Demeter Baden-Württemberg
8. September 2010
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Gartenrundbrief 2/2010
Gartenrundbrief 2/2010

Aktueller Inhalt


Arbeitskalender März/April

von Iris Mühlberger

März

Eine gute Nachricht vorab: Mein selbstgeerntetes Saatgut vom Kopfsalat 'Maikönig' (GR 6/2009) hat die Keimprobe mit fast hundert Prozent bestanden - besser als die vor einem Jahr gekauften Salatsamen. Ich kann nur dazu ermuntern, eigenes Saatgut zu gewinnen. Es macht viel Freude, spart Geld und fördert eine regional angepasste Haussorte. Trotz lockender Märzsonne, habe ich beschlossen, dieses Jahr später mit der Aussaat vom ersten Freilandgemüse zu beginnen. Letztes Jahr keimten die zweiten Aussaaten im April von Pastinake und Schwarzwurzel wesentlich besser und schneller, als die ersten im März. Es gibt ja noch genügend andere Arbeiten im Garten, die erledigt werden sollten, zum Beispiel die Scheiben des Frühbeets putzen und darin erste Aussaaten und Pflanzungen (Salat, Kohlrabi) zu machen.

Seltener Wintergast: Singdrossel (rechts) an meinem Futterhaus mit AmselSeltener Wintergast: Singdrossel (rechts) an meinem Futterhaus mit Amsel
Foto: I. Mühlberger
Nach einem recht warmen November folgte doch noch ein "richtiger Winter" mit viel Schnee und eiskalten Nächten. Erstaunlicherweise überwinterten in meiner kühlen Region das erste Mal Stare und eine Singdrossel (Foto oben). Sie besuchten öfters mein Futterhaus. Der Wärmeimpuls im November brachte viele Pflanzen zum Austreiben. Die jungen Blätter und Zweige konnten nicht mehr ausreifen und waren besonders frostgefährdet. Geschädigte und abgestorbene Triebe sollten jetzt entfernt werden. Das regt zum Neuaustrieb an. Sind Pflanzen betroffen, die am mehrjährigen Holz blühen und fruchten, gibt es dieses Jahr eine verringerte oder gar keine Blüte und/oder Ernte. Der Feigenbusch als Beispiel, treibt zwar gut aus dem Wurzelstock wieder aus, trägt jedoch am neuen Holz dieses Jahr keine Früchte. Gehölze, die am diesjährigen Holz blühen, wie Rose oder Schmetterlingsstrauch, entwickeln trotz Frostschäden Blüten, wenn nicht die Veredelungsstelle betroffen ist.


Ein Pärchen der Roten MauerbieneEin Pärchen der Roten Mauerbiene
Foto: Wikipedia
Ich freue mich jedes Jahr auf die ersten wärmeren Sonnenstrahlen, die meine Wildbienen in den Nisthilfen zum Schlüpfen veranlassen. Es schwirrt und surrt um mich herum und mein Garten wird richtig lebendig. Meistens handelt es sich dabei um die 'Rote Mauerbiene' Osmia bicornis, eine Einsiedlerbiene. Jedes Weibchen legt bis zu zwanzig Brutzellen in röhrenförmige Hohlräume. Die Männchen sind etwa eine Woche vor den Weibchen aktiv. Sie warten über den Nestern schwebend auf das Schlüpfen der Weibchen. Nach der Paarung vagabundieren sie häufig in Büschen in der Nähe. Wildbienen sind scheu, friedfertig und stechen den Menschen normalerweise nicht. Sind die Nester nach mehreren Wochen mit Nahrung versorgt und verklebt, stirbt das Weibchen. Ihre Nachkommen schlüpfen in der Regel erst im kommenden Jahr. Alle Bienenarten stehen aufgrund ihrer starken Bedrohung und ihrer hohen ökologischen Bedeutung als Bestäuber ganzjährig unter Schutz. Ihre Nester dürfen nicht zerstört werden.


