18. Juni 2013
Aktueller Inhalt
Liebe Leserinnen und Leser,
ich wünsche Ihnen eine wunderbare Weihnachts- und Winterzeit mit erlebnisreichen Tagen und viel Zeit für sich selbst. Diesmal möchte ich Ihnen einen Ausschnitt aus einem Text über den Boden vorstellen, der mich sehr anspricht. Eugen Burnus, der zu den Demeter-Landwirten der ersten Stunde gehört, hat ihn geschrieben:
"Ich (der Boden) bin nicht Natur, ich bin Kultur der göttlichen und menschlichen Liebe. Über Jahrhunderte dauerte der Prozess mich aus einem Wald in einen fruchtbaren Acker zu verwandeln. Generationen lebten für mich und nahmen mich wahr. In diesem gemeinsamen Leben, voller gegenseitiger Hingabe und Liebe konnte ich gut leben und die Menschen mit reichen Ernten beschenken. Doch diese wunderbare Zeit ist vorüber. ....An Stelle der Menschen und ihrer Liebe, kamen Maschinen. Immer weniger Zeit hatten die Menschen mit mir zu sprechen – mich wahr zunehmen. ......Die Liebe der Menschen kann mich wieder zu einem fruchtbaren Leben verwandeln und in Liebe werde ich ihnen reiche Früchte schenken können. Bitte lasst mich nicht allein! Tanzt und singt mit mir und verwandelt die Arbeit mit und auf mir zu einer heilenden und heiligen Meditation."
In diesem Sinne bedanke ich mich diesmal speziell bei meinem Boden und dazu natürlich bei allen Naturwesen, Tieren und Pflanzen für ihre wunderbare Unterstützung bei Aussaat, Wachstum und Ernte im letzten Jahr.
Iris Mühlberger
Arbeitskalender Januar/Februar
von Iris Mühlberger (Text und Fotos)
- Neue Gemüsesorten der Bingenheimer Saatgut AG
- Erfahrungsbericht mit samenfestem Zuckermais
- Früher Kohlrabi und Schosser
- Ackerschachtelhalm im Winter anwenden
- Pfiffige Helfer im Garten: Rosengabeln
- Aussaat- und Pflanzzeiten im Januar und Februar (nicht im Internet)
Januar
Spitzkohl ‘Eersteling’
Foto: Bingenheim
Kohlrabi Rasko
Foto: Bingenheim
Die Wetterkapriolen im letzten Jahr mit extremer Hitze zum Sommeranfang und ergiebigen Regenfällen zur Samenreife in der zweiten Sommerhälfte hatten Missernten bei der Saatgutgewinnung zur Folge. Deshalb kann es sein, dass vom
neuen Angebot der Bingenheimer Saatgut AG nicht alle Sorten lieferbar sind. Der aktuelle Stand kann abgefragt werden im Online-Shop
www.bingenheimersaatgut.de. Dieses Jahr gibt es sieben neue samenfeste Gemüsesorten, eine Salatmischung für den Balkonkasten und drei Blumen(mischungen. Darunter ist der Kohlrabi 'Rasko' für den Ganzjahresanbau (ausgewogener aromatischer Geschmack, gute Süße). Er neige nicht zum holzig werden. Die hellgrünen Blätter der kurzstrunkigen Spitzkohlsorte 'Eersteling' werden als zart beschrieben, mit einem feinen, süßen Kohlgeschmack ohne Schärfe. Die Köpfe wiegen maximal ein Kilo.
Wildtomate ‘Golden Currant’
Foto: Bingenheim
Wildtomate ‘Rote Murmel’
Foto: Bingenheim
Die beiden Wildtomatensorten 'Golden Currant' (gelb) und 'Rote Murmel' sind viel toleranter gegen Kraut- und Fruchtfäule als übliche Tomaten und können deshalb gut im Freiland angebaut werden. Wildtomaten wachsen mehr in die Breite als in die Höhe und müssen nur gering ausgegeizt werden. Ihre Früchte sind etwas kleiner als die von Cocktailtomaten.
