4. Februar 2012
Aktueller Inhalt
Arbeitskalender September/Oktober
von Iris Mühlberger (Text und Fotos)
- Waspinator – eine schonende Art Wespen zu vertreiben
- Die Apfelstiege vom BUND und der Lebenshilfe Lemgo
- Biodynamisches Hornkieselpräparat jetzt nachmittags ausbringen
- Präparatekurs 17. und 18. September im Hohenlohischen
- Möhren ideal lagern
- Fleischbräune bei der Quitte
- Idealer Erntezeitpunkt von Kürbissen
- Aussaat- und Pflanzzeiten im September und Oktober (nicht im Internet)
September
Ich bewundere dieses Jahr meine Gartenpflanzen besonders. Sie schenkten mir, trotz sehr langer Kälte im Frühjahr und extremer Hitze mit Dürre im Sommer, viele schöne, gut schmeckende Früchte. Die Ernte fiel zwar etwas spärlicher aus als sonst, unter anderem bei den Tomaten (wollten einfach nicht rot werden), reichte aber trotzdem zum sofortigen Verzehr und meistens auch noch zum Verarbeiten. Dazu begeisterten mich die vielen außergewöhnlichen Schmetterlinge, Wildbienen und Hummeln in meinem Wildblumengarten. So besuchten ihn zum ersten Mal wunderschöne Große und Kleine Schillerfalter (siehe “Besonderes Foto”), ein Abendpfauenauge und unzählige Siebenpunkt-Widderchen. Sie wurden speziell von den Wilden Karden angezogen. Dazu konnte ich eine Grabwespe beobachten, die Gänge in Blumentopferde schaufelte und getötete Zikaden als Futter für den Nachwuchs hineinlegte.
Der Waspinator imitiert ein Wespennest
Diese Wespe interessierte sich nicht für Süßes auf meinem Teller. Nur die ‘Gemeineund ‘Deutsche Wespe’ können lästig und für Allergiker gefährlich werden. Als eifrige Insektenfresser und Blütenbesucher leisten Wespen wertvolle Dienste. Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Fliegen und Mücken, aber auch Spinnen, Käfer, Wanzen und Heuschrecken. Ein Wespenstaat kann an einem Sommertag bis zu 3.000 Insekten vertilgen. Etwa 80 Prozent davon sind Fliegen. Ohne Wespen hätten wir also im Sommer vermehrt Mücken- und Fliegenplagen. Eine Bekämpfung verstößt gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Aus Kanada gibt es jetzt eine schonende Abwehrmethode, die auf Chemie und Fallen komplett verzichtet:
der Waspinator . "In Form und Farbe ist er einem Wespennest nachgebildet und macht sich damit das Territorialverhalten vieler Wespenarten zunutze", schreibt der Händler Karl Heigold. Beim Anflug auf den Waspinator würden die Wespen ein feindliches Nest vermuten und abdrehen. "Der Waspinator besteht aus einem recyclingfähigem Kunststoffgewebe und ist wetterbeständig." Die Redaktion testet ihn zur Zeit und wird darüber berichten.
Preis: 14,95 € inkl. Versand bei
K. Heigold,
Sommerberg 17,
74532 Eckartshausen,
Tel. 07904/94134-55, Fax -56,
www.waspinator.de
Drei Apfelstiegen übereinander, mit Deckel und Lenkrolle
Jetzt ist Apfelsaison. Damit die Früchte nicht so schnell faulen, sollten sie möglichst getrennt nach Sorten und nur nebeneinander gelegt gelagert werden. Das ist im Keller aus Platzgründen oft ein Problem. Der BUND Lemgo hat in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Lemgo ein stapelbares Lagersystem aus unbehandeltem Fichtenholz entwickelt:
die Apfelstiege. Sie ist leicht zu transportieren, so dass die Äpfel schon bei der Ernte vorsichtig hineingelegt werden können. Boden- und Seitenschlitze (etwa 1 cm breit) sorgen für eine gute Belüftung. Mäuse und andere können die Äpfel nicht erreichen. Das verhindert zusätzlich der separate Stiegendeckel. Zum einfachen Verschieben des Kistenstapels gibt es für die unterste Etage eine spezielle Lenkrollenstiege.
