5. Februar 2012
Aktueller Inhalt
Arbeitskalender November/Dezember
von Iris Mühlberger
- Bittere Zucchini
- Salat- und Spinatsaatgut gewinnen
- Universalöl Ballistol gegen Baumkrebs und Moos
- Blütezeit von empfindlichen Obstbäumen verzögern
- Rattenversuch mit Hybridmöhren und samenfesten Möhrensorten
- Saatguttauschbörse
- Aussaat- und Pflanzzeiten im November und Dezember (nicht im Internet)
November

Ein geschossener Salatkopf der Sorte ‘Maikönig’ kurz vor der Samenernte
Foto: I. MühlbergerImmer wieder erlebe ich in meinem Garten besondere Dinge. Vielleicht sollen mir einfach die Themen für den Gartenrundbrief nicht ausgehen. Im Frühjahr zog ich, wie jedes Jahr, eine Zucchinipflanze groß. Nach dem Auspflanzen ins Freie stockte sie erst durch die kalten Nächte im Mai, legte dann nach ein paar Wochen aber richtig los. Als ich die erste, reife Zucchini kostete, war die Enttäuschung groß: Sie schmeckte total bitter. Ich wartete auf die nächsten Früchte – alle waren ungenießbar. Danach erkundigte ich mich bei den Profis und erfuhr, dass es ab und zu Pflanzen gäbe, bei denen die Früchte vollkommen bitter schmeckten. Deshalb sollten die Vermehrer Zucchinis immer erst einem Geschmackstest unterziehen, bevor sie davon Samen nehmen. Ich hatte also Pech mit dem Saatgut. Erstaunlich war, dass die “Bittere“ besonders kräftig wuchs und sehr robust war. Da ich unbedingt eigene Zucchinis wollte, pflanzte ich am 31. Juli noch eine Jungpflanze von einer späten Aussaat meines Demeter-Gärtners. Das Experiment gelang und ich konnte ab Ende August noch bis zum Frost bitterfreie Zucchinis genießen.
Mein experimentierfreudiges Gartenjahr ging noch weiter. Ich versuchte das erste Mal eigenes Salatsaatgut zu gewinnen. Dazu lies ich vier schöne, spät schießende Pflanzen der frühen Kopfsalatsorte ‘Maikönig’, stehen. Es war sehr spannend, die Entwicklung der großen, etwa ein Meter hohen und 50 cm breiten doldenartigen Blütentriebe zu beobachten.
Nach einer recht langen Reifezeit, von Mai bis August, konnte ich endlich Samen ernten. Dabei war es wichtig, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, bevor sie der Regen ausspülen würde oder die reifenden Samenträger bei feuchter Witterung verpilzen. Da ich nur wenige Samen brauchte, habe ich nach und nach die unterschiedlich reifenden kleinen Blütenköpfchen mit der Hand einzeln zerrieben, um sie von Härchen und Blattresten zu befreien. Ich bin gespannt, wie keimfähig mein Saatgut sein wird, da es in der Literatur heißt, dass es bei Salaten einen großen Anteil an tauben Samen geben soll.
 Männliche Spinatpflanze in Blüte Foto: Wikipedia |
 Blüten und Samen der weiblichen Pflanze in den Blattachseln Foto: I. Mühlberger
|
Auch von der alten, sehr schmackhaften und zarten
Spinatsorte ‘Osnabrücker rundsamiger Münsterländer’ (
GR 5/2008) habe ich Samen gewonnen. Interessant dabei war für mich, dass es männliche und weibliche Pflanzen gibt (siehe Fotos unten), die unterschiedlich aussehen. Die männlichen Pflanzen blühen mit deutlichen Scheinähren vor den weiblichen und sterben auch vor ihnen ab. Samen bilden nur die weiblichen Pflanzen aus, bei denen die Blüten und Samen in den Blattachseln sitzen. Sind sie braungefärbt und trocken, können sie leicht abgenommen werden.
Vor langer Zeit (GR 6/2000) habe ich über das Waffen- und Universalöl Ballistol berichtet und seine hervorragende Eignung zur Pflege von Gartengeräten beschrieben. In einer aktuellen Pressemeldung der Firma F.W. Klever GmbH wird noch über andere Anwendungsmöglichkeiten berichtet. Für die Behandlung von Baumkrebs könne Ballistol direkt auf die befallenen Stellen aufgetragen werden. Das Pflegeöl desinfiziere und beschleunige die Heilung der Baumrinde. Auch frische Schnittstellen am Stamm könnten anstelle von Baumharz mit dem Universalöl gegen Fäulnis geschützt werden. Blumentöpfe, Terrakottagefäße oder Steinfiguren vermoosen sehr leicht. Wird darauf dünn Ballistol gepinselt, könne dies verhindert werden. Die Firma schreibt weiter, dass das Öl absolut hautverträglich sei, da es nur medizinisch reine Wirkstoffe enthalte. Es sei dazu vollständig biologisch abbaubar und daher völlig unschädlich für die Umwelt. Ballistol wird seit über 100 Jahren in unveränderter Zusammensetzung hergestellt und bei mir im ganzen Haushalt eingesetzt. Es führen viele Baumärkte, Apotheken und Waffenhändler.
