20. Mai 2013
Aktueller Inhalt
Arbeitskalender Juli/August
von Iris Mühlberger
- Rhabarber nachdüngen
- Pflanzenstärkungsmittel "Vi-Care"
- Ackerschachtelhalm zur Stärkung
- Biodynamisches Hornkieselpräparat ausbringen
- Nützliche Grüne Heupferde
- Lauchzwiebeln als Schnittlauchersatz
- Sprühfleckenkrankheit an Kirschen
- Zwei interessante Internetseiten
- Aussaat- und Pflanzzeiten im Juli und August (nicht im Internet)
Juli
Vor einiger Zeit hörte ich im Radio folgenden Satz: „Gartenbauer müssen heutzutage Krisenmanager sein.“ Die Kapriolen des Wetters in den letzten Jahren fordern wirklich bald eine Ausbildung in diesem Bereich. Eigentlich ist bei mir dieses Frühjahr nur der Salat gut gewachsen. Restliches Gemüse, besonders Spinat, dazu Erbsen und Puffbohnen wollten kaum keimen oder wuchsen nur im Schneckentempo heran. Die Blätter der Kartoffelpflanzen kämpften sich hellgrün durch die Erde. Auch noch nach den Eisheiligen hielten sich hier im Hohenlohischen die Nächte im Spätwinterniveau von ein bis fünf Grad. Meine Tomatenpflänzchen schossen am Fenster mit dünnen Trieben in ungeahnte Höhen.
Seit Ende Juni ist die Rhabarberernte vorbei. Rhabarber treibt im Frühjahr überwiegend aus den im Wurzelstock gespeicherten Reservestoffen aus, ähnlich wie Spargel. Damit noch genügend Zeit bleibt, diese Reservestoffe einzulagern, sollte Rhabarber nach der Ernte bis spätestens Anfang August organisch gedüngt werden. Er hat aufgrund der großen Erntemengen einen relativ hohen Düngerbedarf. Nach dem Absterben der Blätter oder im Winter kann alle zwei Jahre noch einmal verrotteter Stallmist oder Kompost gegeben werden.
Stärkungsmittel Vi-Care
Mehltau an Gurken
Foto: I. Mühlberger
Bei den Profis habe ich ein
Pflanzenstärkungsmittel entdeckt, das vielversprechend klingt: “
Vi-Care”. Es enthält anderem einen natürlichen Wasser-Extrakt aus Citrussamen. Die Herstellerfirma “mbm Flora & Düngemittel GmbH” versichert, dass ausschließlich unbehandelte Früchte verwendet würden. “Vi-Care” sei rein pflanzlich und ohne gentechnische Veränderungen. Es erhöhe die Widerstandskraft der Pflanzen gegen pilzliche und bakterielle Krankheitserreger. Dazu gehörten unter anderem Echter Mehltau, Falscher Mehltau, Kraut- und Knollenfäule. Mehrere Biobetriebe haben in der vergangenen Saison Versuche mit dem Mittel gemacht. Dabei kam heraus, dass es die beste Wirkung gegenüber anderen Bio-Mitteln bei Echtem Mehltau an Feldsalat und Gurken hatte. Auch bei Falschem Mehltau an Gurken wirkte es gut. Genauso konnte bei Braunfäule an Tomaten im kalten Folientunnel eine gute Wirkung erzielt werden. Die Krankheit breitete sich nicht weiter aus. Der Neuzuwachs war ausgesprochen gesund und kräftig. Besteht bereits Befall sollte dreimal im Abstand von fünf Tagen ausschließlich mit Regenwasser (pH Wert 6 bis 6,5 – 15ml/5 Liter) 0,3 prozentig (%) gespritzt werden. Danach alle sieben bis zehn Tage 0,15 bis 0,2 %. 250 ml kosten 29,16 € zzgl.
Versand bei
mbm, Vorbruch 16, 41334 Nettetal,
Tel. 02153/1217-099, Fax -161,
www.mbm-info.de
Ebenfalls zur Pflanzenstärkung spritze ich in der ersten Julihälfte nochmals Ackerschachtelhalm auf Boden und alle Kulturen. Zeigen sich Schäden durch Pilzkrankheiten wie Mehltau, sollte die Behandlung an drei aufeinanderfolgenden Tagen wiederholt werden. Ich benutze fertiges Schachtelhalmextrakt von Oscorna oder Neudorff aus dem Gartenmarkt.
Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt das Biodynamische Hornkieselpräparat auszubringen. Es fördert die Blatt-, Blüten- und Fruchtbildung der Pflanzen, macht sie widerstandsfähiger gegen Pilzkrankheiten und beschleunigt ihr Ausreifen. Das Präparat wird erst ausgebracht, wenn die Frucht der Pflanze zu erkennen ist: Möhrenwurzel wird rötlich, Tomaten sind haselnussgroß, Herzblätter vom Salat oder Kohl drehen sich. Hornkiesel wird am frühen Morgen bei sonnigem Wetter gespritzt. Wie es genau geht, steht im Arbeitskalender des GR 4/2008. Buchtipps zum Ausbringen der Präparate gibt es hier im Internet.
August
Ausgewachsenes Grünes Heupferd
Foto: Wikipedia - A. Kübelbeck
An warmen Sommertagen entdecke ich oft wunderschöne große Heuschrecken in meinem Garten. Es sind die nützlichen
Grünen Heupferde Tettigonia viridissima, die mit ihren langen Fühlern zu den Laubheuschrecken zählen. Sie fangen ihre Beute, darunter viele Insekten und deren Larven, mit einem eleganten Sprung und zermalmen sie mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen. Die können auch Menschen empfindlich zwicken. Auf dem Speisezettel stehen außerdem weiche, krautige Pflanzen. Die Tiere richten jedoch keinen größeren Schaden an. Mit den langen Flügeln können sie weite Strecken fliegen, die Männchen damit zusätzlich laut und intensiv zirpsen. Im Sommer paaren sich die Heupferde. Die Weibchen legen mit ihrem rund 3 cm langen Legestachel bis zu 600 Eier ins Erdreich. Die Embryonalentwicklung dauert zwischen eineinhalb bis maximal fünf Jahre. Sind die Larven geschlüpft, häuten sie sich siebenmal bis sie etwa im Juli ausgewachsen sind. Ihr kurzes Leben endet mit dem ersten Frost.
Als Schnittlauchersatz für den Winter können Anfang des Monats Lauchzwiebeln sehr dicht in Töpfe oder im Gewächshaus ausgesät werden. Im November und Dezember, wenn der Schnittlauch nicht mehr treibt, werden die Lauchzwiebeln als Schnittlauchersatz verwendet.
BÖG Infofax
Mit Sprühfleckenkrankheit befallenes Blatt
Foto: Andreas Vietmeier
Wenn Kirschbäume schon früh im Sommer ohne Blätter sind, können sie an der
Sprühfleckenkrankheit leiden. Wie die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen mitteilt, zeigen sich dann an den Blättern von Sauer- und Süßkirschen kleine rötlich-violette bis braune Flecken. Auf der Blattunterseite entstehen blass-rötliche bis braune, eckige Flecken, die bei feuchter Witterung von einem schleimigen Sporenbelag bedeckt sein können. Befallene Blätter werden schnell gelb und fallen vorzeitig ab. Erste Anzeichen zeigten sich ab Ende Mai/Anfang Juni. Die Entwicklung des Pilzes
Blumeriella jaapii wird bei feuchtwarmer Witterung gefördert. Nur wenn Kirschen mehrere Jahre hintereinander stärker befallen würden, sei mit einer Schwächung der Bäume zu rechnen. Leichter oder späterer Befall sei eher unbedeutend. Durch Absammeln der Blätter wird die Infektionsgefahr vermindert.
Zum Abschluss zwei interessante Internettipps: www.hortipedia.de: Wie auch ihr Vorbild, die Internet-Enzyklopädie Wikipedia, möchte das GartenInfoPortal die Menschen dazu animieren, ihr Wissen über Pflanzen und Garten kostenfrei weiterzugeben. Weitere Infos über Gartenpflanzen gibt es auf der Internetseite von Karl-Heinz Baake: www.bio-gaertner.de. Sie ist unabhängig und es gibt dazu Bezugsquellen zu Produkten, Gartenforen, Arbeits- und Aussaatkalender.
Bizarres und Erstaunliches in Natur und Gartenbau
Text und Fotos von Flora Eisenkolb, Beraterin für Demeter-Gartenbau i. R.
In meiner Beraterzeit habe ich immer wieder Erstaunliches zu sehen bekommen. Oft stellte ich mir die Fragen: Woher kommt denn das? Wer macht denn so was? Wie kann denn das bloß sein? Glücklicherweise gibt es manchmal Antworten, aber nicht immer. Wir Menschen suchen zu oft nach einer rationellen Erklärung. Die Natur ist aber so vielgestaltig und wandlungsfähig, dass wir immer wieder das Gesehene einfach als Phänomen stehen lassen müssen.