April

Die Körner sind von Fäulnispilzen befallenDie Körner sind von Fäulnispilzen befallen.
Foto: I. Mühlberger
Letztes Jahr hatten meine Erbsen eine merkwürdige Krankheit. Zur Erntezeit wurden die oberen Schoten mit einer braunen, trockenen Schicht überzogen. An einzelnen Schoten entdeckte ich ganz kleine orange wurmartige Larven. Die Körner waren am Anfang noch genießbar. Später wurden sie jedoch, wie die Schale, weich. Ich fragte bei Klaus Schrameyer, Insektenexperte beim Heilbronner Landratsamt, nach: "Es dürfte sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um Erbsenthripse handeln. Bereits zur Blütezeit siedeln sich die Tiere in den Blütenorganen an und beginnen mit dem Saugen und der Eiablage an den sich entwickelnden Hülsen. Die besaugten Zellen sterben ab, wachsen nicht mit und reißen auf. Große Teile der Haut verbräunen und sterben ab. Fäulnispilze siedeln sich an und verderben auch noch die Körner im Innern."
Die oberen Schoten sind durch den Befall mit Erbsenthripsen von einer braunen, trockenen Schicht überzogen.Die oberen Schoten sind durch den Befall mit Erbsenthripsen von einer braunen, trockenen Schicht überzogen.
Foto: I. Mühlberger
Die kleinen orangen Würmchen seien die ersten und zweiten Larvenstadien. "Der Erbsenthrips überwintert als Larve im Boden. Ab Mitte Mai sind in manchen Jahren die winzigen erwachsenen Insekten an Erbsen, aber auch Bohnen zu finden." Die Larven verursachten vor allem bei trocken-warmer Witterung stärkere Schäden. Frühe Aussaaten seien nicht so gefährdet.

Ist der Boden genügend erwärmt, verteile ich nachmittags, nach einer einstündigen Dynamisierung, mit einem Handfeger Hornmist auf meine Beete, Wiese und um Bäume und Sträucher. Das Biodynamische Präparat fördert nachweislich das Bodenleben, den Humusaufbau und regt das Wurzelwachstum an. Eine Anleitung steht im GR 2/2009. Der Boden darf beim Ausbringen auf keinen Fall gefroren sein, da das Präparat sonst nicht wirkt. Mitglieder von Demeter-Gartengruppen erhalten einmal jährlich alle Biodynamischen Präparate kostenlos.

Etwa zur gleichen Zeit spritze ich vorbeugend gegen Pilzkrankheiten Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) auf Beete und Kulturen. Dazu verwende ich Schachtelhalmextrakt aus dem Gartenmarkt.


Neue extrasüße samenfeste Zuckermaissorte ‘sh2’Neue extrasüße samenfeste Zuckermaissorte ‘sh2’
Foto: Sativa
Ich liebe Zuckermais, besonders den extra süßen. Bisher musste ich Hybrid-Sorten aussäen, da die samenfesten, wie zum Beispiel 'Golden Bantam', zwar ein Symbol gegen Gentechnik darstellen (GR 1/2010), der Geschmack mich jedoch nicht überzeugen konnte. Jetzt hat die Firma "Sativa Rheinau AG" aus der Schweiz, die unter anderem Bio-Saatgut, -Pflanzkartoffeln, -Erdbeerpflanzen und -Blumenzwiebeln anbietet, den weltweit ersten samenfesten extrasüßen Zuckermais gezüchtet. Sie hat dafür einen Preis von der “Bio Suisse” bekommen. Den Mais gibt es als frühe, mittelfrühe und mittelspäte Sorte unter dem Namen 'sh2'. Das “Forschungsinstitut für biologischen Landbau” in der Schweiz hat den neuen Zuckermais getestet und mit Hybrid-Standardsorten verglichen. Das erfreuliche Ergebnis: Zuckergehalt und Kolbengewicht waren nahezu identisch. Wichtig sei es nur, die Kolben direkt nach der Ernte kühl zu lagern. So bliebe der Zuckergehalt lange erhalten. Saatgut gibt es auch für Deutschland im Online-Shop oder direkt bei
Sativa Rheinau AG,
Klosterplatz,
CH-8462 Rheinau,
Tel. 0041/(0)52304-9160, Fax -9161,
www.sativa-rheinau.ch

Sie führen auch einen meiner Lieblingssalate, den in Deutschland nicht mehr erhältlichen Treibeissalat 'Kellys'.

Jetzt beginnt wieder die Zeit der Blattläuse. In meinem Garten dürfen sie leben und saugen. Bisher ließen sie mir immer genügend Gemüse übrig. Ich fördere Nützlinge, indem ich etwas mehr Wildnis in meinem Garten zulasse, zum Beispiel mit Wildsträuchern, Wildblumenwiesen und -beeten. Die Blumenschule Schongau hat einen sehr ungewöhnlichen Tipp veröffentlicht. Läuse würden sich fallen lassen, wenn mit einem Brennnessel- zweig über die befallenen Blätter und Läuse gestrichen würde. Ausprobieren lohnt!
www.blumenschule.de