Dezember
Wer jetzt noch Kompost übrig hat, kann die Blütezeit von empfindlichen Obstbäumen mit einem einfachen Trick verzögern. Pfirsich-, Mandel- u. Aprikosenbäume treiben früh aus und werden in regelmäßigen Abständen von Spätfrösten geschädigt. Wird eine isolierende Deckschicht aus Kompost im Winter auf den gefrorenen Boden der Baumscheibe ausgebracht, kann dies im Frühjahr zu einer Verzögerung der Blüte führen.
Foto: Dr. A. VelimirovJetzt habe ich wieder die Ruhe und Lust neue Gartenkataloge zu wälzen und Samen zu bestellen. Ich bevorzuge
Bio-Saatgut von samenfesten Sorten und kaufe nur Hybriden, wo es keine gute Alternative gibt. Bei Hybriden wird unter anderem “unnatürlich“ mit Inzuchtlinien gearbeitet und das Saatgut kann nicht vermehrt werden. Es spaltet sich wieder in die ursprünglichen Sorten auf. In einem Futterwahlversuch der Universität für Veterinärmedizin Wien haben Forscher 20 Ratten über vier Tage mit der Hybridmöhrensorte ‘Starka’ und der samenfesten Möhrensorte ‘Rodelika’ gefüttert. Beide stammten vom selben biodynamischen Betrieb und waren unter denselben Bedingungen angebaut worden. Alle Ratten fraßen an allen Tagen bevorzugt die samenfeste Sorte. Fazit: Ratten können innere Qualitäten ihres Futters unterscheiden. Das ist mehr als labortechnische Untersuchungen leisten. Ausführlicher Artikel dazu in der “Lebendigen Erde 2/2009“ (
www.lebendigeerde.de). Eine Adressliste von Bio-Saatgut-Anbietern gibt es hier auf unseren Internetseiten
www.gartenrundbrief.de (Der Biogarten).
Eine Saatguttauschbörse im Internet hat die Interessengemeinschaft “Lebendige Vielfalt – Netzwerk zur Erhaltung der Kulturpflanzen“ auf Initiative des Umweltbildungshauses Johannishöhe eingerichtet. Unter www.lebendige-vielfalt.org kann jeder kostenlos Saatgut anbieten und tauschen. Bisher gibt es noch nicht sehr viele Einträge. Ich finde die Idee sehr gut und hoffe, dass die Aktion durch Ankündigungen wie diese bekannter wird. Eine wichtige Bedingung für das Netzwerk ist, die kommerzielle Nutzung jedweder Art auszuschließen. Abgegeben wird das Saatgut meistens ohne die üblichen Reinigungsstandards und Keimgarantie.
Weihnachtsgeschenk: Bienen-Patenschaft BeeGood
Jeder kann mit dieser Patenschaft einen wichtigen Beitrag zu einer zukunftsfähigen, ökologischen Imkerei leisten und die Arbeit vom Verein Mellifera unterstützen. Als führende Forschungs- und Ausbildungsstätte im Bereich der ökologischen Bienenhaltung widmet sich der Verein seit 1985 der Entwicklung von nachhaltigen Konzepten in der Imkerei. Er arbeitet mit den großen Naturschutz- und Imkerverbänden zusammen und hat schon einige prominente Paten finden können: darunter TV-Köchin Sarah Wiener, Kochkünstler Vincent Klink oder Schauspielerin Heike Ulrich (Marienhof). Wer eine Patenschaft verschenkt, kann einen persönlichen Grußtext angeben, der auf das Etikett des Paten-Honigs gedruckt wird. Die Paten erhalten zudem einen Kunstdruck als Patenschaftsurkunde, jährlich ein Glas Demeter-Honig von “ihren“ Bienen und die Zeitung “Biene Mensch Natur“.
Eine Patenschaft kostet 35,– € im Jahr. Bestellungen bis 18. Dezember werden noch zu Weihnachten verschickt.
Nähere Infos:
www.BeeGood.de
oder Mellifera e.V.,
Fischermühle 7, 72348 Rosenfeld,
Tel. 07428/9452-490, Fax -499
Honigbienen verhungern mitten im Sommer
Pressemeldung Demeter e.V.
