


Wieder einmal geht ein erlebnisreiches Gartenjahr zu Ende. Nicht nur die Witterung war sehr spannend, sondern auch die vielen "alten" und "neuen" Besucher, die meinen Garten belebten. Ich wünsche mir fürs Neue Jahr, dass viel mehr Gärtner die sogenannten "Schädlinge" mit Gelassenheit annehmen können, ihr Tun und Wirken im Garten beobachten und dabei interessante Zusammenhänge entdecken. Die Natur unterscheidet auch nicht nach "Nützlingen" und "Schädlingen". Für sie sind Beide gleichsam wichtig, da sie sich ergänzen und die Einen ohne die Anderen nicht leben können. Gäbe es zum Beispiel keine Blattläuse, Käfer oder Raupen mehr, fänden auch Vögel kaum mehr Nahrung für ihre Jungen. Außerdem würden die für die Bestäubung unserer Blumen so wichtigen und wunderschön anzusehenden Schmetterlinge aus unseren Gärten verschwinden.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen erholsame Feiertage mit schönen Erlebnissen und positive Gedanken fürs Neue Jahr. Dazu bedanke ich mich für Ihre langjährige Treue, motivierenden Briefe und Spenden für unsere Arbeit. Ein herzliches Willkommen auch an die vielen neuen Abonnenten.
Iris Mühlberger
Mairübe ‘Di Milano a colletto viola’
Blumenkohl ‘White Ball’Auch im elften Jahr gibt es bei der Bingenheimer Saatgut AG wieder interessante neue
samenfeste Sorten aus biologischer und biodynamischer Vermehrung. Die im GR 1/2011 und 3/2011 vorgestellten sehr süßen Zuckermaissorten von der Sativa Rheinau AG (Schweiz) gehören dazu. Außerdem gibt es die neue Mairübe 'Di Milano a colletto viola'. Sie ist lila/weiß, flachrund und soll feines Fleisch haben. Der Anbau von Blumenkohl ist im Biogarten immer wieder ein Abenteuer, da Witterung und Düngung oft nicht ganz optimal sind. Die neue mittelspäte bis späte Sorte 'White Ball' entwickelt kräftige Pflanzen mit gut gedeckten Köpfen. Dazu soll sie sehr frosthart sein und gut schmecken. Neu im Angebot ist dazu der Hirschhornwegerich. Noch mehr Neuheiten stehen im Katalog. Er kann im Internet heruntergeladen oder bestellt werden bei der
Bingenheimer Saatgut AG, Kronstr. 24,
61209 Echzell, Tel. 06035/1899-0, Fax -40,
www.bingenheimersaatgut.de
HirschhornwegerichWeitere Anbieter von langjährig vermehrtem Biosaatgut sind auf unseren Internetseiten www.gartenrundbrief.de in der Rubrik "Der Biogarten" zu finden.
Ende des Monats beginne ich mit Fensteraussaaten von frühen Salaten (Sorten siehe "Aussaatzeiten"). Bei schnellwüchsigen Sorten treten immer mal wieder glasige Blätter auf, wenn mehr Wasser aufgenommen wird, als verdunstet werden kann. Es gelangt in die Zellzwischenräume und das Blatt wird teilweise durchscheinend. Hohe Luftfeuchte begünstigt diese Glasigkeit, weil die Verdunstung herabgesetzt wird. Wenn dies längere Zeit anhält, brechen die Zellwände zusammen und das Gewebe stirbt ab. Auch Keimblätter können davon betroffen sein. Ein Befall durch Bakterien und Pilze geschieht dann weitgehend unbemerkt, wenn die ersten Blätter vom restlichen Kopf überwachsen sind. Wichtigste Maßnahme ist es, das Wasser aus den glasigen Flecken herauszudampfen, also viel zu lüften und eventuell etwas zu heizen. Bereits abgestorbene Blätter abzupfen.
Aus Südblitz der biodynamischen Profi-Gärtner
Wir bieten in Zusammenarbeit mit Gartenbedarf Clauss aus Esslingen Pflanzkartoffeln in Demeter-Qualität und Bio-Steckzwiebeln zum Bestellen oder Abholen an. Die neue Sortenliste ist im Januar erhältlich. Packungsgrößen: 2,5/5/10/25 kg (Sammelbestellung spart Porto) - Zwischengrößen möglich. Lieferung ab etwa Mitte März (witterungsabhängig). Alle Besteller vom letzten Jahr werden automatisch benachrichtigt.
