Demeter Baden-Württemberg
11. Dezember 2017
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Gartenrundbrief 4/2017
Gartenrundbrief 4/2017

Altes und vielseitiges Gemüse – die Haferwurzel

Im zweiten Jahr erscheint eine schöne, violette BlüteIm zweiten Jahr erscheint eine schöne, violette Blüte
Foto: Rau/fotolia.com
von Ruth Dettweiler, Demeter-Gartenbauberaterin

Die Haferwurzel (Tragopogon porrifolius) war früher ein sehr geschätztes Wurzelgemüse und erlebt gerade mit einigen anderen Gemüseraritäten eine kleine Renaissance. Sie stammt aus dem Mittelmeerraum und wurde dort schon in der Antike geschätzt. Bei uns wurde sie im dreizehnten Jahrhundert durch Albertus Magnus bekannter gemacht. Die Haferwurzel bevorzugt sonnige, humose Standorte mit möglichst tiefgründigen Böden, damit sich eine schöne, gerade Wurzel ausbilden kann. Auch für den Dammanbau ist die Haferwurzel gut geeignet. Steinige und zu Staunässe neigende Böden fördern beinige Wurzel und kommen daher nicht in Frage. Die Aussaat kann ab März bis spätestens Mitte Mai direkt ins vorbereitete Beet stattfinden, mit einer Aussaattiefe von zwei bis drei Zentimetern (cm), einem Reihenabstand von 30 bis 40 cm und in der Reihe 8 bis 10 cm. Obwohl es verschiedene Haferwurzel-Sorten wie zum Beispiel 'Mammoth Sandwich Island', 'Gian French' oder 'Lüthy' gibt, wird bei uns in der Regel die einfache Kulturform angebaut.

Unkomplizierter Anbau

Im Anbau sind Haferwurzeln recht unproblematisch. Eine Bewässerung ist nur in längeren Trockenperioden nötig. Bei zu viel Trockenheit in der Hauptwachstumsphase schießen die Pflanzen leicht. Auf einem humosen, nährstoffreichen Boden ist keine weitere Düngung nötig. Zu schätzen wissen Haferwurzeln eine organische Düngung (Mist, Kompost) in der Vorkultur. Auf ärmeren Böden sollte eine zusätzliche Stickstoff- und eventuell Kaliumdüngung erfolgen. Zum Teil gibt es im ersten Jahr Frühblüher. Da die Wurzeln dann stark verholzen, können blühende Haferwurzeln nicht mehr genutzt werden. Schädlinge und Krankheiten treten so gut wie nie auf. Lediglich Echter Mehltau kann vereinzelt vorkommen. Die Pflanze ist frosthart und kann auf dem Beet überwintern. Ab September beginnt die Ernte der Wurzeln, die bis ins Frühjahr geht. Sie werden bis zu 25 cm lang und 3 bis 4 cm dick. Die Wurzeln können auch geerntet und bei 0 bis 1°C und 95% Luftfeuchtigkeit zwei bis vier Monate gelagert werden. Werden die Wurzeln im Freien überwintert, kann es leicht zu Qualitätsverlusten oder Mäusefraß kommen.


So schöne gerade Wurzeln bilden sich nur in tiefgründigen BödenSo schöne gerade Wurzeln bilden sich nur in tiefgründigen Böden
Foto: Bingenheim/Horneburg

Alle Teile sind essbar

Auch wenn der Anbau in der Regel zur Nutzung der Wurzel stattfindet, sind auch die anderen Pflanzenteile verwendbar. Die Blätter werden ähnlich wie Spinat gekocht, roh an Salate oder in Smoothies gegeben. Die Blüten können zum Verzieren genommen werden. Die Blütenknospen eignen sich sehr gut in Mischgemüse oder als Zutat im Wok. Die jungen Blütentriebe können als Sommerspargel genutzt werden. Die Wurzeln werden ähnlich der Schwarzwurzel geschmort, gebraten oder gedünstet. Sie müssen nicht geschält, sondern nur sauber gebürstet werden. Die Haferwurzel gilt als Leber- und Gallentonikum, dazu als sehr nahrhaft und stärkend. Inhaltsstoffe sind etwa 1 % Eiweiß, 16 % Kohlenhydrate, daneben Carotin, Vitamin B1 und B2, Nicotinamid und Vitamin C. Da die Wurzel, wie Topinambur, das Kohlenhydrat Inulin enthält, ist sie besonders für Diabetiker geeignet. Dank ihres hohen Schleimgehaltes wirkt sie beruhigend auf den Magen.
Bio-Saatgut gibt es unter anderem bei: