann ich nicht bestätigen. Schwere Lehmböden sollten ab und zu umgegraben werden. Dazu sind regelmäßige Gaben von bio-dynamischen Kompost oder kompostierten Demeter-Mist und die Einsaat von Gründüngung wichtig.

Schonendes Umgraben mit der Grabgabel
Foto: Peter Berg
Ich gebe außerdem einmal im Jahr Gesteinsmehl auf die Beete, um den Mineralienhaushalt aufzubessern. Wer umgräbt, sollte dies erst spät im Jahr tun, wenn sich bei niedrigen Temperaturen die Regenwürmer bereits in tiefere Bodenschichten zurückgezogen haben. Ist der Boden dabei sehr nass, wird gewartet, bis er leicht gefroren ist. Dies gilt natürlich auch für das Lockern mit der Grabgabel. Ansonsten entstehen so starke Verdichtungen, die durch eine normale Bodenbearbeitung nicht mehr beseitigt werden können.
Die Bienenwohnung - Teil 2
Text und Fotos von Imkermeister Thomas Radetzki

Ein früherer Hochstand in der Fischermühle. Der Laufsteg für den Imker lag auf der Rückseite. Das Dach war klappbar.
Foto: T. Radetzki
Bienen möblieren und tapezieren Ihre Wohnung selbst. Sie heizen, lüften und bewachen die Haustür. Sie nutzen ein Systemmöbel mit sechseckigen Fächern, in denen sie ihre Brut aufziehen, sowie Honig und Pollen lagern. Bienen sind dabei außerordentlich anpassungsfähig. Wenn sie jedoch eine Auswahl haben, werden deutliche Vorlieben festgestellt.
Die Wohnungssuche ist fester Bestandteil des Schwarmgeschehens, der einzigen von Mutter Natur vorgesehenen Methode der Geburt neuer Bienenvölker. Die Wahl einer angemessenen Unterkunft hängt entscheidend vom Beurteilungsvermögen und der Beharrlichkeit einer kleinen Gruppe Kundschafterinnen ab. Die Völker schwärmen im späten Frühjahr. An einem Ast oder anderen geeigneten Platz sammelt sich der Schwarm als dichte Traube um seine Königin. Bald schon fliegen ein paar hundert Kundschafterinnen (etwa fünf Prozent aller dort hängenden Bienen) in alle Himmelsrichtungen aus, um das Gelände abzusuchen. Dabei entfernen sie sich bis zu zehn Kilometer vom Ausgangsort. Bei den Kundschafterinnen handelt es sich um die ältesten Bienen des Schwarms, also um jene, die bereits für den ehemaligen Heimatstock Nahrung gesammelt haben und daher mit dessen Umgebung vertraut sind.

Betreuung von Bienen vor ca. 10.000 Jahren, Höhlenzeichnung in Spanien.
Bild: T. Radetzki Nach dem Vorbild in der Natur Bienenwohnungen geschaffen
Professor Thomas D. Seeley von der Cornell University (New York) hat sich als Sozio-Biologe jahrelang mit den Vorlieben der Honigbienen bei der Wohnungssuche beschäftigt. Zunächst untersuchte er 21 Nistplätze in hohlen Bäumen, die von frei siedelnden Bienenschwärmen genutzt wurden. Dabei wurde Höhe und Öffnung des Flugloches sowie Form und Rauminhalt der Höhle verglichen. Das Volumen eines typischen Nestes betrug etwa 45 Liter. Daraufhin fertigte Seeley künstliche Behausungen um die Vorlieben der Bienen zu ermitteln. So wurden zum Beispiel mehrere, nur im Volumen verschiedene Kästen, an einem Ort aufgestellt. Oder es wurden die gleichen Kästen an einem Ort in verschiedener Höhe angebracht. Vier Jahre nacheinander wurde etwa die Hälfte der 276 Kästen in den Wäldern von Ithaca besiedelt. Das war vor 1980, also vor der Ausbreitung der Varroa Milbe, als es noch eine große Zahl frei lebender Bienenvölker in diesen Wäldern gab. Was Prof. Seeley herausfand, ist in der Tabelle zusammengefasst.
| Eigenschaft | Wahl |
| Höhe des Flugloches über dem Boden | Über zwei Meter |
| Öffnung des Flugloches | Unter 50 cm2 |
| Position des Flugloches | Am Boden des Hohlraumes |
| Richtung des Flugloches | Nach Süden |
| Rauminhalt der Behausung | Zwischen 10 und 100 Liter |
| Waben | Vorhandene Waben sind positiv |
Experiment Hochstände
Als die Untersuchungen 1982 veröffentlicht wurden, haben sie uns in der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle veranlasst von 1986 bis 1994 Bienen auf Hochständen zu halten. Christian Rex hatte damit am Bodensee begonnen. In der Nähe der Fischermühle wurden auf drei unserer Bienenstände abenteuerliche Konstruktionen errichtet, die jeweils acht Völkern und einem schwindelfreien Imker Platz boten. Wir haben damals keine Unterschiede bei der Volksentwicklung oder dem Verhalten der Völker beobachtet. Allerdings hatten wir noch große Probleme bei der Behandlung der Varroa Milbe, die möglicherweise feinere Auswirkungen überdeckt haben. Wegen des hohen Aufwandes haben wir die Hochstände abgebaut, als nach einigen Jahren deren Pfosten in der Erde zu faulen begannen. Wir haben dies getan, obwohl dem gesunden Menschenverstand leicht nachvollziehbar ist, dass „Bienen keine Schnecken sind“, wie Maria Thun dieses Thema auf den Punkt brachte. Die moderne Aufstellung von Bienenwohnungen erfolgt wenige Zentimeter über der Erde. Das Klima dort, die Ausdünstungen der Erde sind nicht das, was unsere “Sonnenvögelein” eigentlich suchen.
Im Teil 3 wird es um weitere Forschungen von Prof. Seeley gehen.