Demeter Baden-Württemberg
22. Oktober 2017
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Gartenrundbrief 5/2017
Gartenrundbrief 5/2017

Violettglas schützt nicht nur Honig optimal

von Bodo Peter, Demeter-Imkermeister
Violettgläser gibt es in vielen VariantenViolettgläser gibt es in vielen Varianten
Foto: Keck

„Honig ist Substanz gewordenes Licht!“ Damit stehen wir in der Verantwortung, achtsam mit ihm umzugehen. Üblicherweise wird Honig in Weißglas zum Kauf angeboten. Für den Kunden ist das geschickt: Er kann sowohl die Farbe, als auch die Konsistenz sehen. Honig und andere Lebensmittel werden jedoch auch manchmal in ein spezielles „Violettglas“ abgefüllt. Das hat im Hinblick auf Qualität und Haltbarkeit zwar wesentliche Vorteile, doch der Kunde sieht nicht genau, was darin ist. Wird der Honig regional vermarktet, kann sich ein Vertrauen zum Käufer entwickeln - der Honig wird dann auch, im Bewusstsein seiner hohen Qualität, „unbesehen“ gekauft. Natürlich spielt die Arbeitsweise des Imkers in Bezug auf die Honigqualität auch noch eine große Rolle. Honig steht oft über Wochen und Monate im Verkaufsregal und wird so ununterbrochen dem Licht ausgesetzt. Das kann zu Qualitätseinbußen führen, besonders im Weißglas.

Viele Arbeitsschritte bis zum Honig

Die Biene sammelt die „Nektartröpfchen“ aus den Blüten, nimmt sie über ihren kleinen Rüssel auf und füllt damit ihren Honigmagen. Ganz wie nebenbei, bestäubt sie zudem die Blüten. Oder sollten wir sagen, sie bestäubt die Blüten und sammelt wie nebenbei Nektar? Zurück im Stock, übergibt sie diese „wertvolle, süße Last“ an ihre Schwestern, die sie immer weiter reichen und dabei den Nektar mit körpereigenen Enzymen anreichern, die ihn zu Honig werden lassen. Hat der Honig die richtige Konsistenz und die notwendige Reife, wird er in Waben eingelagert und von den Bienen mit einer hauchfeinen Wachsschicht verschlossen. Er ist damit optimal konserviert. Erst dann ist der Zeitpunkt für den Imker gekommen, den Honig zu ernten. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Violettglas ist ein natürlicher Filter

Abbildung 1Abbildung 1
Abbildung 2Abbildung 2
Abbildung 3Abbildung 3
Abbildung 4Abbildung 4
Abbildung 5Abbildung 5

Die wertvollen Inhaltsstoffe des Honigs sind sehr sensibel, insbesondere lichtempfindlich. Sie sollten bei der Lagerung außerhalb des von Natur aus dunklen Inneren des Bienenstocks entsprechend geschützt werden. Weißglas, in das Honig üblicherweise abgefüllt wird, kann diesen Anforderungen nicht optimal gerecht werden. Die Zusammensetz ung des Sonnenlichts verrät uns, warum das so ist. Licht besteht aus einem sichtbaren (Regenbogenspektrum) und einen für uns unsichtbaren Lichtanteil. Sichtbar wird weißes Licht, wenn es durch ein Glasprisma gelenkt wird (Abb.1). Der für das menschliche Auge unsichtbare Lichtanteil liegt im Bereich der elektromagnetischen Wellenlängen von Infrarot und UV-A. Sonnenlicht hilft Pflanzen dabei, den vollen Reifeprozess zu erreichen – den Erntezeitpunkt. Wird dieser überschritten bewirkt es mit seinem vollen Spektrum genau das Gegenteil, der Zersetzungsprozess beginnt. Violettglas wirkt dabei wie ein natürlicher Filter, der für die Lichtanteile des Sonnenlichtes durchlässig ist, welche die Qualität hochwertiger und sensibler Substanzen schützt und verbessert. Das sind die ultravioletten Strahlen und das UV-A Licht. Und genau diese lässt Violettglas durch, also quasi „an den Inhalt heran“. Welche Lichtspektren der verschiedenen Glasfarben „grün, braun, schwarz und violett“ abgehalten werden oder durchlässig sind, zeigen die Grafiken von „MIRON Violettglas“. (Abb. 2 bis 5). Hier ist deutlich zu erkennen, dass Violettglas den sichtbaren Lichtanteil zurückhält, den unsichtbaren Lichtanteil hingegen durchlässt.