Der künstlerische Kürbis: Dieser Kürbis wurde mir von den Lehrlingen der Demeter-Gärtnerei Willmann in Ingersheim gezeigt. Er ist mit rund 40 cm Umfang klein geraten. Welcher Künstler war hier wohl am Werk? Die Lehrlinge waren es nicht, wie mir glaubhaft versichert wurde. Ähnlich schöne Gebilde, wenn auch ganz anders in der Form, sind von Borkenkäfern bekannt. Aber wer gräbt oder beißt solche Formen in Kürbisse? Sie erinnern stark an afrikanische oder australische Kunst. Beim genauen Hinsehen fielen mir in der Mitte der schmalen orangen Stege Saugstellen(?) auf, die an die "Perlenketten" der Lauchminierfliege erinnerten.
Eine Rose ohne Wurzel: Diesen Rosenbusch entdeckte ich in einer Streuobstanlage. In der untersten Gabelung eines Apfelbaumes in etwa 1,50 Meter Höhe wächst ein schöner und kräftiger Rosenbusch. Wo sind die Wurzeln? In der Gabelung befindet sich kein Mulm. Gehen die Wurzeln zwischen Rinde und Holz in die Erde? Der Rinde ist aber nichts Besonderes anzusehen. Unter dem Apfelbaum steht ein Rosenbusch. Treibt er eventuell irgendwie die Triebe durch den Baum? Schwer vorstellbar. Dieses Phänomen ist noch nicht geklärt. Dass eine Rose parasitisch lebt, ist auch nicht anzunehmen.
Seidengespinnst an Basilikum: Auch das hatte ich noch nie gesehen: eine Basilikumpflanze und darauf ein Parasit mit windenden Sprossen, Blüten, Früchten (Kapseln) und Samen. Die Pflanze und weitere befallene stammten aus einem Basilikumbeet in einem Folienhaus. Sie waren deutlich schwächer als die gesunden. Es handelt sich wohl um eine Seide, die verwandt ist mit der bekannteren Kleeseide. Aber wie die Samen in das Gewächshaus kamen, blieb ungeklärt. Die Kuskuteen (Flachsseidenpflanzen) aus der Familie Convolvulaceae (Windengewächse) sind schmarotzende Kräuter mit windenden, fadenartigen, gelblich oder rötlich gefärbten Stängeln. Die Blätter sind zu kleinen, farblosen Schüppchen verkümmert. In den Achseln entwickeln sich erst wenige Millimeter große Blütenknäuel, später Kapseln. Sie enthalten meistens vier Samen. Die Kuskuteen entwickeln bei der Keimung ein Keimwürzelchen und ein fadenförmiges Stängelchen. Dieses sucht sich schlängelnd eine passende Wirtspflanze, in die es mit Saugwürzelchen eindringt. Danach stirbt das Keimwürzelchen ab und die blattlose Seide hat keine Verbindung mehr mit dem Boden. Sie bezieht Wasser und Assimilate aus der Wirtspflanze. Es gibt rund 150 Arten, von denen die meisten nur in den Tropen vorkommen. In Deutschland sind verschiedene Arten heimisch, so zum Beispiel:
Cuscuta epilinum (Flachs-Seide),
C. epithymum ssp. trifolii (Klee-Seide) und
C. epithymum ssp. epithymum (Thymian-Seide). Sicher ist, dass alle Seiden eine große Menge Kapseln bilden. Sie sollten entfernt werden, bevor sie reifen.
Riesenhügel im Gewächshaus: Dieses Foto wurde im Winter im Folientunnel von Demeter-Gärtner Peter Berg aufgenommen. An der Stelle, wo zwei Mulchvliese nebeneinander lagen, hatte ein Tier einen großen Hügel aufgetürmt und dabei die Vliese teilweise auseinander gedrückt und überbaut. Der Hügel hatte die Form eines Maulwurfshügels, aber wesentlich größer und höher: Durchmesser rund 1,20 m, Höhe 50 cm. In der Mitte befand sich ein schönes, gut mit Stroh und anderen Pflanzenteilen gepolstertes, kugelrundes Nest. Inzwischen ist der Baumeister aufgeklärt: ein Maulwurf. Er legt üblicherweise seine Nester in einer Tiefe von 50 cm an. Ist der Untergrund aber zu felsig oder steht das Grundwasser zu hoch, werden an der Oberfläche so genannte Maulwurfsburgen errichtet. Als Schutz gegen Kälte sind die sogenannten Sumpf- oder Winterburgen besonders groß (bis 70 cm hoch mit 1,40 m Durchmesser) und auffällig. Im vorliegenden Fall war vermutlich der Untergrund im Gewächshaus so trocken und hart, dass der Maulwurf sich nicht anders zu helfen wusste.