Die Sortenliste steht ab Ende Januar zum Herunterladen im Internet unter www.gartenclauss.de/aktuell.php
Gartenbedarf Clauss, Kolpingstr. 26,
73732 Esslingen, Tel. 0711/372127,
Fax 3704566, post@gartenclauss.de
Gartenbedarf Clauss ist zertifiziert für Bio-Pflanzkartoffeln und Bio-Steckzwiebeln bei der DE-006 Öko-Kontrollstelle.
Dieses Jahr bietet auch der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg VERN e.V. eigene Bioland-Steckkartoffeln zum Abholen und im Versand an. Darunter sind viele alte Sorten wie Ora, Hansa, Sieglinde, Ackersegen oder Blue Salad Potato.
VERN e.V., Burgstr. 20,
16278 Angermünde OT Greiffenberg,
Tel. 033334/70232, Fax 85102,
www.vern.de
Jetzt steht bei mir die Reinigung meiner rund dreißig Vogelnistkästen auf dem Programm. Der Zeitpunkt vor der neuen Brutsaison ist nahezu ideal, da viele Tiere die alten Nester als Unterschlupf für kalte Winternächte benutzen - nicht nur Vögel, sondern auch nützliche Insekten. Sie sollten bei der Reinigung ausgewandert sein. Wenn nicht, einfach im Kasten belassen. Außerdem sind bei Kälte die Vogelflöhe kaum mehr mobil. Ich fege die Nistkästen gründlich aus, natürlich ohne irgendwelche Reinigungsmittel und benutze dazu eine Staubmaske.
Hier noch ein interessanter Internettipp: www.hortipendium.de - Ein frei zugängliches Nachschlagewerk (Wiki) für gartenbauliche Fragen, unter anderem zu Anbau, Produktion, Hausgarten oder Verbraucher. Die Inhalte entstehen aus der Kreativität und dem Engagement der Autoren. Irrtümer sind deshalb nicht ausgeschlossen.
Nisthilfe
BlattlausgrabwespeSeit ein paar Jahren bin ich begeisterte Beobachterin von Wildbienen und Wespen. Da ich in meinem Garten viele Wildblumen ausgesät und gepflanzt habe, kommen immer mehr von den wichtigen Blütenbestäubern. Und sie brauchen außer Nahrung natürlich auch Wohnraum, der trotz meines Naturgartens in der benötigten Menge nicht vorhanden war. So befasste ich mich mit dem Bau von Nisthilfen für Insekten. Recht schnell fand ich durch Gespräche mit Experten und Lesen von Büchern heraus, dass es "geeignete" und "ungeeignete" Materialien und Bauweisen gibt. Jedoch sind sich die Experten hierbei auch nicht immer einig. So beschloss ich, eigene Erfahrungen zu machen, über die ich hier berichten möchte.
Senkrecht gestellte Himbeerruten wurden sofort angenommenMarkhaltige Stängel immer senkrecht stellen
Eines wurde mir sehr schnell klar: Die Wohnungen müssen aus verschiedenen Materialien bestehen, da Insekten unterschiedliche Vorlieben haben. Manche Wildbienen und solitär lebende Wespen brauchen vorgefertigte Löcher, da sie keine bohren können. Andere wiederum nehmen ihren Wohnungsbau selbst in die Hand und fressen Gänge in morsches Holz, sandigen Lehm oder markhaltige Stängel. Von ihnen hatte ich genug im Garten. So legte ich einjährige, etwa 50 cm lange Himbeerruten waagrecht in Kistchen und verstand nicht, dass sich dafür niemand interessierte. Auf Nachfrage beim Experten erfuhr ich dann, dass solche Stängel unbedingt senkrecht gebündelt aufgestellt werden müssen. Dem Rat folgte ich und schon klappte es: Bereits am zweiten Tag beobachtete ich eine kleine Grabwespe, wie sie das Mark herausschaffte und einen winzigen Gang bohrte (siehe Foto). Wer keine Himbeerruten hat, kann auch dürrre Brombeerranken (sollen besonders geeignet sein!), Stängel von Königskerzen, Disteln, Kletten oder Beifuß nehmen.