Mittelspäter Zuckermais ‘sh2’
Im
GR 2/2010 hatte ich die neuen
samenfesten Zuckermaissorten 'sh2' der Bio-Saatgutfirma "Sativa Rheinau AG" vorgestellt. In meinem Garten säte ich Anfang Mai den frühen Mais aus. Durch Kälteeinbrüche keimte er jedoch nur schlecht. Ende Mai machte ich deshalb eine neue Aussaat mit der mittelspäten Sorte, die gut keimte. Die Pflanzen wuchsen etwas uneinheitlich heran, blühten zu unterschiedlichen Zeiten und wurden dadurch nicht optimal befruchtet. Ich hatte auf einem etwa drei Meter langen Beet zwei Reihen angebaut. Ende September bis Mitte Oktober erntete ich dennoch viele sehr süße Kolben, die im Kühlschrank ihre Süße kaum verloren haben. Für mich ist der Sativa-Mais eine echte Alternative zu den supersüßen Hybridsorten. Die nicht optimale Ernte lag weniger am Saatgut, eher an den Wetterextremen im letzten Jahr.
Bezugsquelle:
www.sativa-rheinau.ch
Beim Anbau von frühen Kohlrabi gibt es immer wieder langgestreckte Knollen oder sogar Schosser mit Blütenansätzen. Ausgelöst wird dies durch tiefe Temperaturen im Frühjahr. Beim Kohlrabi beginnt die Kältereizaufnahme ab der Bildung des dritten Blattes und bei Temperaturen von fünf bis zwölf Grad. Die Reizwirkung ist bei fünf Grad am stärksten. Temperaturen über 16 Grad können eine begonnene Flaschenbildung stoppen. Am sichersten sind Temperaturen von 20 bis 25 Grad. Bei gleichen Durchschnittstemperaturen sind Tag/Nachttemperaturen von 12/12 Grad riskant, dagegen 22/2 Grad kaum. Daraus folgt, dass durch hohe Tagtemperaturen tiefe Nachttemperaturen ausgeglichen werden können. Sind die Nächte zu kalt, ist es sinnvoll, die Pflanzen mit Vlies abzudecken.
BÖG Infofax
Februar
Immer wieder empfehle ich Ackerschachtelhalm auf Boden und Pflanzen anzuwenden. Neuere Untersuchungen des Forschungsrings für Biodynamische Wirtschaftsweise zeigen, dass es wichtig ist, Ackerschachtelhalm im Winterhalbjahr einzusetzen und zwar dort, wo Pilzkrankheiten im nächsten Jahr auftreten könnten - also vor Salat, Kartoffeln, Tomaten, Gurken und anderen. Wer kein Schachtelhalmextrakt nimmt, sollte das Kraut am besten um Johanni (24. Juni) sammeln und trocknen. 60 Gramm getrocknetes Kraut wird in 2 Liter Wasser eine Stunde lang gekocht. Den Sud einen Tag stehen lassen, dann abseihen und im Verhältnis 1:5 bis 1:10 mit Wasser verdünnt ausbringen. Am besten bei Tauwetter im Winter, aber auch im Herbst und Frühjahr auf den Boden spritzen. Diese Maßnahme stärke die Pflanze oft wirkungsvoller als direktes Spritzen auf die Blätter. Zu starke Pilzbildung würde ausgeglichen und das System Boden-Pflanze-Umgebung gut geordnet. Auch im Gewächshaus wurden positive Erfahrungen gemacht.
Auf dem Stein: Hand-Rosengabel Vorne: Rosengabel mit Stiel
Durch einen Artikel wurde ich auf zwei pfiffige Helfer im Garten aufmerksam -
die Rosengabeln. Sie bestehen aus zwei Zinken, ähnlich einer Grabgabel, die jedoch vier Spitzen besitzt. Ich bestellte eine kleine Hand-Rosengabel und eine größere mit Stiel – und bin begeistert. Mit ihnen lassen sich mühelos Wildkräuter (mit langen Wurzeln) auch zwischen Gemüse oder Stauden entfernen. Der Boden kann sehr exakt nur unter den Wurzeln der Wildkräuter gelockert werden. So können sie im Ganzen herausgezogen werden. Auch zum Lockern kleinerer Flächen ist die Rosengabel mit Stiel ideal.