Preis: 1 Stiege ohne Deckel 12,50 €, ab 10 St. und im Set günstiger, zzgl. Versand bei
Werkstatt Begatal,
Bahnhofstr. 39,
32694 Dörentrup-Bega,
Tel. 05263/9499-0, Fax -10,
www.bund-lemgo.de
Zur besseren Ausreifung von Obst und Gemüse spritze ich jetzt das biologisch-dynamische Hornkieselpräparat auch nachmittags (Anleitung im GR 4/2008). Dies ist besonders bei Wurzelgemüse und Obstgehölzen zur besseren Ausreifung empfehlenswert. Wer sich näher über die Demeter-Präparate informieren möchte, kann dies bei folgendem Herbstkurs tun:
17. und 18. September im Brunnenhof, 74653 Künzelsau-Mäusdorf
Themen unter anderem: Einführung in die Präparate, praktische Herstellung, Anwendungen und Wirkungen.
Kosten: 150,– € oder nach Vereinbarung.
Anmeldung bei der
CvW KG, Bio-Dynamische Präparatezentrale,
Tel. 07940/2230, Fax 4911,
c.v.wistinghausen@t-online.de
Oktober
Möhren sollten mit so wenig Erde wie möglich geerntet werden, das heißt, bei möglichst abgetrocknetem Boden und kühlen Temperaturen um 12 Grad. Die trockene Erde nicht abreiben, da sich sonst der Sand in den Ritzen der Schale festsetzen und die Wurzel mit Fäulnisbakterien infizieren kann. Möhren sollten vor der Ernte auch nicht unter Wassermangel leiden. Auch keine überreifen Möhren ernten, da sie anfälliger für Lagerfäule sind. Die Wurzeln werden ohne Laub gelagert und möglichst schnell abgekühlt. Die optimale Lagertemperatur liegt bei rund einem Grad und 98 % Luftfeuchte. Das ist in heutigen Kellern nur selten zu erreichen. Deshalb ist die Lagerung in feuchtem, frischen Sand immer noch die beste Alternative. Der Sand muss jedoch regelmäßig angefeuchtet werden. Vorsicht bei gemeinsamer Lagerung mit ethylenbildenden Früchten. Möhren bilden unter mehrtägigem Ethyleneinfluss den Bitterstoff Isocumarin aus. Das Reifehormon Ethylen kann aber auch von beschädigten Möhren selbst, von absterbenden Laubresten oder von Fäuleerregern auf den Möhren stammen. Erhöhte Lagertemperaturen verstärken das Bitterwerden erheblich. Bei fünf Grad wird der Bittergeschmack bis zu fünfmal intensiver als bei null bis ein Grad. Starke Ethylenbildner, die von Möhren unbedingt fern gehalten werden sollten, sind neben Äpfeln, Melonen, Tomaten, Gurken, Paprika auch Brokkoli, Kohl und Bleichsellerie.
Quitten mit Fleischbräune sehen unappetitlich ausFoto: Christoph Hoyer
Auch bei
Quitten ist ein optimaler Erntezeitpunkt für die Qualität wichtig. Meine Quitten hatten in den letzten zwei Jahren teilweise starke
Fleischbräune. Vielleicht hatte ich sie zu spät vom Baum geholt. Wenn die grüne Farbe in Gelb umschlägt sind Quitten pflückreif. Sollen sie zu Gelee verarbeitet werden, darf man nicht zu spät ernten. Mit zunehmender Reife baut sich das für die Gelierwirkung wichtige Pektin ab. Die Früchte können Fleischbräune entwickeln. Dies ist oft schon von außen an den schwarzen Punkten auf der Schale zu erkennen. Es kann auch bei gelbgrün geernteten Früchten auftreten, dann jedoch erst nach rund vier Wochen im Lager. Die fleischbraunen Quitten sind trotzdem genießbar. Die Produkte daraus sehen aber unappetitlich aus und haben einen leicht gerbstoffartigen Beigeschmack.
Richtiger Erntezeitpunkt Nummer drei: Kürbisse halten sich dann länger und besser im Lager. Die Früchte müssen unbedingt an der Pflanze ausreifen, zu erkennen an den gelblich und oberflächlich verkorkten Stielen und der gut ausgefärbten Schale. Sie ist fest und gibt bei einem Fingerdruck nicht mehr nach. Geerntet werden sollte möglichst bei trockenem Wetter. Dabei den Stiel nicht abbrechen. Die Bruchstelle kann später eine Eintrittspforte pilzlicher und bakterieller Erreger sein. Die reifen Kürbiss kommen zum Nachtrocknen zwei bis drei Wochen an einen warmen, luftigen Platz. So können auch oberflächliche Verletzungen abtrocknen. Danach werden die Früchte bei 10 bis 14 Grad und einer Luftfeuchte von rund 70 % eingelagert. Die Lagerdauer sollte vier bis sechs Monate nicht überschreiten, da der Kürbis pro Woche 1 % seines Gewichtes verliert.
BÖG Infofax
Warum Öko-Blumenzwiebeln im Biogarten?
Von Wim Postema (Text und Fotos) und Iris Mühlberger
Bio-Tulpenanbau erfordert viel HandarbeitFoto: Wim Postema
Worin unterscheidet sich der Bioanbau von Blumenzwiebeln vom herkömmlichen? Antworten gibt dazu Wim Postema, niederländischer Öko-Blumenzwiebel-Produzent: "Der wichtigste Unterschied ist, dass wir von einer lebendigen Erde ausgehen. Eine Vielfalt an Organismen belebt den Boden. So ist eine gesunde Ernährung der angebauten Pflanzen möglich. Deshalb haben wir unseren Blumenzwiebelanbau in einen biodynamischen Organismus eingefügt. Der Öko-Anbau findet im Wechsel mit anderen Pflanzenarten wie Getreide, Kleegras, Kartoffeln oder Gemüse statt. Konventionell werden im Übermaß direkt lösliche, synthetische Düngemittel verwendet. Wir fördern dagegen die Grundfruchtbarkeit der Erde durch kompostierten Stalldünger und den Anbau von Leguminosen.
Bio-Tulpe ‘Demeter’Foto: Wim Postema
Mehr Handarbeit und Luft
Damit jede Pflanze genügend Raum zum Wachsen hat, stecken wir auf die gleiche Fläche wie im konventionellen Anbau etwa ein Drittel weniger Zwiebeln. Die Wurzeln haben mehr Raum für ihre Ernährung und die Blätter mehr Luft und Licht. Das ist günstig gegen die Pilzkrankheit
Botrytis. Damit haben aber auch konkurrierende Beikräuter mehr Platz zum Wachsen, die wir regulieren müssen. Weitere Unterschiede gibt es bei der Selektion und beim sogenannten Köpfen. Beim Ausselektieren von nicht erwünschten Pflanzen werden bei uns die Pflanzen von Hand herausgezogen und vom Feld genommen, während sie im konventionellen Anbau mit dem Herbizid ‘Round Up’ tot gespritzt werden. Das Köpfen der Blüten ist notwendig, weil die Blumenzwiebeln im aufgeblühten Zustand sehr anfällig für Botrytis sind. Über die Blütenblätter kann die ganze Pflanze angesteckt werden. Bei uns werden deshalb alle Blütenblätter aufgesammelt. Normalerweise werden sie auf dem Boden liegengelassen und fast jede Woche mit einem Pilzvernichtungsmittel gespritzt.