Foto: Mellifera
Die Honigbienen in Deutschland wären in diesem Sommer verhungert, wenn sie nicht vom Imker mit Zuckerwasser am Leben erhalten worden wären. „Der Futtermangel in der Natur war dramatisch“, erklärt Demeter-Imker Günter Friedmann. Beobachtungen an seinen eigenen Bienenvölkern und beunruhigende Meldungen von Imkerkollegen aus ganz Deutschland, veranlassten ihn, einen Alarmruf zu starten. „Wenn nicht rasch ein Umdenken und ein neues Handeln in der Landwirtschaft und im Gartenbau erfolgt, werden wir stumme Sommer erleben.“ Günter Friedmann ist seit dreißig Jahren Berufsimker. „Mit einer solchen Situation wurde ich noch nie konfrontiert, obwohl sich diese Entwicklung seit mehreren Jahren anbahnte und auch mit zu den Bienenverlusten der letzten Jahre beigetragen hat.” Nach der Rapsblüte im Mai beginne für die Bienen in vielen Regionen eine Zeit des Mangels und oft auch des Hungerns. Gerade in den Jahren, in denen es aus dem Wald keinen Honig zu gewinnen gäbe, würde deutlich, dass auf den Feldern, Wiesen und in Gärten mittlerweile zu wenig blühe, um den Insekten ausreichend Nahrung zu bieten.
Demeter-Imker Günter Friedmann vor seinen Bienenstöcken
Foto: BLE BonnVerantwortlich für diesen Zustand seien, die sich immer weiter beschleunigende Intensivierung der Landwirtschaft und naturferne Gärten. Insbesondere der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, etwa für Biogasanlagen, wirke sich dramatisch aus. Zur Gewinnung von Silage würden die Wiesen vor der Blüte so oft gemäht, dass für blütenbesuchende Insekten nichts mehr zu holen sei. Viel schlechter als Honigbienen gehe es Wildbienen und Schmetterlingen, deren Lobby zu klein sei. Bestärkt wird er in dieser Ansicht von Forschungen der Bienenwissenschaft. Professor Dr. Jürgen Tautz vom Biozentrum der Uni Würzburg bestätigt, dass sich sowohl durch die fehlende Menge, als auch mangelnde Vielfalt des noch vorhandenen Blütenangebotes, die Fitness der Bienenvölker zum Teil drastisch verschlechtert hätte und "das im Extremfall zum Zusammenbruch
der Bienenvölker führt".
Die Imker bringen Verständnis für die schwierige Situation der Landwirtschaft auf. Aber es sei „doch eine absurde Situation, dass zum Beispiel die Bauern immer größere Mengen an Milch zu immer niedri-
geren Milchpreisen produzieren müssen, und dass dadurch unsere Bienen verhungern“, ärgert sich Günter Friedmann.
www.imkerei-friedmann.de
www.mellifera.de
www.bluehende-landschaft.de
Pala-Verlag prämiert den Bau von Insektenhotels
Ein Luxus Insektenhotel mit unterschiedlichsten Wohnungen für Nützlinge
Foto: I. Mühlberger Mit Geldpreisen im Gesamtwert von 1000,– € prämiert der pala-verlag aus Darmstadt den Bau von Insektenhotels in Kindergärten und Schulen. Sie sollen pünktlich zum dreißigjährigen Verlagsjubiläum im nächsten Frühjahr bezugsfertig sein. Bis spätestens 30. November können sich Interessenten per E-Mail (
insektenhotel@pala-verlag.de) oder übers Internet (
www.pala-verlag.de) beim Verlag melden. Die angehenden Bauherren erhalten nach ihrer Anmeldung detaillierte Informationen und je eines von insgesamt 300 Buchpaketen mit den Titeln “Das Insektenhotel“ und “Das Wildbienen- hotel“ (GR 3/2009) von Wolf Richard Günzel. Prämiert wird bei der Aktion nicht nur das fertige Hotel, sondern das gesamte Bauprojekt – von der Ideensammlung, Baumaterialbeschaffung über den eigentlichen Bau bis hin zur Gestaltung des Hotelumfeldes, zum Beispiel mit Wildblumen. Gerade vor dem Hintergrund der immer kleiner werdenden natürlichen Lebensräume vieler Blüten bestäubender Insekten kann mit dem Bau von Insektenhotels für solitär lebende Wildbienen, Hummeln, Schlupf- oder Faltenwespen ein wirksamer Beitrag zum Umwelt- und Insektenschutz geleistet werden. Einsendeschluss für die Dokumentation ist der
15. April 2010.