Preise: Hand-Rosengabel 19,90 €, mit Stiel 38,90 € zzgl. Versand
bei
Biogartenversand,
Jeebel 17,
29410 Salzwedel OT Jeebel,
Tel. 039037/781, Fax 955115,
www.biogartenversand.de
Gartenrundbrief-Aktion
Demeter-Pflanzkartoffeln und Bio-Steckzwiebeln
Wir bieten in Zusammenarbeit mit Gartenbedarf Clauss aus Esslingen Pflanzkartoffeln in Demeter-Qualität und Bio-Steckzwiebeln zum Bestellen oder Abholen an. Die neue Sortenliste ist im Januar erhältlich. Bei den Kartoffeln ist auf jeden Fall eine frühe, mittelfrühe und mehlige Sorte. Packungsgrößen: 2,5/5/10/25 kg (Sammelbestellung spart Porto) – Zwischengrößen möglich. Lieferung ab etwa Mitte März (witterungsabhängig). Alle Besteller vom letzten Jahr werden automatisch benachrichtigt. Die Sortenliste steht ab Ende Januar zum Herunterladen im Internet unter www.gartenclauss.de/aktuell.php
Gartenbedarf Clauss, Kolpingstr. 26,
73732 Esslingen, Tel. 0711/372127,
Fax 3704566, post@gartenclauss.de
Gartenbedarf Clauss ist zertifiziert für Bio-Pflanzkartoffeln und Bio-Steckzwiebeln bei der DE-006 Öko-Kontrollstelle.
Die unglaublichen Leistungen eines Baumes
Zusammengefasst von Iris Mühlberger (auch Fotos)
Schon oft suchte ich nach Zahlen, um zum Beispiel gegen ein unsinniges Fällen von alten Bäumen in der Landschaft oder in Gärten argumentieren zu können. In der Verbandszeitschrift "Grün ist Leben" vom Bund deutscher Baumschulen BdB (
www.signum-kom.de/bdb) wurde ich fündig. Anhand verschiedener Beispiele verdeutlicht der BdB den ungeheuren Nutzen und hohen Geldwert von Bäumen und Gehölzen.
Gehölze...
- ..produzieren lebensnotwendigen Sauerstoff
- ..reduzieren den Kohlendioxidanteil in der Luft
- ..sorgen für Schatten und durch die Blattaktivitäten für eine Kühlung der Luft
- ..sind ein effektiver Filter für Stäube und Schadstoffe - reinigen damit die Luft
- ..speichern Wasser, regulieren die Luftfeuchtigkeit und den Grundwasserspiegel
- ..wirken positiv auf das gesamte Klimageschehen
- ..steigern das menschliche Wohlbefinden durch Blüten-, Farben-, Duft- und Formenvielfalt
- ..bieten Genuss in Form von Früchten
- ..sind Lebens- und Schutzraum für eine Vielzahl von Lebewesen
- ..sind Rohstoff-, Papier- und Brennstofflieferanten
- ..steigern den Wert des Arbeits- und Wohnumfeldes
- ..erhöhen die touristische Anziehungskraft von Kommunen und Regionen
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Mutter Natur stellt in Rechnung
Um die Leistungen eines Baumes anhand einiger Zahlen zu dokumentieren, wurde der Geldwert der Leistung errechnet, den ein Gartenbaum durchschnittlich im Jahr erbringt. Sicherlich ist jedes Zahlenspiel anfechtbar und in Details auch fehlerhaft, trotzdem könnte uns die Natur bei Nicht-Pflanzung oder Abholzung eine Rechnung wie folgende für einen Baum aufstellen:
- Holzwertzuwachs (Kaminholz) = 1,50 €
- Eventuell essbare Früchte = 15,– €
- Organisches Material für Kompostierung (z.B. Blätter im Herbst) = 3,– €
- Windschutz = 5,– €
- Schattenspender = 40,– €
- Filterung von Staub usw. = 10,– €
- Förderung von Bodenleben im Wurzelbereich = 25,– €
- Schaffung von Lebensraum, auch für bedrohte Arten = 10,– €
- Symbiose mit Lebewesen = 25,– €
- Aufenthaltsort für Menschen = 25,– €
- Produktion von Sauerstoff für einen Menschen = 500 ,– €
Das sind Gesamtkosten von 659,50 €
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Foto: R. Sturm
www.pixelio.de
Diesen Betrag müsste die Volkswirtschaft pro Jahr aufbringen, um die Leistung von Bäumen in Hausgärten auszugleichen. Für einen hundert Jahre alten Baum wären das etwa 65.000 €. Im Wald ist diese Kostenaufstellung zu verdreifachen, da pro Waldbaum Erosionsschutz, Regulierung des Wasserhaushaltes, Schaffung von Wirtschaftsraum, Jagdrevier, Klimaschutz und anderes zusätzlich in Anschlag gebracht werden müssten.
Pro Jahr erzeugt zusätzlich ein Hektar ...
- ..Nadelwald (Kiefern) 30 to Sauerstoff, der für 91 Menschen reicht
- ..Laubwald 16 to Sauerstoff, der für 48 Menschen reicht
- ..Kulturland oder Rasen 3 bis 10 to Sauerstoff, der für 9 bis 30 Menschen reicht
Demgegenüber beträgt der Sauerstoffverbrauch...