Bio-Narzisse ‘Geranium’Foto: Wim Postema
Kleine Zwiebeln für gesunde Pflanzen
Bei der Ernte im Sommer vermeiden wir Techniken, die Verletzungen an den Zwiebeln verursachen könnten. Zum Beispiel werden bei Tulpenzwiebeln alte Wurzeln und Teile der alten Zwiebeln von Hand entfernt anstatt maschinell. Bei der anschließenden Lagerung vermeiden wir höhere Temperaturen, die zur Vermehrung von schädlichen Milben führen können. In der konventionellen Blumenzwiebelvermehrung wird das wärmere Lager gegen Milbenbefall bis zu dreimal mit einem Pestizid begast. Durch die Lagerung bei hohen Temperaturen wird außerdem erreicht, dass sich die Tulpen beim Zwiebelanbauer im nächsten Jahr stärker vermehren. Um ältere Sorten zu regenerieren, die manchmal ihre Vitalität verlieren und nur noch kleine Zwiebeln hervorbringen, nehmen wir zum Pflanzen gerade die allerkleinsten Zwiebeln, die üblicherweise weggeworfen werden. Dadurch dauert es ein paar Jahre länger bis wieder Zwiebeln von lieferbarer Größe gebildet werden. Alle unsere Maßnahmen führen zu gesunden und wüchsigen Blumenzwiebeln. Weil der Ertrag pro Fläche aber kleiner ist und der Arbeitsaufwand größer, sind unsere Anbaukosten natürlich bedeutend höher als im konventionellen Anbau. Die Qualität unserer Zwiebeln und unser achtsamer Umgang mit der Umwelt rechtfertigen jedoch die viele Mehrarbeit und den höheren Preis."
Bio-Zierlauch ‘Unifolium’Foto: Wim Postema
Pflege von Blumenzwiebeln im Garten und in Töpfen
Grundsätzlich können alle Arten von Blumenzwiebeln über Sommer im Boden bleiben. Sollen die Zwiebeln mehrere Jahre hintereinander blühen, braucht die Pflanze nach der Blütezeit etwa sechs Wochen, um eine neue Zwiebel für das nächste Jahr zu bilden (Tulpen, Krokusse) beziehungsweise die alte Zwiebel aufzustocken (Narzissen, Hyazinthen). Deshalb dürfen die Blätter nicht sofort abgeschnitten werden, sondern müssen bis zum Verwelken im Beet bleiben. Blumenzwiebeln können auch als einjährige Pflanzen wachsen. Dazu werden sie mit den Zwiebeln direkt nach der Blüte aus der Erde genommen und eingelagert.
Bio-Tulpenanbauer Wim PostemaFoto: Wim Postema
Für eine
Topfkultur im Freien eignen sich alle Arten von Blumenzwiebeln. Es können auch verschiedene in einen Topf gepflanzt werden, eventuell in zwei oder drei Schichten. Die Zwiebeln werden dazu, je nach Blühtermin, unterschiedlich tief gesteckt: die frühesten Sorten flach und die späteren tiefer. Dabei ist es wichtig, dass unter den Zwiebeln noch genügend Raum zum Bewurzeln ist, damit die Pflanzen nicht zu schnell vertrocknen. Als Topferde ist jede Erde geeignet - sogar grober Sand oder Kies, da die Zwiebeln eigentlich nur Wasser brauchen. Alles andere bringen sie bereits mit. Am besten lagern die bepflanzten Töpfe über Winter möglichst kühl, aber frostfrei. Die Erde sollte feucht, nicht nass sein. Alternativ können die Töpfe über den Winter auch in den Boden eingegraben und im zeitigen Frühjahr wieder herausgeholt werden.
Anbieter von Öko-Blumenzwiebeln gibt es hier im Internet unter
www.gartenrundbrief.de/biogarten_blumenzwiebeln.php