Leeres Violettglas für Honig oder andere LebensmittelLeeres Violettglas für Honig oder andere Lebensmittel
Foto: Keck

Bessere Qualität im Violettglas

Dr. Uwe Geier vom Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise e.V. hat in den Jahren 2009 und 2010 nicht nur die Qualität von Honig im Violettglas untersucht, sondern auch die Wirkungsweise von energiesparendem LED-Licht und kam dabei zu überraschenden Ergebnissen. Zur Qualitätsanalyse arbeitete er mit den sogenannten bildschaffenden Methoden, speziell der „Steigbildmethode“. Ein klares Ergebnis von Dr. Uwe Geier war, dass im „MIRON Violettglas“ gelagerter Honig im Steigbild deutlichere Bildmerkmale von Reife zeigte, als ein vergleichbarer, im Weißglas gelagerter Honig. Eher nebenbei wurde bemerkt, dass Geruch (Aroma) und Geschmack des im Violettglas gelagerten Honigs deutlich intensiver waren als beim Vergleichshonig im Weißglas. Es kann deshalb auf eine deutlich verbesserte Konservierung des Honigs im Violettglas geschlossen werden.

LED-Licht beschleunigt das Altern

Welche Wirkungen das neuerdings zuneh- mend eingesetzte LED-Licht insbesondere auf Lebensmittel hat, untersuchte Dr. Uwe Geier ebenfalls und kam zu bemerkenswerten Ergebnissen: „Zurzeit bereitet die EU ein Auslisten aller anderen Leuchtmittel außer LED vor. Das LED-Licht besitzt ein stark abweichendes Spektrum im Gegensatz zu Halogenleuchten oder Glühbirnen. Vor allem ist der Blaulichtanteil deutlich erhöht. Blaulicht ist hochenergetisch. Untersuchungen an lichtempfindlichen Lebensmitteln, wie Milch und Fleisch, zeigten Alterungsmerkmale bei LED-Exposition. Eigene Experimente mit bildschaffenden Methoden und Wirksensorik bestätigten dies auch bei Honig. Proben unter LED wurden ungünstiger bewertet als Proben unter Halogenlicht. Wird das abweichende Spektrum der LED berücksichtigt, sind diese Ergebnisse nicht überraschend. Eine Herausforderung der Zukunft ist es nun, wie empfindliche Lebensmittel geschützt werden können, wenn auf LED nicht verzichtet werden kann.“

Schnittlauchtest mit Weiß-, Braun und ViolettglasSchnittlauchtest mit Weiß-, Braun und Violettglas
Foto: Fa. MIRON

Lagerungstest mit Schnittlauch

Verschiedene getrocknete Kräuter und Gewürze wurden in einem dreimonatigen Lagerungsexperiment in unterschiedlichen Gläsersorten (Weiß, Braun, Violett) während mehreren Stunden täglich der Sonne ausgesetzt, beziehungsweise im Innenraum gelagert. Nach zwei Monaten wurde die Qualität mit Hilfe visueller Veränderung fotografisch festgehalten und in einem Blindversuch zudem die Geruchs veränderung bestimmt. Die Abbildung zeigt eine deutliche Ausbleichung von in Sonnenlicht gelagerten Schnittlauchproben in Braun- und Weißglas. Die in „MIRON Violettglas“ gelagerte Probe zeigte keine Farbänderung. Auch im Geruch zeigte sich der darin gelagerte Schnittlauch eindeutig kräftiger und frischer. (Quelle: MIRON Violettglas)

Mehr als hundert Inhaltsstoffe

Nicht nur Licht, auch Wärme (über 40 °C), schädigen die wertvollen Inhaltsstoffe im Honig. Es bleibt dann nur noch „die reine Süße“ übrig. Ein Löffel im heißen Tee reicht, damit alle Inhaltsstoffe verloren gehen. Warme Milch mit Honig (unter 40 °C) dagegen hat eine heilsame Wirkung. Honig besteht insgesamt aus über einhundert wertvollen Inhaltsstoffen, die einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben können. Diese gilt es zu schützen. Das „MIRON Violettglas“ kann einen wesentlichen Teil dazu beitragen, die wertvolle Gabe der Bienen in höchster Qualität genießen zu können.
Bezugsquelle: www.glas-shop.com, Tel. 0800/0700150 (verschiedene Dosen, Wasser-, Öl-, Wein- und Apothekerflaschen)
Infos unter: www.miron-glas.com