- ..beim Menschen pro Jahr 330 kg
- ..beim Auto je 100 l Treibstoff 350 kg
- ..beim Düsenflugzeug je Atlantiküberquerung 35.000 kg
Ein alter Baum hat den Wert von 2.000 jungen Bäume
Quelle: www.die-gruene-Stadt.de
Als Beispiel dient eine rund hundert Jahre alte Buche, 20 m hoch, mit etwa 12 m Kronendurchmesser. Durch mehr als 600.000 Blätter verzehnfacht sie ihre 120 m2 Grundfläche auf etwa 1.200 m2 Blattfläche. Die Lufträume des Blattgewebes schaffen für den Gasaustausch eine Gesamt-Oberfläche von etwa 15.000 qm - das sind zwei Fußballfelder! 9.400 l oder 18 kg Kohlendioxid verarbeitet dieser Baum an einem Sonnentag. Bei einem Gehalt von 0,03 % Kohlendioxid in der Luft strömen etwa 36.000 m3 Luft durch diese Blätter. Die in der Luft schwebenden Bakterien, Pilzsporen, Staub und andere schädliche Stoffe werden dabei größtenteils ausgefiltert. Gleichzeitig wird die Luft angefeuchtet, denn etwa 400 l Wasser verbraucht und verdunstet der Baum an dem selben Tag. Die 13 kg Sauerstoff, die dabei vom Baum durch die Fotosynthese als Abfallprodukt gebildet werden, decken den Bedarf von etwa zehn Menschen. Außerdem produziert der Baum an diesem Tag 12 kg Zucker, aus dem er alle seine organischen Stoffe aufbaut. Einen Teil speichert er als Stärke, aus einem anderen baut er sein neues Holz.
to = Tonnen | kg = Kilo | l = Liter | %= Prozent | m = Meter | m2 = Quadratmeter | m3 = Kubikmeter
Würde dieser Baum gefällt, müssten etwa 2.000 junge Bäume mit einem Kronenvolumen von jeweils 1 m3 gepflanzt werden. Die Kosten dafür liegen bei etwa 150.000 €.
Recyclingtipp für Vogelfreunde
Leserbrief von Christine Groß (auch Foto)
Ich habe letztes Jahr sehr gute Erfahrungen mit einem pfiffigen, selbst hergestellten Fettfutter für Wintervögel gemacht. Dazu verwendete ich übriggebliebene Knoblauchkörbchen aus der Küche und einen S-Haken zum Aufhängen in einem Baum, Balkongeländer oder Ähnlichem. Das Futter besteht aus einer Körnermischung, unter anderem mit Sonnenblumenkernen und Erdnüssen, dazu erwärmtem Kokosfett, dass im Körbchen in der Kälte ganz fest wird. Es gibt den Körnern Stabilität und hält gut in dem Maisblätter-Material. Die kleinen Futterstationen werden von den Tieren sehr gern angenommen, sind preisgünstig, einfach herzustellen und nachzufüllen. Nach einer Saison können die Körbchen im Biomüll entsorgt werden.
Christine Groß, Leserin aus Österreich
Mitmachen bei der Stunde der Wintervögel
Hier gibt es was zu zählen: Stieglitze, Haus- und Feldsperlinge am Futterhaus der Redaktion
Vom 6. bis 9. Januar findet erstmals deutschlandweit die "Stunde der Wintervögel" statt. Der Naturschutzbund (NABU) und Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) rufen Naturfreunde auf, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und zu melden. Die Naturschützer erwarten aus den Beobachtungen neue Erkenntnisse, etwa über die Auswirkungen des Klimawandels oder über die verschiedenen Arten am Futterhaus. In Bayern organisiert der LBV diese Aktion zum sechsten Mal. Bereits in den ersten Jahren wurden überraschend viele und zunehmend mehr Zugvögel gemeldet, die sich offenbar wegen der immer milderen Winter den Zug in den Süden sparen. Dazu gehörten 2009 auch die seltenen Seidenschwänze. Die auffäligen sibirischen Vögel waren wegen eines extremen Wintereinbruchs nach Deutschland geflohen. Die Beobachtungen können gemeldet werden per Post, Telefon 0800/1157115 (kostenlos am 8. und 9. Januar von 10.00 bis 18.00 Uhr) oder im Internet unter
www.nabu.de/stunde-der-wintervoegel