Rostrote Mauerbiene
Solitäre Faltenwespe
Kegelbiene
Gehörnte MauerbieneBaumscheiben und Holzklötze
Nach Lektion eins folgte zwei. Die wohl bekanntesten Nisthilfen für Insekten sind Baumscheiben oder Holzblöcke mit Bohrlöchern. Auch hier gehen die Meinungen der Experten etwas auseinander. Die einen sagen, auf keinen Fall die Baumscheiben von der Stirnseite her anbohren, da die Gänge durch Temperaturschwankungen gerne reißen und so unattraktiv werden, die Brut dadurch sogar absterben kann. Andere empfehlen genau solche Hölzer, was aber auch nach meiner Meinung nicht ideal ist. Ich bohre die Löcher entweder seitlich in Baumscheiben (Rindenseite) oder nehme gleich Holzklötze. Auf jeden Fall müssen alle dicker als 10 Zentimeter (cm) sein und aus Hartholz von Buche, Eiche, Esche oder Obstbäumen bestehen – keinesfalls aus Nadelholz. Es ist zu fasrig. In das Holz werden Gänge von fünf bis 10 cm Tiefe und zwei bis neun Millimeter (mm) Durchmesser gebohrt. Meine Erfahrung ist, dass Bohrlöcher von drei bis sechs mm am ehesten besiedelt werden. Deshalb sollten davon auch am meisten gebohrt werden. Gut ist es dazu, die Holzoberfläche nach dem Bohren mit feinem Sandpapier zu glätten, damit die Eingänge nicht durch Fasern versperrt werden. Auch die Wand der Gänge sollten glatt und ohne Holzspäne sein – eventuell nachbohren und auspusten. Holzschutzmittel und Farben sind bei den Nisthilfen natürlich tabu.
Eine abgesägte Tonröhre mit Schilfstängeln, die an der Rückseite mit Lehm abgedichtet wurdenEinfach und effektiv: Schilfhalme in Dosen
Schnell und einfach herzustellen sind Nisthilfen aus Schilfmatten vom Baumarkt. Sie werden in mindestens zehn bis 20 cm lange Stücke gekürzt, aufgerollt und mit einer Schnur oder Draht zusammengehalten. Sie können zum Beispiel in Blechdosen oder Tonröhren (Foto) gesteckt werden. Wichtig ist es, die Enden lichtdicht zu verschließen, zum Beispiel mit Lehm oder Ton. Dadurch halten die Röhrchen auch besser und können kaum von Vögeln herausgezogen werden. Mit welchem Werkzeug die Matten am besten zersägt werden, ohne dass sich die Röhrchen verformen, habe ich noch nicht herausgefunden. Empfohlen werden Rebschere, Hand- oder Laubsäge. Solche Nisthilfen sollten alle paar Jahre erneuert werden, da sie, je nach Standort, leicht verwittern.
Ziegel ist nicht gleich Ziegel
Schon häufig habe ich gesehen, dass in großen Wildbienenanlagen mehrere Lochziegel liegen. Meistens sind die Löcher jedoch zu groß oder viereckig, so dass sie nicht angenommen werden. Entweder man steckt in die Löcher hinten geschlossene Bambusröhrchen oder nimmt gleich geeignete Strangfalzziegel, die in alten Häusern zum Dachdecken benutzt werden. Mancher Dachdecker hat sicher noch welche im Lager. Sind die Löcher zu klein, sollten sie mit einem Steinbohrer auf den tatsächlichen Durchmesser vergrößert werden.
LehmkastenLehmkästen für Steilwandbewohner
Offene Steilwände, zum Beispiel in Sand- oder Lehmgruben, werden in der Natur immer seltener. Auch an Häusern gibt es kaum mehr lockeren Lehm oder Kalkmörtel. Also musste ein Ersatzlebensraum für Pelz-, Seiden- und Schmalbienen her. Ich füllte zwei alte Eternitblumenkästen mit zwei unterschiedlichen Lehm-Sandgemischen. Die Kästen sollten mindestens 10 cm tief sein. Ich hatte von der Sanierung unserer Scheune noch Lehmputz übrig, den ich mit viel Sand vermischte. Am besten soll sich Löss eignen, der aber nicht überall zu bekommen ist. Ideal ist es, wenn sich das getrocknete Lehm-Sand-Gemisch noch leicht mit dem Finger abkratzen lässt. Mit Nagel, Quirl, Schraubenzieher und Bleistift bohrte ich in den noch nicht ganz festen Lehm mehrere kurze Gänge von rund fünf bis 8 mm Durchmesser.
Bau der SchornsteinwespeDie schwarzen Löcher sollen eine magische Anziehungskraft auf die grabenden Bewohner ausüben, ihnen jedoch nicht unbedingt als Wohnraum dienen. Ganz nach Gusto, bohren sich die Bewohner dann ihre eigenen oft verzweigten Gänge in den Lehm. Beim mir entdeckte nach kurzer Zeit die Gemeine Schornsteinwespe Odynerus spinipes die Löcher und baute bizarre Kamine als Abschluss ihrer Gänge (Foto). Nach stärkeren Regen verschwanden diese Röhren leider wieder, was der Brut jedoch nicht schaden soll.
Diese Totholzpyramide soll vermodernTotholzpyramide
Als weitere Maßnahmen stellte ich letztes Jahr eine Totholzpyramide aus alten Laubholzstämmen auf. Dazu hob ich ein etwa 30 cm tiefes und ein Meter breites Loch aus und setzte die Stämme nebeneinander hinein. Alles drückte ich mit Erde fest. Die Hölzer sollen nach und nach vermodern, so dass Lebensräume für spezialisierte Bienen, Wespen, Käfer und andere entstehen.
Wertvolle Helfer beim Wohnungsbau waren diese zwei Bücher:

Wildbienen – Die anderen Bienen
Seit mehr als dreißig Jahren erforscht Paul Westrich Wildbienen. Er veröffentlicht in diesem sehr empfehlenswerten Buch seine schönsten Fotos von ihnen und ihren Nestbauten. Ausführlich erklärt er, wie geeignete Nisthilfen aussehen müssen und zeigt häufig gemachte Fehler auf. Der Autor gibt Tipps, welche Pflanzen besonders Wildbienen anlocken. Am Ende stellt er hohlraumbesiedelnde und weitere Nutznießer in faszinierenden Portraits vor.
Verlag Dr. Friedrich Pfeil,
ISBN 978-3-89937-136-9, 168 S., 19,80 €

Mein Insektenhotel – Wildbienen, Hummeln und Co
Dr. Melanie von Orlow ist Sprecherin der Fachgruppe Hymenopterenschutz und hat eine kleine Imkerei in Berlin. In ihrem Buch stellt sie 69 Hummel-, Bienen- und Wespenarten ausführlich vor. Dazu gibt sie Tipps zum Bau von Wildbienen-Nisthilfen und Hummelkästen, weist dazu auf geeignete Pflanzen für den Garten hin. Ein kleines Manko: Auf den Fotos sind gebohrte Stirnhölzer zu sehen, obwohl im Text davon abgeraten wird.
Ulmer Verlag,
ISBN 978-3-8001-5927-7, 192 S., 14,90 €
Eine Übersicht über alle Kurse Anfang des Jahres in Deutschland steht im Internet unter www.demeter.de in der Rubrik "Verstehen – Einführungskurs". Der Kurs für Hobbygärtner in Baden-Württemberg findet vom 27. bis 29. Januar auf dem Steighof in Münsingen-Bichishausen auf der Schwäbischen Alb statt. Infos bei Demeter Baden-Württemberg (Anschrift Impressum) oder unter www.demeter-bw.de/veranstaltungen.php (Anmeldemöglichkeit).
BuntspechtVom 6. bis 8. Januar findet wieder die “Stunde der Wintervögel“ statt. Der Naturschutzbund NABU und Landesbund für Vogelschutz in Bayern rufen dazu auf, eine Stunde lang Vögel im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und zu melden. Letztes Jahr nahmen mehr als 85.000 Naturfreunde daran teil. So entstand ein recht genaues Bild darüber, welche Vogelarten im Winter bei uns ausharren. Zu den häufigsten zählten neben Kohl- und Blaumeisen auch Grün- und Buchfinken, Sperlinge, Kleiber, Eichelhäher und Spechte. Hinzu kamen Wintergäste wie Bergfinken, Erlenzeisige und Rotdrosseln.
Die Beobachtungen können gemeldet werden per Post, per Telefon 0800/1157115 (7. + 8.1.) oder im Internet unter www.stundederwintervoegel.de.